„Man bekommt viel zurück von ihnen“

Seit fast 30 Jahren leitet Karin Dziwok (r.) im Malteserstift St. Monika Aktivierungsangebote für Senioren, die sehr beliebt sind. Nun sucht sie jemanden, der in ihre Fußstapfen tritt. Foto: Beate Diederichs
Karin Dziwok arbeitete ihr Leben lang mit Menschen – und machte im Ruhestand damit weiter: Seit 28 Jahren hilft sie ehrenamtlich Senioren im Kamenzer Malteserstift St. Monika mit ihren Angeboten, Geist und Sinne wach zu halten. Jetzt, mit 87, wünscht sie sich, dass ein Nachfolger in ihre Fußstapfen tritt. „Er kann mein Material und mein Konzept nutzen – oder alles ganz anders gestalten.“
Bischofswerda. Als Karin Dziwok 1998 Rentnerin wurde, hielt sie es nicht lange aus, nur im Ruhestand zu leben. „Ich war ja erst 60, hatte viele Jahrzehnte mit Menschen gearbeitet und merkte: Das fehlt mir jetzt“, erinnert sie sich. Sie wollte ehrenamtlich tätig werden, und zwar im sozialen Bereich. „Ich fragte Sabine Falke, die damalige Hausleiterin des Malteserstifts St. Monika, ob ich mich in der Seniorenbetreuung einbringen könnte. Sie war einverstanden und ich fing dann einfach an.“ Karin Dziwok spielte zunächst mit den Heimbewohnern Rommé oder „Mensch ärgere dich nicht“. Dann zog ihre Schwiegermutter in die Einrichtung. Die heute 87-jährige besuchte sie dort häufig und sah, dass viele der Senioren mitunter nur dasaßen und sich gegenseitig anschwiegen. „Ich wollte versuchen, das zu ändern, und baute daher mein Angebot aus.“ Ihr jetziges Konzept hat sie über Jahre zusammengestellt, unterstützt vom Personal, vor allem einer der Ergotherapeutinnen. „Jeweils an zwei Nachmittagen in der Woche half ich somit dem Personal durch vielseitige Angebote, den Verlust der geistigen und körperlichen Beweglichkeit bei den Heimbewohnern hinauszuzögern.“ Die Karteikarten, die Karin Dziwok im Laufe der Jahre bei ihrer Planung beschriftete, füllten bald zwei Kartons. Sie leisten ihr nach wie vor eine wertvolle Hilfe.
Derzeit läuft Karin Dziwok einmal wöchentlich die knapp zwei Kilometer von ihrem Zuhause zum Malteserstift. Immer an den Dienstagen von 10 bis 11 Uhr wirkt sie in der Einrichtung. Der Wochenplan, der im Eingangsbereich des Malteserstiftes hängt, zeigt, in welchem Wohnbereich sie jeweils eingesetzt ist. So ist sichergestellt, dass die Senioren der drei Wohnbereiche und die Gäste der Kurzzeitpflege sowie der Tagespflege einmal monatlich an den Angeboten teilnehmen können. „Kontinuität ist wichtig“, sagt sie. „Frau Dziwok gehört in gewisser Weise schon zum Inventar, weil sie so lange dabei ist“, kommentiert die heutige Hausleiterin Andrea Spittank. Karin Dziwok stellt die Stunde mit den Senioren stets unter ein bestimmtes Thema – geht das Ganze aber locker an.
Die Bewohner, die mitmachen, sitzen in einem großen Kreis um sie herum, so dass sie sich jedem der Reihe nach zuwenden kann. „Heute begannen wir zum Beispiel damit, über die derzeitigen Waldbrände zu reden. Daraus ergab sich die Sprachaufgabe, möglichst viele Wörter zu suchen, die mit W beginnen.“ Rate- und Gedächtnisspiele machen die Aktivitäten abwechslungsreich. Zwischendurch werden verschiedenfarbige Bälle geworfen und gefangen. Übungen mit Luftballons entspannen und fördern Aufmerksamkeit und Mobilität. Die Resonanz auf ihr Angebot sei sehr positiv, sagt Karin Dziwok.
„Die Leute klatschen am Ende, freuen sich über das, was wir gemacht haben. Man bekommt viel zurück von ihnen.“ Sie findet schnell einen Draht zu ihren „Schützlingen“, weil sie in einem ähnlichen Alter ist wie viele von ihnen und so über einen vergleichbaren Wissens- und Erfahrungshorizont verfügt. „Wichtig ist es auch, die Senioren mit Namen anzusprechen. Man sollte durch sein Auftreten zeigen, dass man das, was man tut, gerne tut“, betont Karin Dziwok. Sie hat beobachtet, dass die älteren Menschen sich in der Runde besser kennen lernen, Ehrgeiz bei der Lösung der Aufgaben entwickeln, aber auch soziales Bewusstsein, indem sie sich gegenseitig helfen. „Sie schwärmen oft gegenüber den Mitarbeitern davon, wie schön die Dienstag-Stunde mal wieder war“, berichtet Andrea Spittank.
Auch wenn sie noch sehr rüstig ist – mit 87 Jahren plant Karin Dziwok, kürzer zu treten. Sie möchte Mitte Dezember aufhören und sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. „Gerne jemanden, der eine sinnvolle Aufgabe nach dem Berufsleben sucht, so wie ich damals.“ Interessenten könnten sie an einem Dienstag oder mehreren begleiten und ihr Konzept erleben und es dann mitsamt dem Material übernehmen – oder etwas Eigenes auf die Beine stellen. „Ich kann mir zum Beispiel auch ein musikalisches Angebot vorstellen“, meint Andrea Spittank.
Wer sich vorstellen kann, Karin Dziwoks Aufgabe zu übernehmen, sollte sich einfach im Malteserstift St. Monika am Kamenzer Forst melden. Vielleicht entwickelt sich aus dem unverbindlichen Besuch ebenfalls eine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit, wie bei Karin Dziwok?