War es das für das Bautzener Reichentor?

Die Reichenstraße – hier am Tag der Abnahme des Weihnachtsschmuckes – wird wohl ohne „städtebaulichen Abschluss“ bleiben.

Mit dieser Visualisierung von Stefan Mundt warben die Freien Wähler-Stadtzukunft in den letzten Wochen für die Idee vom Wiederaufbau des Reichentors.
Der Vorschlag der Freien Wähler Stadtzukunft, Ideen für die Neugestaltung des Kornmarktes zu sammeln, wurde im Stadtrat abgeschmettert. Doch das Grundproblem bleibt.
Bautzen. Dieser Antrag war wirklich so niederschwellig und vorsichtig formuliert wie es nur möglich ist. Es sollten „die einschlägig bekannten, mit dem Thema seit Jahren vertrauten Personen sowie Architektur- und Planungsbüros“ dazu konsultiert werden, ob und unter welchen Voraussetzungen es denkbar erscheint, „Grundlagen für eine mögliche Neuerrichtung von Bauwerken anstelle des früheren Reichen-Tores“ zu erarbeiten. So stand es im Antrag der Fraktion Freie Wähler Stadtzukunft für die jüngste Sitzung des Bautzener Stadtrates. Ganze 1.000 Euro aus dem Stadtratsbudget sollten „für Kaffee, Kuchen oder auch Mettbrötchen“ ausgegeben werden, wie nach der Sitzung in Stadtratskreisen kolportiert wurde. Doch selbst das war der Mehrheit der Abgeordneten zu viel, um die Diskussion über ein Thema anzustoßen, das sicher nicht zu den dringendsten für die Stadtentwicklung zählt, aber doch vielen Bautzenern auf den Nägeln brennt.
Stellte doch das Reichentor nur den öffentlichkeitswirksamen Aufhänger dar, um auf ein weit unmittelbareres Problem hinzuweisen: Den nahe gelegenen Kornmarkt, dessen derzeitige Gestaltung verbreitet als verbesserungsbedürftig wahrgenommen wird. Der Fraktionsvorsitzende Mike Hauschild hatte dies auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Vorfeld der Sitzung wie folgt begründet: „Der Kornmarkt ist in seiner derzeitigen Gestaltung eine Aufmarschfläche für den 1. Mai. Wir brauchen angesichts der Bevölkerungsentwicklung – die Einwohnerzahl von Bautzen wird in den nächsten Jahren um 7.000 sinken – keine neuen Schulen und Kindereinrichtungen zu bauen. Doch in die Schönheit der Stadt zu investieren – das bringt uns voran.“
Dass die Neugestaltung des Kornmarktes und speziell der Bau eines „neuen“ Reichentores mit ganz praktischen Schwierigkeiten verbunden ist, sei ihm und seinen Fraktionskollegen klar, so Hauschild.
Diese verdeutlichten auch der für Stadtentwicklung zuständige Bürgermeister Heiko Nowack und Bauamtsleiter Dirk Lieback auf der Veranstaltung. So bündelten sich alle Versorgungsmedien neben dem Reichenturm, was die Gründung für ein neues Gebäude sehr herausfordernd mache.
Die Tiefgarage der Sparkasse, die sich direkt unter dem Kornmarkt befindet, müsste verändert werden, da die Traglast ihrer Decke auf 30 Tonnen beschränkt sei. Gleichwohl ließ Heiko Nowack durchaus Sympathie für die Idee durchblicken: „Es handelt sich um ein wichtiges und spannendes Thema, wenn die Bodenplatten wackeln und die helle Oberfläche im Sonnenlicht blendet.“ Die Verwaltung wünsche sich, dass Bürger Ideen für die Stadtentwicklung äußern. Zudem müsse man „Projekte in der Schublade haben“ für den Fall, dass es passende Förderprogramme gebe.
Gegenargumente kamen aus den Reihen der Fraktion BürgerBündnisBautzen. Man brauche keinen „Vorratsbeschluss“ für Projekte, die derzeit aus statischen, finanziellen und rechtlichen Gründen nicht machbar sind. Aus den Reihen der AfD kam der Hinweis, dass eine Bebauung anstelle des Reichentors Sichtachsen beeinträchtige.
Auch der Hinweis auf andere, wichtigere Projekte, wie die Neugestaltung des Lauenareals, fehlte nicht in der Debatte. Letztlich wurde der Beschlussantrag mit 12 zu 8 Stimmen (bei vier Enthaltungen) abgelehnt. „AfD und BBBz haben es abgelehnt, auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Die Argumente sind immer die gleichen“, kommentierte Mike Hauschild dies später auf Facebook. Und sein Fraktionskollege Danny Krause fügte hinzu: „Wir bleiben dran – versprochen.“ Die Ablehnung bedeutet allerdings nicht, dass auf dem Kornmarkt gar nichts passiert: Bürgermeister Heiko Nowack kündigte auf der Info-Veranstaltung der Freien Wähler Stadtzukunft an, dass man mit mobiler Begrünung für ein angenehmeres Ambiente sorgen wolle.