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Wie das Schloss Gröditz Musik, Mut und KI vereint

Wie das Schloss Gröditz Musik, Mut und KI vereint

Begeisterung beim Eröffnungskonzert in der Festival-Kirche Baruth mit den Dresdner Kapellsolisten und Solistin Serafina Jaffé (Harfe) unter der Leitung von Helmut Branny. Foto: Martin Pizga

Gröditz. Es ist eine Verbindung, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt: 

Weltklasse-Musik in historischen Gemäuern und Künstliche Intelligenz für Handwerksbetriebe. Doch genau diese Symbiose macht den Zauber des Ritterguts Gröditz aus. Dr. Hagen Lippe-Weißenfeld, Intendant des Kammermusikfestes Oberlausitz und Geschäftsführer der Stiftung Rittergut Schloss und Park Gröditz, formt hier im Team mit Schlossherr Beatus v. Zenker und Christoph Scholze von den Transformationsarchitekten aus Görlitz einen Ort, an dem Zukunft nicht nur gedacht, sondern gemacht wird.

Ein Festival von künstlerisch allerhöchster Qualität

Die vierte Ausgabe des Kammermusikfestes brach alle Rekorde. Über zweitausend Besucher strömten zu neun Konzerten an sieben Spielstätten – 600 mehr als 2023. „Wir konnten das Festival mit einem Besucherrekord von rund 2.300 Besuchern beenden“, freut sich Lippe-Weißenfeld. „Wir haben eine Auslastungsquote von 93 Prozent. Das ist super. Manche Häuser fassen nicht mehr. Einige Häuser waren komplett ausverkauft.“

Doch nicht die Zahlen sind entscheidend: „Es war ein Festival von künstlerisch allerhöchster Qualität. Und da haben wir wirklich noch einmal einen Quantensprung gemacht zum letzten Mal. Wir haben durchgängig neun hochkarätige, wirklich exzellente Konzerte, Künstler, aber auch Konzertprogramme erlebt, die natürlich zu Recht beim Publikum Jubelstürme ausgelöst haben.“

Über 100 Ehrenamtliche, die sich unheimlich ins Zeug legen

Das Geheimnis des Erfolgs? „Ich glaube, es sind die Menschen“, sagt Lippe-Weißenfeld. „Es sind die Oberlausitzerinnen und Oberlausitzer. Es sind die über 100 Ehrenamtlichen, die sich an den sieben verschiedenen Standorten unheimlich ins Zeug legen, die so gastfreundlich sind, so liebenswürdig, so herzlich, die sich fürsorglich um die Künstler kümmern, aber auch um das Publikum.“

Diese menschlichen Begegnungen schaffen eine besondere Atmosphäre: „Das ist eigentlich etwas völlig Unspektakuläres, aber es ist diese Melange, die aus diesen Menschen entsteht. Dazu kommen natürlich die wunderschönen Orte, Schlösser und Kirchen, die einfach einmalige Kulissen sind.“

Musikalische Bildung ist Teil des Wertekanons

Ein zentrales Anliegen ist die Nachwuchsförderung durch die Festivalakademie. „Weil ich tatsächlich glaube, dass die Musik gar nicht früh genug auf diese jungen Menschen treffen kann“, begründet Lippe-Weißenfeld. „Musikalische Grundausbildung im Sinne einer musikalischen Bildung ist für mich Teil des Wertekanons einer guten Erziehung. Und das ist nicht anachronistisch, sondern das ist total zukunftsgerichtet.“

Die Wirkung zeigt sich in berührenden Momenten: „Das sind so beglückende Live-Erlebnisse für die Kinder. Das ist, glaube ich, die größte Motivation. Wenn Sie einfach mal einen Musiker oder Musikerin erleben, die sind Menschen aus Fleisch und Blut, erzählen Ihnen ganz ehrlich, was es ausmacht, Künstler zu sein.“

KI-Akademie für Handwerk und Kultur

Doch damit nicht genug: Aus der Musikakademie entstand die ungewöhnliche Idee einer KI-Akademie. Die Vision für Gröditz ist klar: „Einen einzigartigen Ort erschaffen, an dem am Wochenende im besten Falle Weltklasse-Musik erklingt und unter der Woche Handwerksmeister lernen, wie sie mit KI ihre Prozesse optimieren können.“ Lippe-Weißenfeld betont: „Musiker sind ja auch auf ihre Weise Handwerker und Handwerker sind auf ihre Weise auch Künstler. Da mischen sich sozusagen die Professionen ganz hervorragend.“

„Jeder ist willkommen“ – Der Donatoren-Kreis und die Gemeinschaft

Unterstützung kommt von einem neu gegründeten Donatoren-Kreis unter der Leitung der Görlitzer Ärztin Dr. Cordula Adams: „Wir haben uns überlegt, das ist so breit und vielfältig, es wäre einfach schön, wenn sich Menschen auf eine selbstverständliche, interessengeleitete Art, sich für unsere Idee begeistern und auch ein bisschen committen.“ Beim Abschlusskonzert wurde das erste Stipendium vergeben: „An einen jungen Querflötisten, der bei uns im letzten Jahr Akademist war.“

„Ich fange mit der Musik an“ – Wie man Menschen für KI begeistert

Sein Erfolgsrezept für Überzeugungsarbeit? „Ich steige in ein Gespräch meistens mit dem Thema Musik ein, weil die Musik ein wunderbarer Türöffner ist.“ 

Wenn Menschen emotional erreicht sind, kommt das Thema KI: „In diesem emotionalen Zustand der Offenheit, kann ich dann ganz andere Dinge für die Akademie von den Menschen erfahren, die für uns wieder wertvoll sind, weil wir ja mit der KI-Akademie keine Angst, sondern Zukunftschancen und Lösungen mutig anpacken wollen.“

Ein Schloss als Zukunftslabor

Was in Gröditz entsteht, ist mehr als die Summe seiner Teile: Ein Ort, an dem Tradition und Innovation, Kultur und Technologie, Ehrenamt und Professionalität zusammenfinden sollen.

Uwe Tschirner / 01.09.2025

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