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Testverlängerung in Fußgängerzone?

Testverlängerung in Fußgängerzone?

Bautzen. Dürfen Pedalritter auch weiterhin auf ihren Drahteseln durch die Fußgängerzone strampeln oder nicht. Diese Frage will der Bauausschuss am kommenden Montag in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr klären. Die Chancen dafür, dass ein im Sommer von der Stadtverwaltung angeschobener Verkehrsversuch eine Fortsetzung findet, stehen allerdings nicht sehr gut. Bereits Mitte November hatten sich bei einer Anhörung im Beirat für Stadtentwicklung dessen Mitglieder gegen eine Weiterführung ausgesprochen, weiß Rathaussprecher André Wucht. Und das, obwohl sich bei lediglich 22 Rückmeldungen aus der Bevölkerung Pro und Contra in etwa die Waage gehalten hätten. Parallel zu dem Verkehrsversuch waren die Spreestädter aufgerufen, ihre Ansicht dazu zu äußern. „Parallel hat die Verwaltung die Situation auf der Reichenstraße und auf dem Hauptmarkt beobachtet und bewertet. Aus unserer Sicht gab es keinerlei Unfälle und unter dem Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme wäre Radfahren in der Fußgängerzone durchaus dauerhaft einzurichten gewesen.“


Rückendeckung bekommt die Stadt erwartungsgemäß vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Martin Ritscher von der Ortsgruppe Bautzen bedauert die Empfehlung der Beiratsmitglieder. Damit werde eine Möglichkeit vertan, die Kommune ein weiteres Stück für den Radverkehr attraktiv zu gestalten. „Bautzen ist zwar eine fahrradfreundliche, aber leider noch keine in allen Bereichen radfahrerfreundliche Stadt“, betonte er. „Diese Entscheidung ist deshalb bedauerlich, weil es auch nach den Erkenntnissen des ADFC während der Versuchsdauer zu keinen Vorkommnissen gekommen ist. Das Miteinander von Radfahrern und Fußgängern verlief problemlos, wie wir selbst beobachten konnten.“


Mit Bezug auf den Handel merkte Martin Ritscher an, dass die Rolle von Radfahrern hier zu Lande noch immer völlig unterschätzt werde. „Im Zusammenhang mit den bekannten Problemen der Branche wird generell immer nur über fehlende Parkplätze diskutiert. Dabei gibt es Untersuchungen, denen zufolge Radfahrer einen größeren Jahresumsatz erzielen als Kunden, die mit dem Auto in die Innenstadt kommen.“ Das wiederum kann der Innenstadtverein, der in Bautzen Sprachrohr für eine Vielzahl von Einzelhändlern ist, nicht mit Fakten untermauern. Auf die Frage, ob das Radfahren zu mehr Besucherverkehr in den Läden führte, ließ Citymanagerin Gunhild Mimuß lediglich wissen, dass an sie bislang keine entsprechenden Informationen herangetragen wurden. Dennoch plädiere auch sie dafür, Radfahren in der Reichenstraße weiterhin zu gestatten.

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CDU-Fraktionschef Karsten Vogt berichtet hingegen davon, dass ihm eine Rückmeldung eines Gewerbetreibenden vorliegt. „Dieser schätzte ein, dass er keine spürbare Veränderung seiner Kundenzahlen verzeichnen konnte. Dies wiederum deckt sich mit unseren Beobachtungen des Fahrradversuches in der Fußgängerzone.“ Dessen Fortführung lehnen die Christdemokraten kategorisch ab. Sie begründen das damit, dass es Bereiche geben muss, „welche ausschließlich den Fußgängern vorbehalten sind“. Hierzu zähle die Reichenstraße.


Das sieht das Bürgerbündnis Bautzen (BBBz) ähnlich. „Es ist nicht anzunehmen, dass die Umsätze der ansässigen Geschäfte nur durch die Tatsache, dass man mit dem Fahrrad vors Geschäft fahren kann, gestiegen sind“, erläuterte Steffen Tech, Fraktionsvorsitzender des BBBz. „Tatsache ist, dass die Reichenstraße als Fußgängerzone ausgewiesen ist. Wie der Name schon aussagt, kann sich dort der Fußgänger frei bewegen, ohne Angst haben zu müssen, von Autos oder Radfahrern umgefahren zu werden.“ FDP-Mann Mike Hauschild fügte hinzu: „Es ist Radfahrern durchaus zuzumuten, auf der Reichenstraße ihr Rad zu schieben. Sonst entsteht unweigerlich die Situation der stärkeren gegen die schwächeren Verkehrsteilnehmer, was wir von den für Radfahrern offenen Einbahnstraßen kennen. Das führt unweigerlich zu unnötigen Konflikten und die Stadtverwaltung sollte nicht Regelungen schaffen, die zu zusätzlichen Gefahren führen.“ Claus Gruhl von den Bündnisgrünen indes befürchtet, dass sich der Bauausschuss bei seiner Entscheidung am Montag ausschließlich von Stimmungen und Gefühlen leiten lässt. „Fakten zählen da nicht. Die Stimmung in Bautzen, insbesondere im Stadtrat, ist nach wie vor mehrheitlich radfahrerfeindlich.“


SPD-Fraktionschef Roland Fleischer, der hin und wieder seinen Parteigenossen Heiko Rasch in dem achtköpfigen Gremium vertritt, empfahl den restlichen Mitgliedern, den Verkehrsversuch auszuweiten. „Nur ein längerer Test lässt ein ausgewogenes Urteil zu“, meinte der langjährige Polizist. Aufgrund der wenigen Rückmeldungen aus der Bevölkerung könne seine Fraktion bislang kein eindeutiges Stimmungsbild ausmachen.

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Auch Martin Ritscher und der gesamte ADFC-Ortsverband hoffen noch auf ein Umdenken bei den Bürgervertretern, die sich zunächst nicht für eine dauerhafte Freigabe der Reichenstraße für Pedalritter erwärmen konnten. „Sollte der Verkehrsversuch am Ende doch nicht verlängert werden, setzen wir uns dafür ein, dass künftig zumindest außerhalb der Hauptgeschäftszeiten das Radfahren in der Fußgängerzone möglich ist.“


In Hinblick auf die menschenleeren Straßen nach Ladenschluss dürfte dies durchaus machbar sein.

Roland Kaiser / 03.12.2018

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