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Steigende Flüchtlingszahl: Bundespolizei auf Immobilienfahndung

Steigende Flüchtlingszahl: Bundespolizei auf Immobilienfahndung

Der Autobahngrenzübergang Ludwigsdorf aus der Vogelperspektive: Dort werden bislang illegal eingereiste Flüchtlinge durchgecheckt. Doch offenbar reichen inzwischen auch die Kapazitäten dieser Dienststelle nicht mehr aus. Pressefoto

Region. Die Bundespolizei hält derzeit in den Landkreisen Bautzen und Görlitz Ausschau nach leerstehenden Immobilien. Ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna bestätigte damit eine Information, die Alles-Lausitz.de vorliegt. „Die Bundespolizei klärt in der aktuell dynamischen Lage mit steigenden Fallzahlen mögliche in Frage kommende Objekte für eine Erweiterung der Kapazitäten zur grenzpolizeilichen Bearbeitung auf“, sagte er auf Anfrage. Allerdings seien bislang noch keine Verträge mit Immobilienbesitzern geschlossen worden. „Die Suche läuft nach wie vor ergebnisoffen“, fügte der Polizeisprecher hinzu.

Bundespolizei erhält Verstärkung aus anderen Regionen

In den Objekten, die letztendlich bezogen werden, sollen unter anderem Identitäten von Migranten überprüft und diese auf das Corona-Virus getestet werden. Gleiches wird beispielsweise schon jetzt am Autobahngrenzübergang Ludwigsdorf praktiziert. Allerdings würden dort in absehbarer Zeit die Kapazitäten nicht mehr ausreichen, sollte sich die Lage zuspitzen, hieß es. Selbst in personeller Hinsicht bedürfe es einer Unterstützung der Kräfte vor Ort. Bei dem jüngsten Flüchtlingsstrom handele es sich um eine dynamische Entwicklung. Niemand könne jetzt schon vorhersagen, wie es sich mit ihm im Dezember verhält. Das „Kräfteportfolio“ sei entsprechend neu zu bewerten, sollte die Zahl der Flüchtlinge dann weiter steigen. Aktuell seien die Beamten in der Lage, jeden aufgegriffenen Migranten zu registrieren und an die Ausländerbehörde zu übergeben. Sichergestellt werde dies durch zusätzliche Kräfte anderer Dienststellen. Auch die Bundesbereitschaftspolizei helfe mittlerweile im deutsch-polnischen Grenzgebiet aus.  

Dass die Uniformierten alle Hände voll zu tun haben, lässt sich anhand der Statistik aufzeigen. Allein von September bis Oktober habe sich die Zahl der Migranten, die von Weißrussland aus ihre Weiterreise nach Deutschland antraten, verdreifacht, weiß der Sprecher der Bundespolizeidirektion Pirna zu berichten. Zum Vergleich: „Im Zeitraum Januar bis Juli 2021 hatten Kräfte der Bundespolizei an der deutsch-polnischen Grenze (von der Ostsee bis Zittau, Anm. d. Red.) nur insgesamt 26 unerlaubt eingereiste Personen mit einem Belarus-Bezug festgestellt“, teilte in dem Zusammenhang das Bundespolizeipräsidium am Mittwoch in einer Medieninformation mit. „Für den August wurden bereits 474 solcher illegalen Einreisen verzeichnet. Im September folgte ein erneuter Anstieg auf 1.903, im Oktober auf 5.285 Feststellungen von unerlaubten Einreisen mit einem Bezug zu Belarus.“

In Sachsen kamen den weiteren Angaben zufolge in letzter Zeit vor allem Menschen aus dem Irak an. Sie machten demnach mehr als zwei Drittel der aufgegriffenen Personen aus. Mit deutlichem Abstand folge Syrien. In geringerem Umfang seien Flüchtlinge aus dem Jemen, der Türkei sowie dem Iran festgestellt worden.

Bautzener Kreisverwaltung hat Lage im Blick

Im Landratsamt Bautzen wird diese Entwicklung aufmerksam beobachtet. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen ausreichen werden. Dorthin wurden die Flüchtlinge bislang gebracht. „Dem Landkreis liegen bisher weder Prognosedaten noch Zuweisungszahlen ab dem Monat Dezember 2021 vor“, erklärte eine Sprecherin der Kreisverwaltung. „Wir gehen jedoch von steigenden Zuweisungen aus und sind in der Phase der Bedarfsprüfung für das Jahr 2022.“ In welchen Objekten Flüchtlinge dann zeitweise ein Dach über den Kopf erhalten sollen, bleibt demnach abzuwarten.

Gesuchter Schleuser geht Fahndern in den Niederlanden ins Netz

Unabhängig davon suchte die Bundespolizei bis zuletzt europaweit nach einem 42 Jahre alten Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit, der Ende Oktober eine 22-köpfige Gruppe von Migranten illegal nach Sachsen gebracht haben soll. Einer von ihnen - ein 32-jähriger Iraker – war später in der Gemeinde Schöpstal tot in dem Schleuserfahrzeug aufgefunden worden. Am Donnerstag klickten nunmehr die Handschellen in Amsterdam. Dort wurde der Mann den Angaben vom Freitag zufolge von Einsatzkräften der niederländischen Polizei in einem Hotel festgenommen. Vorausgegangen waren demzufolge intensive Fahndungsmaßnahmen und Ermittlungen der Bundespolizei. Die Festnahme wurde als ein Erfolg europäischer Polizeizusammenarbeit gewertet. Die Auslieferung des 42-Jährigen nach Deutschland sei vorgesehen. Ihm wird Einschleusen von Ausländern mit Todesfolge vorgeworfen, weshalb er sich schon bald hierzulande vor einem Gericht verantworten muss. 

Redaktion / 12.11.2021

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