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Wo Barock auf Mittelalter trifft

Wo Barock auf Mittelalter trifft

Die barocken Tänzer beim Schlossfest in Hainewalde hatten noch Glück, dass es am vergangenen Sonntag nicht ganz so heiß war wie noch an den Tagen davor.

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Der Mittelrisalit und sein Nordanbau befinden sich derzeit in Bearbeitung. Davor kann schon die symbolträchtige Haube bewundert werden.

Im und am Hainewalder Schloss ist am vergangenen Wochenende ausgiebig gefeiert worden. Eventuelle Sorgen traten dabei in den Hintergrund. 

Hainewalde. Diese Stimme drang aus dem Gewirr hervor, sie hatte einen für hiesige Ohren fast schon exotischen Klang: Johann Ehrlich und seine Frau Rosel aus dem oberbayerischen Rosenheim machten eigentlich eine Woche Urlaub in Görlitz. Doch als sie im Internet auf Schloss Hainewalde aufmerksam wurden und erfuhren, dass hier an eben jenem Wochenende ein großes Fest stattfindet, war für die beiden klar: „Da müssen wir hin.“ Und Johann bereute den Ausflug in keiner Weise: „Das vielfältige Treiben vor dieser Kulisse ist einfach grandios.“ 
Und fügte hinzu: „Schön, dass so etwas noch möglich ist. Bei uns in Bayern befinden sich die meisten Schlösser in Privatbesitz. Dort will man eher unter sich bleiben.“

Ganz und gar nicht hingegen in Hainewalde. Hier strömten die Besucher zu Hunderten aus allen Himmelsrichtungen, um sich an dem mittelalterlichen und barocken Treiben zu ergötzen. Berührungsängste gab es da keine – weder mit den eher finster daher kommenden Schwertkämpfern und Bogenschützen noch mit den heiter und beschwingt tanzenden Damen und Herren in den ausladend-pompösen barocken Gewändern. Glücklicherweise war es am Sonntag nicht gar so heiß, sodass sie nicht so schwitzen mussten, wie das am Samstag wohl der Fall gewesen wäre. 

Johann und Rosel Ehrlich ahnten freilich nichts von den kurz vor dem Fest publik gewordenen Plänen, das im Besitz der Gemeinde Großschönau befindliche „Oberlausitzer Sanssouci“, wie das Hainewalder Schloss aufgrund seiner riesigen Ausmaße auch gern genannt wird, im Herbst auf einer Immobilienmesse in München – quasi vor ihrer eigenen Haustür – zum Verkauf anzubieten.
Diese Nachricht hatte bei den Mitgliedern des Schlossvereins, der sich seit Jahrzehnten für den Erhalt und die Sicherung der Anlage engagiert, für Verunsicherung gesorgt. 

Am Festwochenende traten diese Vorgänge allerdings in den Hintergrund. „Wir wollen heute dazu nichts sagen. Schauen Sie sich um, genießen Sie das Festtreiben und informieren Sie sich über die laufenden Arbeiten“, erklärte ein Vereinsmitglied, dessen Name „hier jetzt nichts zur Sache tut.“

Und da ist tatsächlich einiges im Gange. Erst im März hat der Großschönauer Gemeinderat die Anfertigung der achteckigen Turmhaube an eine Zittauer Dachdeckerfirma vergeben. Laut Ausschreibung handelt es sich dabei um eine „Holzkonstruktion mit Titanzinkabdeckung von zehn Metern Höhe.“ Die Haube – auch als Turmlaterne oder Tambor bezeichnet – symbolisiert wie kaum ein anderer Bestandteil des Schlosses die Entwicklung der vergangenen Jahre mit ihren Höhen und Tiefen. Ursprünglich sollte sie bereits im Herbst 2018 wieder aufgesetzt werden. Allerdings verlief die Ausschreibung in der ersten Runde ergebnislos, sodass ein neuer Anlauf genommen werden musste. 1996 war die Haube im Zuge einer geplanten, aber nicht durchgeführten Dachsanierung abgenommen worden. Das Wiederaufsetzen der Turmhaube bildet einen Bestandteil des Bauabschnitts „Instandsetzung Mittelrisalit, Ergänzung des Turmdaches und Instandsetzung des nördlichen Vorbaus“, der zurzeit im vollen Gange ist. Gleichzeitig ist es auch ein weithin sichtbares Symbol für den Erfolg der Bemühungen um das Schloss. Das sogenannte „Neue Schloss“ war unter Nutzung von Resten eines Vorgängerbaus zwischen 1749 und 1755 im Auftrag des Friedrich von Kanitz erbaut worden. 1927 gelangte es in den Besitz der benachbarten Gemeinde Großschönau, in dem es sich bis heute befindet. 1933 missbrauchten die Nationalsozialisten Schloss Hainewalde als erstes Schutzhaftlager Sachsens. Zu DDR-Zeiten diente das Oberlausitzer Sanssouci bis 1977 als Wohngebäude, seitdem steht es leer.

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Uwe Menschner / 26.06.2019

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