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Hrdlaks und Janoschs verlorene Welt rekonstruiert

Hrdlaks und Janoschs verlorene Welt rekonstruiert

Mitglieder der deutschen Minderheit aus Klodnitz (Klodnica), auf das Janosch mit „Chlodnitze“ möglicherweise anspielte, lassen sich in Hindenburg (Zabrze) von Touristenführer Dariusz Walerjanski zeigen, wo Janosch als Kind aufwuchs. Foto: Klaudia Kandzia

Zittau. Dass die Schauspielsparte des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Zittau und nicht in Görlitz beheimatet ist, stellt sich aus der schlesischen Perspektive von Görlitz im März fast als ärgerlich dar. Denn der insbesondere durch seine Tigerente und Kinderliteratur besonders bekannte Janosch kommt nun also in seinem besonderen historischen Kontext in Zittau auf die Bühne.

Dort entstand unter dem Titel „Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben“ jetzt eine Schauspielkoproduktion des Gerhart-Hauptmann-Theaters mit dem Lebuser Theater in Grünberg (Lubuski Teatr w Zielonej Górze). Das Projekt greift Janoschs gleichnamigen Roman auf, um Fragen von Erinnerung, Mehrsprachigkeit und gemeinsamer Geschichte in Nachbarschaft von Polen, Deutschen, national indifferenten Oberschlesiern und Tschechen szenisch zu verhandeln.

Auf Anfrage der Redaktion stellt Lilly Recknagel für das Theater klar, dass der in Oberschlesien verbreitete deutsch-polnische Mischidiom „Wasserpolnisch“ hierbei nicht zum Tragen komme. „Das hat damit zu tun, dass wir keine Stückentwicklung zum Thema Schlesien machen, sondern einen Roman von Janosch auf die Bühne bringen. Janosch schreibt auf Deutsch, es gibt eine autorisierte polnische Übersetzung des Romans und aus diesen beiden Quellen speist sich die Stückfassung. Das ist auch deshalb wichtig, weil wir von Verlagsseite dazu angehalten sind, möglichst nah am Originaltext zu bleiben. Es wird also polnische und deutsche Texte auf der Bühne geben, die dem deutschen Originalroman und seiner polnischen Übersetzung entsprechen und deshalb nicht der historischen Realität, also ’Wasserpolnisch’ als Umgangssprache, folgen“, teilt Lilly Recknagel mit. Im Mittelpunkt steht das fiktive oberschlesische Dorf Chlodnitze. Dort leben Figuren wie Frau Dziuba und ihr Mann, die für ihre Tochter Else eine große Hochzeit ausrichten, der Halbjude und Lebemann Zwi Bogainski, der Bräutigam Rudolf Mainka und viele andere, deren Alltag von harter Arbeit, Festen und Exzessen geprägt ist. Mitten unter ihnen lebt Hrdlak, ein einfacher Tagelöhner und doch Außenseiter. Von manchen wird er geringgeschätzt, von anderen respektiert. Wenn er jedoch einen der schlimmsten Lausbuben berührt, spürt dieser ein Glück, das er nicht benennen kann. Eines Tages verschwindet Hrdlak so unauffällig, wie er gekommen ist.
Der Roman gehört zu drei Prosawerken Janoschs, die im Oberschlesien der Dreißiger- und Vierzigerjahre spielen. Sie erinnern an eine dörfliche Welt zwischen Polen und Deutschland, die in dieser Form nicht mehr existiert. Zugleich verarbeitet Janosch darin eigene Kindheitserfahrungen, die weit weniger idyllisch waren, als es der Ton mancher Texte vermuten lässt. Die Bühnenfassung lässt das Nebeneinander der Bevölkerungsgruppen aufleben, denn gespielt wird sowohl auf Deutsch als auch auf Polnisch. 

Die Premiere findet am Samstag, dem 14. März, 19.30 Uhr auf der Studiobühne im Haus Zittau statt. Weitere Vorstellungen folgen am 15. März und 20. März um 19.30 Uhr sowie am 29. März, 19.00 Uhr. Lilly Recknagel vom Theater betont gegenüber dem Niederschlesischen Kurier: „Termine in Görlitz sind bisher nicht geplant.“

Till Scholtz-Knobloch / 12.03.2026

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