Handwerk will weniger Beamte

Debatte zum Handwerk im Plenarsaal Foto: Michael Schmidt
Dresden. Das sächsische Handwerk sieht die Betriebe durch hohe Energiepreise, Bürokratie und die schwache Konjunktur unter Druck. Beim Parlamentarischen Abend des Sächsischen Handwerkstages in Dresden kritisierten Branchenvertreter den Entwurf für den Doppelhaushalt 2027/28 als unzureichend. Sie fordern mehr Investitionen, weniger Auflagen und einen stärkeren Abbau von Stellen in der Landesverwaltung.
Besonders die Energiepreise bereiten den Betrieben Sorgen. Auch nach Einschätzungen des Handwerkstages werden Strom, Gas und Heizöl voraussichtlich weiter teurer. Präsident Uwe Nostitz fordert deshalb, die Stromsteuer für alle Unternehmen auf das europäische Mindestmaß zu senken. Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt könne die Kosten zwar etwas drücken, löse aber das grundsätzliche Problem nicht. Steigende Ausgaben müssten die Betriebe teilweise an ihre Kunden weitergeben. Damit bestehe die Gefahr, dass sich manche Handwerkerleistungen für diese nicht mehr lohnen.
Auch beim Landeshaushalt sieht das Handwerk Defizite. Zwar hält der Verband neue Schulden angesichts der wirtschaftlichen Lage für unvermeidbar, zugleich verlangt er aber mehr Geld für Investitionen, etwa in die Infrastruktur. Die Investitionsquote soll 2027 bei 13,5 Prozent liegen. 2006 waren es nach Angaben des Handwerkstages noch 24,2 Prozent.
Zugleich verlangt der Verband einen konsequenteren Abbau von Bürokratie und Landesverwaltung. Die geplante Streichung von 523 Stellen in den kommenden zwei Jahren reiche nicht aus. Wenn staatliche Aufgaben wegfielen, müsse auch die Verwaltung kleiner werden. Für die Betriebe gehe es vor allem um weniger Dokumentationspflichten und Auflagen. Zudem fordert der Handwerkstag, die Pflicht zur Ausstellung von E-Rechnungen für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz wegen anhaltender technischer und rechtlicher Probleme um ein Jahr auf 2028 zu verschieben.
Kritik übt Nostitz auch an Berichten über eine geplante Steuer auf Kunststoffverpackungen. Damit würden die Ziele des Bürokratieabbaus ad absurdum geführt. „Besonders widersprüchlich wird es, wenn für den Vollzug einer solchen Steuer Hunderte zusätzliche Stellen in der Verwaltung benötigt werden“, so der Präsident. Viele Betriebe, insbesondere im Lebensmittelhandwerk, könnten aus Gründen des Hygiene- und Produktschutzes nicht auf Verpackungen verzichten.
Nostitz warnt ferner davor, dass eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft mit Großaufträgen regionale Handwerksbetriebe zu schlecht gestellten Subunternehmern machen könnte. Er fordert stattdessen die Vergabe in Teil- und Fachlosen sowie mehr Anreize für private Investoren, Genossenschaften und Wohnungsgesellschaften.
Trotz der schwierigen Lage bilden die Handwerksbetriebe weiter aus. Im Kammerbezirk Dresden haben bis Ende September 2.170 junge Menschen eine Ausbildung begonnen, 80 weniger als im Vorjahr. Besonders gefragt sind die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektroniker. Der Rückgang bei den Lehrverträgen zeigt nach Einschätzung der Handwerkskammer Dresden bereits erste Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise.