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„Total integriert“ auf die Straßenbahngleise

„Total integriert“ auf die Straßenbahngleise

Noch ist das eine Zukunftsvision: Ein neues TINA-Fahrzeug vom Hersteller Stadler am Reichenbacher Turm Visualisierung: Copyright © 2026 Stadler Rail AG /  Nose AG

Görlitz bekommt nun Niederflurstraßenbahnen von Stadler. Diese garantieren versprochene Barrierefreiheit, haben im Einsatz und bei Lieferzeiten aber auch schon Tücken mit sich gebracht.

Görlitz.
Die Gesellschafterversammlungen der Görlitzer Verkehrsbetriebe GmbH (GVB) und der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH (SVZ) haben sich – auf Empfehlung ihrer Aufsichtsräte – für die Lieferung von 14 neuen Straßenbahntriebzügen entschieden. Den Zuschlag erhielt das Unternehmen Stadler aus Bussnang im Schweizer Kanton Thurgau.

Vorgesehen sind acht Fahrzeuge für Görlitz und sechs für Zwickau. Die 30 Meter langen und 2,30 Meter breiten meterspurigen Niederflurfahrzeuge sollen schrittweise geliefert werden. Die Geschäftsführer beider Unternehmen wurden ermächtigt, die Verträge abzuschließen. Der Vertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet.

Der Auftrag musste neu ausgeschrieben werden, nachdem der ursprünglich vorgesehene Hersteller HeiterBlick GmbH insolvent geworden war. Im Oktober 2025 startete deshalb ein neues europaweites Vergabeverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Bis Ende Januar 2026 konnten Angebote eingereicht werden. Nach einer Verhandlungs- und Bewertungsphase mit mehreren Bietern fiel die Entscheidung nun zugunsten von TINA-Modellen des Herstellers Stadler. Görlitz’ Oberbürgermeister Octavian Ursu betont, die Stadt setze weiterhin auf die Straßenbahn. Die neuen Niederflurfahrzeuge überzeugen ihn mit ihrer Barrierefreiheit und hätten sich an mehreren europäischen Standorten bewährt. „Die Frage ist immer, wie sich moderne Niederflurstraßenbahnfahrzeuge mit kleinteiligen Fahr- oder Drehgestellen auf alter suboptimaler Infrastruktur bewegen“, gibt Olaf Scholtz-Knobloch aus Düsseldorf, Präsident im Verband Europäischer Eisenbahningenieurverbände UEEIV jedoch zu bedenken. Die TINA-Fahrzeuge – für „Total integrierter Niederflurantrieb“ – haben in ihrem Einsatz in verschiedenen Städten ein eben gemischtes Erfahrungsbild hinterlassen. In Basel kam es nach der Einführung zu Diskussionen über erhöhte Laufgeräusche mit Abrieb und mithin spürbare Vibrationen im Fahrgastraum – insbesondere auf älteren Gleisabschnitten. In Darmstadt wurden bei den dort als ST15 eingesetzten Fahrzeugen Lieferverzögerungen beklagt.

Hinzu kamen Anlaufschwierigkeiten bei Software und Fahrzeugsteuerung sowie eine teils als unruhig empfundene Fahrcharakteristik. In Halle (Saale) befinden sich TINA-Fahrzeuge noch im Übergang zwischen Testbetrieb und Auslieferung. Auch dort ist noch nicht ganz klar, wie sich das komplexe, vollständig niederflurige Fahrwerkskonzept im Alltag auf das Zusammenspiel mit der teilweise älteren Infrastruktur auswirkt. Ähnliche Beobachtungen werden aus Rostock und Den Haag berichtet, wo die Fahrzeuge schrittweise in bestehende Netze integriert werden und Anpassungen an Gleisgeometrie, Wartungsprozesse und Betriebserfahrung notwendig sind. Hoher Komfort- und Barrierefreiheitsanspruch stehen so oft erhöhter technischer Komplexität gegenüber. In Görlitz hat die Umgestaltung der Infrastruktur jedenfalls bereits begonnen, darunter etwa die Modernisierung von Verkehrsknoten wie am Demianiplatz und am Bahnhofssüdausgang.

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Die Geschäftsführer der Verkehrsunternehmen in Görlitz und Zwickau verweisen auf den technologischen Wechsel: Mit den neuen Niederflurbahnen soll die bestehende Tatra-Flotte schrittweise ersetzt werden. Ziel sei ein barrierefreies, modernes Fahrzeugkonzept bis spätestens 2028, das sowohl Fahrgästen als auch Personal ein deutlich verbessertes Niveau biete.

Abseits des heute immer heikleren Themas der Erfüllung von vereinbarten Lieferfristen können die GVB für ihren Busverkehr schon Neuerungen verkünden, die hier sicher zum 1. Mai greifen werden. Die wohl größte betrifft die neue Linie C. Künftig ist es möglich, im Stundentakt vom Demianiplatz zum nördlichen Gewerbegebiet „An der Autobahn“ zu gelangen. Dem hier angesiedelten Baumarkt verdankt die Endhaltestelle „Hornbach“ ihren Namen. Bislang wurde diese Anbindung im Rahmen einer Testphase von der Linie D übernommen, die am 1. Mai wieder zu ihrer ursprünglichen Fahrtroute zurückkehrt. Erstmalig ist dank des C-Busses nun auch das Gewerbegebiet „Ebersbach“ mit Birkenstock und weiteren Firmen erreichbar. Die Streckenführung der neuen Linie trägt aber auch zu einer besseren Anbindung von Königshufen bei, insbesondere um Scultetusstraße und Nordring/Windmühlenweg. Anwohner sowie Nutzer der dortigen Bildungs- und Pflegeeinrichtungen sind künftig stärker in den Stadtverkehr eingebunden.

Kleinere Änderungen im Fahrplan finden bei den bestehenden Buslinien statt. Hier wurden Abfahrtszeiten an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Beim B-Bus bedeutet dies geringfügig geänderte Abfahrtszeiten – teils nur zu gewissen Zeiten um Klinikum, Berufsschulzentrum sowie in Rauschwalde. Bei der Linie E betrifft dies einige Haltestellen in Hagenwerder. Wie jedes Jahr tritt hier zum 1. Mai auch wieder der Sommerfahrplan in Kraft. Blaue Lagune, der Hafen und Deutsch Ossig werden dann wieder vom E-Bus angesteuert. Für die Linie F gelten an der Paul-Mühsam-Straße neue Abfahrtszeiten. Alle neuen Fahrpläne findet man unter www.goerlitztakt.de/de/bus-im- takt. Gedruckt gibt es ein Fahrplanheft für 2 Euro im Kundencenter am Demianiplatz.

Till Scholtz-Knobloch / 18.04.2026

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