Rundgang durch die Kita Pfiffikus

Eine weitere Stahltür, die ein Erwachsener nur kriechend passieren kann, führt in einen schmalen Schacht.
Der früheren zentralen Kindereinrichtung für das Wohngebiet Kamenz-Ost hat bald das letzte Stündlein geschlagen. Dem fällt auch ein besonderer Raum „zum Opfer“, den man am liebsten niemals betreten will.
Kamenz. Dieser Raum dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten Örtlichkeiten in Kamenz gehören: Unter der Terrasse der früheren Kindertagesstätte Pfiffikus befindet sich ein – zumindest in der Ausschreibung für den bevorstehenden Abriss so genannter – Luftschutzkeller. Vom Kellergang aus verschließt eine mannshohe Stahltür den Zugang zu dem kahlen, etwa sechs mal vier Meter großen Raum im „Souterrain“ des Gebäudes.
Eine weitere Stahltür, die ein Erwachsener nur kriechend passieren kann, führt in einen Schacht, an dessen Wänden sich Steigeisen befinden. Vermutlich ein Notausstieg für den Fall der Fälle – für klaustrophobisch veranlagte Personen allerdings weniger gut geeignet. Das Szenario, dass sich Kinder an den Eisen emporquälen müssen, will man sich nicht ausmalen.
Selbst in der Stadtverwaltung Kamenz war es weitgehend unbekannt, dass sich ein solcher Raum unter der Kita Pfiffikus befindet. Laut dem „Gesetz über den Luftschutz in der Deutschen Demokratischen Republik“ waren die Leiter staatlicher Einrichtungen verpflichtet, in neu errichteten Gebäuden Vorkehrungen für den Luftschutz zu treffen.
„Da die Bauakten vor 1990 noch nicht vollständig erschlossen sind, können keine weiteren konkreten Aussagen getroffen werden. Es ist vermutlich davon auszugehen, dass dieser Schutzraum in erster Linie für den ersten Schutz der Kinder vorgesehen war, wenn sie sich in der Einrichtung befanden“, erklärt Pressesprecher Thomas Käppler auf Anfrage des Oberlausitzer Kurier.
Mit der weltweiten Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen hat das Thema Luftschutz eine noch vor wenigen Jahren ungeahnte Aktualität gewonnen. Der Schutzraum unter der Kita Pfiffikus soll im Zuge des bevorstehenden Abrisses allerdings nicht erhalten bleiben. Vermutlich würde er auch nur einen eher symbolischen Schutz bieten.
Die Kita selbst befindet sich wenige Monate vor ihrem Ende in einem teilweise von Vandalismus gekennzeichneten Zustand, wie ein dem Oberlausitzer Kurier durch die Stadtverwaltung Kamenz ermöglichter und begleiteter Rundgang zeigt.
Im Kellergeschoss mit der noch fast komplett vorhandenen Küche sowie den Heizungs- und Lüftungsanlagen sind offenkundig noch umfangreiche Beräumungen erforderlich. Eine Strahlungskarte der Region Gomel deutet darauf hin, dass sich hier zeitweise Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl erholten. Die Obergeschosse mit den Gruppen- und Sporträumen atmen den Charme eines DDR-Typbaus, wobei die Kita Pfiffikus in der Ausschreibung als „Typ Niesky“ bezeichnet wird. Verschiedene Dekorationen deuten noch auf die frühere Nutzung hin. Im Außenbereich wurden bereits mehrere Gehölze gefällt, weitere sollen noch folgen. Die Kita wird mitsamt allen baulichen Nebenanlagen abgebrochen. Danach soll eine neue Kindertagesstätte für das Wohngebiet Kamenz-Ost entstehen, die größer ist als ihre Vorgängerin. Doch dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
