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Wenn Benjamin Goliath besiegt ...

Wenn Benjamin Goliath besiegt ...

ENSO-Mitarbeiter Tom Boche demonstrierte den anwesenden Honoratioren das Spleißen der Glasfaserkabel.

Auch in Bischofswerda hat jetzt der Ausbau des Breitbandinternets im Rahmen der Landkreisinitiative begonnen. Dabei bekam einer sein Fett weg, der kurz zuvor noch hoch gelobt worden war.

Bischofswerda. Ein Startschuss wird normalerweise nur einmal gegeben (es sei denn, der erste Versuch erweist sich als Fehlstart).
Doch von letzterem kann im Falle des Breitbandausbaus im Landkreis Bautzen keine Rede sein. Und dennoch gab es hierfür zwei Startschüsse: Einen im November 2018 in Schmochtitz (Stadt Bautzen) und jetzt noch einen im Januar 2019 im Bischofswerdaer Ortsteil Geißmannsdorf.
Doch warum? Weil der Ausbau für das schnelle Internet im so genannten „Cluster 5“, welches die Stadt Bischofswerda und ihre Umgebung umfasst, innerhalb des Landkreises Bautzen eine Besonderheit darstellt. Denn: Anders als in den acht anderen Clustern – aufgrund der Förderbedingungen festgelegten Teilregionen des Landkreises – kommt in Cluster 5 nicht die Deutsche Telekom zum Zuge, sondern die Energie Sachsen Ost AG (Enso).
Ein mittelständischer regionaler Anbieter setzte sich also gegen den deutschland-, ach was, weltweit agierenden Riesen durch. „Danke, dass Sie den Benjamin berücksichtigt haben“, begann Enso-Vorstandschef Frank Brinkmann dann auch seine Dankesrede (wobei er wahrscheinlich den ’David’ meinte – in Anspielung an die biblische Geschichte vom kleinen David, der den Riesen Goliath im Zweikampf besiegte.)
Der Aspekt, dass in Bischofswerda die Enso die Infrastruktur für das superschnelle Internet ausbauen darf und eben nicht die Telekom, spielte auch in anderen Reden und Grußworten eine bedeutende Rolle. Noch einmal Frank Brinkmann: „Ich komme nicht mit dem Privatjet und zaubere eine magentafarbene Riesenshow ab.“
Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große konnte es sich nicht verkneifen, einen Ausspruch des früheren Telekom-Bosses Ron Sommer aus den Anfangsjahren des Internets zu zitieren: „Das ist eine Spielerei für Computerfreaks. Wir sehen darin keine Zukunft.“
 

Und auch Landrat Michael Harig brachte seine Befindlichkeit zwar diplomatisch, aber nicht weniger deutlich auf den Punkt: „Wir hatten gehofft, mehr regionale Anbieter einbeziehen zu können, doch die Telekom verfügt über viele Leerrohre von früheren Maßnahmen. Wir sind froh, dass im Cluster 5 die Enso zum Zuge kommt.“ Anmerkungen, die so beim „ersten“ Startschuss in Schmochtitz nicht zu vernehmen waren. Da sangen alle Lobeshymnen auf die Deutsche Telekom, die ihrer Verantwortung in der Fläche – anders als ihre ebenfalls global agierenden Gegenspieler Vodafone und Telefonica – vorbildlich nachkomme.
Dass die Enso den Zuschlag für Bischofswerda erhielt, verdankt sie in nicht geringem Maße ebenfalls früherem Engagement. Ende 2016 begann sie mit dem eigenwirtschaftlichen Ausbau in Teilen von Bischofswerda und Burkau, als von Bundesförderung noch keine Rede war.
Auch darüber hinaus ist der regionale Infrastrukturdienstleister stark mit Bischofswerda verbandelt, was ihm auch schon den scherzhaften Beinamen „Schiebocker Stadtwerke“ – oder andersherum – Bischofswerda die Bezeichnung „Enso-Stadt“ eintrug. Dabei steht außer Zweifel, dass die enge Kooperation für beide Seiten vorteilhaft ist und die Enso mit dem Zuschlag für Cluster 5 wohl verdiente Früchte erntet. Und: Ebenso wie es Telekom-Chef Timotheus Höttges im November in Schmochtitz in Richtung Enso tat, bot David (oder Benjamin?) jetzt auch Goliath die Zusammenarbeit an. „Man hat uns als ernst zu nehmenden Mitspieler wahrgenommen“, freut sich Enso-Chef Frank Brinkmann.
Geht alles glatt, dann sind bis Ende 2020 im gesamten Landkreis 70.000 Haushalte, Unternehmen und Schulen mit moderner Glasfaserinfrastruktur erschlossen, davon circa 8500 in Bischofswerda und Umgebung (den eigenwirtschaftlichen Ausbau eingeschlossen).
Dann ist der Kreis gut gerüstet für eine Zeit, in der die Schnelle der Internetverbindung über die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes entscheidet. Landrat Michael Harig appelliert eindringlich an alle Grundstücksbesitzer, das Angebot des kostenlosen Hausanschlusses anzunehmen: „Selbst wenn die aktuellen Eigentümer selbst nichts mehr damit anfangen können: Der Wert des Grundstücks erhöht sich dadurch enorm. Und ein solches Angebot wird es später nicht mehr geben.“

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Uwe Menschner / 29.01.2019

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