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Storch Adi ist Dauergast in der Oberlausitz

Storch Adi ist Dauergast in der Oberlausitz

Adi ist Sommer- ...

Alternativer Text Infobild

... wie Wintergast. Fotos: privat

Großschweidnitz. Ein Storch auf der Wiese ist auf dem Land erst einmal nichts Ungewöhnliches. Für Janos und Ingrid Fenster aus Großschweidnitz ist der große Vogel vor ihrem Haus jedoch mehr als eine flüchtige Begegnung. Er ist Stammgast, und das bereits im zweiten Sommer. Mittlerweile hat er sogar einen Namen. „Wir nennen ihn Adi, das lag ja nahe“, erzählt Janos Fenster.

Dass ein Storch wiederkehrt, ist an sich auch noch nichts Besonderes. Aber Adi schon. Denn er hat zum zweiten Mal hintereinander in der Nähe der Fensters überwintert.

Es war im Januar 2025, als sie ihn zum ersten Mal sahen. Still stand er bei eisigen Temperaturen auf der schneebedeckten Wiese, die Luft war klar und schneidend kalt. Fast sah es so aus, als wenn er auf jemanden warten würde. Janos Fenster zückte schnell sein Handy und machte Fotos vom seltenen Anblick. Noch heute wirkt das Bild unwirklich. Sie beobachteten den Storch. Er flog kurz weg, kehrte aber bald zurück. Unsicherheit machte sich breit. Die Fensters sind erfahren in der Kleintierhaltung, sie halten eigene Hühner und wissen: Im Winter fühlen sich die Hennen im warmen Stall am wohlsten. Aber wie mochte es dem Storch ergehen, so fern des warmen Südens? War er krank? Würde er erfrieren oder droht er zu verhungern?

Ein Anruf beim NABU war unausweichlich. Die Experten vom Naturschutzbund rieten, den Storch mit Nahrung zu versorgen. Die eisigen Temperaturen seien für einen gesunden Storch zunächst nicht kritisch. Da er keine Verletzung aufwies, kam eine Unterbringung im Tierheim nicht infrage.

Also taute Familie Fenster – sie haben auch einen kleinen Hund – erst einmal etwas von ihrem Hundefuttervorrat auf. Der Storch verschlang es gierig und dankbar. Von da an hatte die Familie regelmäßig einen Essensgast vor der Haustür. Auf seiner Speisekarte standen fortan gekochte Nudeln und Eintagsküken. Der Storch kam über den Winter, der Frühling stand vor der Tür doch Adi blieb in der Nähe der Fensters. Er verbrachte einen weitgehend normalen Sommer, und selbst als die Fensters das Zufüttern einstellten, blieb er. Mit Spannung erwarteten sie den Herbst. Würde Adi dieses Mal die Reise antreten, die er im Vorjahr ausgelassen hatte? Doch Adi flog auch im Winter 2025/26 nicht gen Süden. „Krank ist er nicht“, sagt Janos Fenster. „Er frisst normal, hat ein gesundes Federkleid, fliegt normal und ist ab und an ein paar Tage unterwegs. Aber bisher ist er immer wieder hierher auf die Wiese zurückgekehrt. Manchmal sitzt er auf den Dächern der Umgebung.“ Wo er schläft, wissen die Fensters nicht.

Und so verbrachte Adi auch seinen zweiten Winter in Großschweidnitz. Mit Einsetzen der kalten Jahreszeit nahm die Familie das regelmäßige Zufüttern wieder auf. Pro Tag verspeist Adi drei bis vier Eintagsküken. Ihm geht es gut, selbst bei Minusgraden. Die Fensters vermuten, dass er sogar noch eine zweite Futterquelle am westlichen Stadtrand von Löbau hat.
Inzwischen ist es auch der zweite gemeinsame Sommer für Adi und die Fensters. „Meist kommt er zwischen sechs und sieben Uhr morgens vorbei“, sagt Janos. „Er ist uns mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Natürlich sind wir froh, das Adi auch den zweiten Winter hier überlebt hat, für uns ist er ein ganz besonderer Storch. Und ja, er bekommt von uns jetzt auch jetzt im Sommer ab und zu eine Portion seines Lieblingsessens.“ Die Scheu vor den ihm bekannten Menschen hat Adi verloren. „Er kennt uns und weiß genau, was passiert, wenn er den weißen Eimer sieht“, erzählt Janos Fenster.
 
Viel wissen die Fensters nicht über ihren gefiederten Freund, auch wenn sie sich im Internet viel belesen haben. Ob es ein Männchen oder Weibchen ist, bleibt unbekannt, ebenso sein Alter und auch was der Auslöser für die Überwinterung im Sommerquartier ist, werden sie wohl nie erfahren. Zu sehr an fertige Mahlzeiten möchten sie Adi nicht gewöhnen, denn im Sommer soll er selbst auf Nahrungssuche gehen. Sie sind sicher, dass er trotz Fütterung auch seinem natürlichen Futterinstinkt folgt. „Nach einem Regen kann man sehen, wie er sich hier auf der Wiese Würmer sucht. Einmal war er drei Wochen weg“, erinnert sich Janos. „Dann tauchte er plötzlich wieder auf. Unsere Gefühle waren sehr gemischt, aber am Ende haben wir uns doch sehr gefreut.“

Die Fensters werden sich auf eine weitere Wintersaison einstellen, wohlwissend, dass es sich um ein Wildtier handelt und der Lauf der Natur ein eigener ist.

Bettina Hennig / 15.06.2026

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