„Lerneffekte“ aus Sachsen-Anhalt?

Organisationspsychologe Jörg Heidig Foto: Paul Glaser
Görlitz. Muss man aus Sachsen-Anhalt lernen? Die Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne/SPD und Motor Görlitz aus dem Stadtrat fragt am 24. September, ab 19.00 Uhr, im GO BE in Görlitz jedenfalls: Was lernen wir aus Sachsen-Anhalt?
Die beiden politischen Gruppen wollen die Frage diskutieren, was die Wahlergebnisse wie zuletzt in Sachsen-Anhalt für die kommunale Ebene in der Region bedeuten. Dazu ist als Gast Dr. Jörg Heidig, Organisationspsychologe aus der Oberlausitz und Mitherausgeber des Lausitz Monitors eingeladen. Seit Jahren untersucht er, wie die Menschen in der Region Politik und den gesellschaftlichen Wandel bewerten.
Heidig wird aktuelle Zahlen aus dem Lausitz-Monitor vorstellen und einordnen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, woher die politische Stimmung in der Lausitz kommt und warum die Unzufriedenheit wächst, „obwohl es den meisten Menschen persönlich gut geht.“ Aber ist das überhaupt das entscheidende Moment? Denn die große Frage scheint ja viel mehr in Glaubwürdigkeit und Ohnmacht gegenüber vormoderierten Entscheidungen zu liegen... Tappt der Abend eventuell so in die große Falle der ratlosen Standartlösung: „Wir müssen den Menschen draußen im Land besser erklären...“? Was zum Beispiel, wenn der Mensch da draußen einfach mehr Weisheiten aus Erfahrungen einbringt?
Im Mittelpunkt des Abends soll aber, so die Veranstalter, nicht nur die Analyse stehen. Gäste sollen zu Wort kommen. Die in der Einladung gestellte Frage „Wie erreicht man Menschen noch?“ könnte ebenso die Frage aufwerfen, ob diese in die eventuell gleiche Einbahnstraße vermeintlicher Vermittlungsdefizite führt – viel Moderationsarbeit also für Jörg Heidig, wenn ein wirklich diskussions- und nicht akklamationsfreudiges Publikum erscheint. Beginn ist um 19.00 Uhr in der Peterstraße 13.
Kommentare zum Artikel "„Lerneffekte“ aus Sachsen-Anhalt?"
Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
Die in der Einladung gestellte Frage „Wie erreicht man Menschen noch?“ ist schon im Ansatz so falsch, dass ich mir den Besuch der Veranstaltung erspare. Es ist genau diese Art des sich selbst überhöhenden Denkens, das die Fragesteller in die Situation gebracht hat, in der sie sich heute befinden, und die sie so regelmäßig beklagen. Hochgebildete Leute in oftmals hochdotierten Stellungen. Die interessante Frage, die sich aber genau diese Leute offensichtlich nicht stellen, lautet: "Warum erreichen andere Akteure die Menschen, wir aber nicht mehr?". Aber bei dieser Fragestellung müssten sie "die andere Seite" als Marktakteur betrachten, und nicht als Feind.