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Scholl-Company in Löbau strotzt vor Unternehmertum

Scholl-Company in Löbau strotzt vor Unternehmertum

Die Schülerinnen und Schüler der Scholl-Company haben gemeinsam die Küche des alten Schulclubs aufgeräumt und ausgemistet, um dort künftig ein Schülercafé zu betreiben. Foto: privat

 

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Im Eulenkostüm, dem Schullogo des Geschwister-Scholl-Gymnasums Löbau, warb hier jemand für den 3D-Druckbasar. Foto: privat

Löbau. „Viele Schülerfirmen haben nur ein Geschäftsfeld wie zum Beispiel ein Schülercafé. Wir haben bei uns ganz viele verschiedene Bereiche. Das macht uns besonders und ist unsere Stärke“, betont der Vorstandsvorsitzende Max Hilse. Der 17-Jährige aus Beiersdorf ist Schüler der 11. Klasse am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau. Die Mitglieder der Scholl-Company sind zwischen 14 und 18 Jahren. „Wir sind schon eine ziemlich junge Firma. Es gibt aber auch schon Schülerfirmen an Grundschulen – da können wir vom Altersdurchschnitt her nicht mithalten“, sagt er schmunzelnd. 

Im September 2020 war Max Hilse zum Vorstandsvorsitzenden und sein Stellvertreter auf der 1. Hauptversammlung eines Schuljahres von den Mitgliedern – wie Mitarbeiter bei Schülerfirmen heißen – gewählt worden. Die Idee für die Firma bestand schon relativ lange. „Im Herbst 2019 ist dieses Thema in unseren Schülerrat gekommen“, berichtet er. Ein kleiner Kreis an Leuten – dazu gehörte auch Max Hilse – hat sich dann auf den Weg gemacht, die Schülerfirma zu gründen. „Auch die Schulleitung wollte eine Schülerfirma aufbauen. Deshalb hat alles gut gepasst und wir konnten mit breiter Unterstützung anfangen“, erzählt er. Und er fährt fort: „Als wir die Schülerfirma gegründet haben, ging es uns anfangs als Gruppe darum, uns auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Wir wollten aber auch das Schulleben noch besser machen. Die Schülerfirma sollte der schuleigenen Astrokuppel oder dem 3D-Drucker eine Nutzung geben.“ Die wichtigste Motivation für die Schülerfirma war aber – wie er betont – andere zu Eigenständigkeit und Unternehmertum zu ermutigen. 

Bei der Schülerfirma sind circa 30 Mitglieder in verschiedenen Abteilungen tätig. „Bei unserem Projekt ,Schlaue Eule’ vermitteln wir Schüler, die Nachhilfe geben möchten mit welchen, die Nachhilfe benötigen“, erklärt er. Das Schülercafé konnte bisher wegen Corona noch nicht eröffnet werden. Dort sollen Schüler künftig in den Pausen und nach dem Unterricht Getränke und selbstgemachte Snacks anbieten – nach Möglichkeit regionale Marken wie zum Beispiel Menschellimo. Die 3D-Druckabteilung nutzt die schuleigenen 3D-Drucker, um unter anderem für Lehrer Hilfsmittel für den Unterricht zu produzieren. Zum Service des Bereichs Astrokuppel zählen Schülerführungen durch den Astronomieturm der Schule mit Himmelsbeobachtung durch das Teleskop. Dazu kann sich jeder anmelden – auch außerschulische Gäste. Wenn alles klappt, soll Ende Juli die erste Führung starten. „Dafür werden wir noch mal die Werbetrommel rühren“, sagt er. 

Wie wohl in jeder Firma spielen auch bei der Scholl-Company die Finanzen eine wichtige, wenn auch nicht entscheidende Rolle. „Natürlich achten wir darauf, dass alles, was wir machen auch Gewinn bringt. Doch der muss lange nicht so hoch sein wie bei normalen Unternehmen und hat mehr symbolischen Charakter. Uns sind auch rechtliche Grenzen gesetzt, denn wir dürfen derzeit maximal 22.000 Euro umsetzen“, sagt er. Davon ist die Scholl- Company noch weit entfernt. „Uns geht es mehr darum, uns auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln“, betont er. 

Einen Stundenlohn für die „Belegschaft“ zahlt die Löbauer Schülerfirma nicht. Am Ende jedes Schuljahres entscheiden die Mitglieder, was mit dem Gewinn passieren soll. „Er kann ausgezahlt werden oder wir unternehmen etwas gemeinsam, besuchen vielleicht einen Freizeitpark“, sagt er. Da gebe es verschiedene Möglichkeiten. „Das steht bei uns aber nicht im Vordergrund. Gerade in der Anfangszeit lockt viele der Gedanke an, etwas mitzuwirken“, sagt er.

Das Arbeitsklima ist laut dem Vorstandsvorsitzenden sehr wichtig, „auch weil wir – wie schon angesprochen – keinen Lohn haben. Unseren Mitgliedern muss es Spaß machen, weil sie sonst keinen Grund hätten, mitzuarbeiten. Wir versuchen deshalb bei jeder kleinen Aktivität, einfach locker an die Sache heranzugehen“, sagt er. Besprechungen schweifen schon gern mal ab, was sich richtige Firmen eigentlich so nicht erlauben können. „Wir versuchen zum Beispiel Beschlüsse des Vorstands möglichst leicht festzuhalten. So gibt es bei uns kein langweiliges Dokument, sondern ein Videoprotokoll, indem jemand aus dem Vorstand erzählt, was wir entschieden haben“, erläutert er. 

Die Mitglieder und der Vorstandsvorsitzende duzen sich natürlich. „Wir sind schließlich alle Schüler und haben ein sehr gutes Verhältnis. Die meiste Zeit merkt man nicht, dass ich der Vorstandsvorsitzende bin – nur wenn irgendwo was schief läuft, was aber selten passiert“, so Max Hilse. In der Schülerfirma können sich die Mitglieder optimal auf den zukünftigen Berufsalltag vorbereiten. „Wir lernen bei uns Teamgeist, Streitkultur und Organisationsstrukturen, aber auch Fachkenntnisse wie zum Beispiel zur Buchhaltung oder Förderanträgen. Jeder entwickelt sich da in eine andere, ganz persönliche Richtung“, so der Vorstandsvorsitzende. Und Anekdoten aus dem „Berufsalltag“ könnte Max Hilse auch erzählen: „Im vergangenen Jahr haben wir einmal, um einen 3D-Druckbasar zu bewerben, jemanden im Eulenkostüm durch das Schulhaus geschickt, da dies unser Schullogo ist. Das gab schon ein lustiges Bild ab und hat für viel Aufsehen gesorgt.“

Und welche beruflichen Perspektiven schweben Max Hilse selbst im Leben vor? „Ich schwanke noch ein wenig zwischen einem Jurastudium und Wirtschaftsingenieurwesen. Ich würde dann auch gern ein eigenes Unternehmen gründen. So etwas muss sich aber ergeben, dazu braucht es auch die richtige Geschäftsidee“, antwortet er. 

Max Hilse möchte sich bei allen ganz herzlich bedanken, die die Schülerfirma in ihrer Entwicklung unterstützt haben, vor allem bei der Schulleitung, den engagierten Lehrern und natürlich auch den Mitgliedern, die die Scholl-Company zu dem machen, was sie ist – ein spannendes Projekt mit sehr viel Potenzial. Übrigens: In den Ferien hat die Löbauer Schülerfirma „Betriebsruhe“. 

Steffen Linke / 02.06.2021

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