Makerspace nimmt Jugend mit zum Mond

Arbeiten an Zukunftsmodellen: Im Vordergrund Max Hilse mit dem Team des Löbauer Makerspace’ Geistesblitz – v.l.n.r.: Emil Friedrich, Greta Reinhold, Julien Rohr, Karl Gustav Kießling, Dora Münnich und Lena Altmann Foto: Geistesblitz
Stell dir vor, du packst deine Sachen und ziehst auf den Mond. Klingt nach Science-Fiction? Ist es irgendwie auch. Aber genau darum geht es bei einem Projekt, das seinen Anfang im Löbauer Makerspace Geistesblitz des Vereins Löbau lebt e.V. nimmt. Vielleicht klingt das ein bisschen verrück, aber wer weiß, es wäre nicht die erste verrückte Idee aus der irgendwann einmal Realität geworden ist.
Löbau. Die Vision einer Basis auf dem Mond, auf der Menschen für eine gewisse Zeit ein neues Zuhause finden, beginnt also in der Oberlausitz. Zugegeben, diese Aussage ist tatsächlich etwas weit hergeholt. In Löbau wird die Forschung zu den Möglichkeiten des Lebens auf dem Mond nicht neu erfunden. Vielmehr dient der aktuelle Forschungsstand als Grundlage für das spannende Jugendferiencamp Mondbasis des Makerspaces Geistesblitz.
Vom 13. bis 16. Oktober haben 16 junge Menschen von 15 bis 22 Jahren die Möglichkeit, in einem viertägigen Feriencamp mit Fachleuten des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) ihre eigene Vision einer sächsischen Mondbasis zu entwickeln.
Alle Aspekte von Versorgung über Hygiene, mentale Gesundheit und die Auswirkungen eines längeren Lebens auf dem Mond bis hin zu Energiefragen, Baustoffen und meteorologischen Gegebenheiten werden bei der theoretischen Konzeption berücksichtigt. Darauf aufbauend entsteht die eigene Mondbasis mithilfe des 3D-Druckers und KI-generierten Videomaterials. Das Camp umfasst die Übernachtung in Löbau sowie alle Mahlzeiten.
„Mit dem Camp wollen wir junge Menschen für das Zukunftsthema Raumfahrt begeistern, das auch in der Oberlausitz durch das Deutsche Zentrum für Astrophysik stark vertreten ist. Auch wir in der Oberlausitz können nach den Sternen greifen“, erklärt Max Hilse, der sich seit 2021 im Vorstand des Vereins Löbau lebt engagiert. Das Vorstandsmandat übernahm er damals übrigens genau einen Tag nach seinem 18. Geburtstag.
Vor Zielen, für die man sich strecken muss, scheut Max Hilse sich grundsätzlich nicht. Im Gegenteil, er sucht sie bewusst.
Dinge voranzutreiben, lag schon immer in der Natur des jungen Löbauers, der aktuell Wirtschaft und Philosophie in Bayreuth studiert. Zu Schulzeiten ergriff er die Initiative und gründete die Schülerfirma des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Etwas später in seiner Schulzeit kam er zum ersten Mal mit dem Verein Löbau lebt in Berührung. Nach kurzer Zeit war er treibender Mitbegründer des Makerspace Geistesblitz, den er heute als festen Bestandteil der Löbauer MINT-Szene (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in den Händen der bereits dritten Schülergeneration weiß. Mehr als 15 junge Tüftler engagieren sich regelmäßig im Löbauer Technik-Hub.
„Die Oberlausitz ist ein Ort, wo das eigene Engagement einen Unterschied macht. Man erfährt generell viel Unterstützung. Durch das Engagement lernt man auch sehr viel für die persönliche Entwicklung, deshalb ist es mir wichtig, auch andere junge Menschen zu erreichen und dafür zu begeistern. Als junge Generation müssen wir uns für unsere Probleme selber stark machen, sonst macht es keiner“, so Max zu seiner Motivation für den Einsatz in seiner Heimat. Das war auch ein Grund dafür, dass er nach der Insolvenz des Vorgängers im neugegründeten Kreisjugendring Verantwortung übernimmt. Der Jugendring als Dachverband der Jugendarbeit unterstützt selbstorganisierte Jugendgruppen im Landkreis Görlitz.
Auf die Frage, warum er so eine Tatkraft in vielen Bereichen entfaltet, antwortet er: „Ich denke, einen großen Einfluss auf mein aktives Gestalten hat mein Opa. Bis heute lebt er mir eine sehr engagierte Vereinsarbeit vor. Die Wichtigkeit, die Lebensgestaltung aktiv anzugehen und sich nicht vor den extra Meilen zu drücken, hat er mir auf jeden Fall vermittelt.“
Von dieser Einstellung profitiert nun auch die Konzeption des Mondbasis-Camps, die an Professionalität mit akademischen Ansprüchen vergleichbar ist. Als fachlicher Impulsgeber steht der emeritierte Professor Carsten Drebenstedt bereit, der für seinen Beitrag zur Wissenschaft mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. An der TU Bergakademie Freiberg initiierte er den zukunftsweisenden Studiengang Space Resources – Weltraumtechnologien.
Ebenfalls vor Ort sein wird Prof. Günther Hasinger, deutscher Astrophysiker und Direktor des neu entstehenden Deutschen Zentrums für Astrophysik in Görlitz. In seiner früheren Funktion war er unter anderem wissenschaftlicher Direktor bei der ESA, dem europäischen Äquivalent der NASA. In Görlitz entsteht unter seiner Leitung ein Großforschungszentrum der Astrophysik mit den Schwerpunkten Technologienentwicklung und Datenwissenschaften. Mehr als 100 Menschen arbeiten derzeit inhaltlich an der Entwicklung und dem Aufbau des zukünftigen Forschungscampus.
Zudem wird das Camp von Physikstudenten aus der Region begleitet, die momentan an der TU Dresden ausgebildet werden.
Die Frage, ob die traditionellen Oberlausitzer Sterne aus Herrnhut genug Science-Fiction-Potenzial besitzen und auch eine Rolle auf der Mondbasis spielen werden, ließ Max Hilse allerdings noch unbeantwortet. Aufgrund der Förderung durch das DZA, des Bundesforschungsministeriums, der Kulturstiftung des Freistaates sowie der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien ist die Teilnahme kostenfrei. Die Anmeldung ist bis zum 27. September unter www.loebaulebt.de/moonbase möglich.