Mit und an der Autobahn

Die ehemalige Reichsautobahn 9 war in den 50er-Jahren in Niederschlesien ein Ziel für Sonntagsausflüge und Fahrradtouren. 1955 gab es in Polen erst 40.000 angemeldete Pkw. Die Aufnahme entstand bei Kanth, kurz vor Breslau (Katy Wroclawskie). Foto: Atelier Karol Danielewicz, Verein der Freunde der Region Kanth
Görlitz. Drei polnische Gastreferenten widmen sich am Dienstag der Architektur entlang des Autobahnabschnittes Breslau–Görlitz der A4.
Sie betrachten am besagten 29. September die Autobahn um 18.00 Uhr nicht nur als Verkehrsader, sondern als Kulturlandschaft. Der Fokus des Vortrages und der Diskussion im Schlesischen Museum, Eingang Fischmarkt 5, richtet sich auf die Reisearchitektur – Straßenränder, Parkplätze, Tankstellen, Überführungen, Werbetafeln und zufälligen Ausblicken. Wie hat sich dieser Raum historisch verändert?
Im Rahmen der Diskussion bringt Dr. Agata Ciaston die Perspektive einer Kulturwissenschaftlerin auf die Geschichte der A4 ein. Architekt Dr. Lukasz Wojciechowski von der TU Breslau hat die Phänomene rund um die Straße fotografiert, untersucht und beschrieben. An der Debatte nimmt außerdem der Künstler Dr. Piotr Skiba, Dozent an der Fakultät für Malerei der Akademie der Bildenden Künste im pommerschen Stettin (Szczecin) teil, der seine Inspiration oft auf Autobahnparkplätzen findet.
Die Referenten werden sich auch mit den Spuren der Vorkriegsreichsautobahn befassen. Einst als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konzipiert, und 1945 Band eines endlosen Vertriebenenzuges, ist die Autobahn heute zunächst einfach Verkehrsader. Die Diskussion leitet Kulturwissenschaftler Krzysztof Dobrowolski. Es gibt eine Simultanübersetzung, der Eintritt kostet 3 Euro.