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130 Jahre Feuerwehr, aber wie lange noch?

130 Jahre Feuerwehr, aber wie lange noch?

Christian Lachmann ist seit 1998 Chef der Freiwilligen Feuerwehr Bremenhain, die in Kürze ihr 130-jähriges Bestehen feiert. Allerdings gibt es nur noch sechs Aktive. Nachwuchs zu gewinnen, ist schwierig. Foto: fum

Sechs Aktive sowie zehn Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung – die Freiwillige Feuerwehr Bremenhain hat zahlenmäßig schon bessere Tage erlebt. Am 17. und 18. Juni wird aber erst einmal gefeiert. Denn dann begeht man das 130-jährige Bestehen der Wehr.

Bremenhain. Wann genau die Geburtsstunde der Bremenhainer Feuerwehr geschlagen hat, kann heute niemand mehr mit Gewissheit nachvollziehen. Eine Pressenotiz im „Volksfreund aus der Oberlausitz“ aus dem Jahr 1887 gilt als Indiz dafür, dass man in jenem Jahr die Feuerbekämpfung auf professionellere Füße stellte und die Zeit der Wasserkübel damit vorbei war. Bekannt gegeben wurde nämlich, dass die Bremenhainer in der Görlitzer Spritzen- und Metallfabrik Bertram eine Handspritzpumpe gekauft hatten – die übrigens noch heute vorhanden ist und sogar funktioniert.

Auch danach sind die Aufzeichnungen recht spärlich, was die Entwicklung der Wehr betrifft. Überliefert ist lediglich, dass 1944 eine Tragkraftspritze angeschafft wurde – ebenfalls aus Görlitzer Produktion, aber von der Firma Fischer. Erst nach 1950 haben die Kameraden aufgeschrieben, was sich zutrug bei der Brandbekämpfung, bei Übungen und der Neuanschaffung von Technik. So rückte man in dieser Zeit mit einem Löschfahrzeug der Marke Ford aus, stieß es aber nicht lange danach schon wieder ab, weil es offenbar zu unzuverlässig war. „Damals hatte Bremenhain etwa 300 Einwohner, fast aus jedem Haus war jemand bei der Feuerwehr“, weiß der heutige Wehrleiter Christian Lachmann. „Es gab Jahre, da taten hier 52 Leute Dienst.“

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Auf dem Erinnerungsfoto ist die Mannschaft zu sehen, die bei der FFW Bremenhain in unterschiedlichen Funktionen wirkt. Allein zehn Mitglieder gehören der Alters- und Ehrenabteilung an. Foto: fum

Der wurde mit der Anschaffung eines Tragkraftspritzenanhängers (TSA) 1962 um einiges erleichtert, auch wenn das gute Stück in der Anfangszeit per Hand zum Einsatzort gezogen werden musste. „Das war eine erhebliche körperliche Anstrengung, denn die Wege durch Bremenhain waren damals ziemlich holprig“, weiß Lachmann. Und er hat sich erzählen lassen, dass die Einsatzkräfte zuweilen schon erschöpft vom Ziehen und Schieben waren, ehe sie mit der Brandbekämpfung beginnen konnten. Entgegen kam ihnen allerdings, dass der Feuerteufel im Ort nur sehr selten zuschlug.

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1963 begannen die Arbeiten für ein neues Gerätehaus, das in Eigeninitiative an der Neusorger Straße entstand. Kein leichtes Unterfangen, wurden doch die hierfür notwendigen Steine mit von Kühen und Ochsen gezogenen Gespannen herangekarrt.

Nicht mehr mit der Hand mussten die damals 28 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bremenhain ihren Tragkraftspritzenanhänger alsbald durchs Dorf kutschieren. Dafür wurde ab 1964 ein Kipper S 4.000 von der BHG Rothenburg genutzt, später kam zuweilen auch ein Traktor zum Einsatz, den man sich von der örtlichen LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) ausborgte. „Hauptsächlich waren die Kameraden bei Übungen im Einsatz, richtige Brände gab es wirklich kaum“, berichtet Christian Lachmann. Manchmal sei die Bremenhainer Wehr mit zu Einsätzen nach Rothenburg oder Lodenau gerufen worden, nach Inbetriebnahme des benachbarten Flugplatzes musste man auch dort von Zeit zu Zeit Dienst schieben.

Nach der politischen Wende besorgte man sich einen aus sowjetischer Produktion stammenden Jeep der Marke OAZ, der zu einem Mannschaftswagen umgebaut wurde. „Das war ein bedeutender Fortschritt für uns. Damit brachten wir unsere Einsatzkräfte zusammen mit dem TSA in einem ’Aufwasch’ zum Brandort“, erinnert sich der Wehrleiter. Notwendig war das vor allem im Jahre 2000, als im Winter auf dem Flugplatzareal gelagerte riesige Mengen Restholz Feuer fingen, die eigentlich zur Verwertung in dem damals geplanten Biomassekraftwerk vorgesehen waren. „Wir hatten minus 17 Grad, der Einsatz erstreckte sich über eine Woche. Die Holzberge glühten innerlich, sodass jede Menge Rauch entstand. Es war eine Materialschlacht. Wir mussten aus den Filterbrunnen in Bremenhain ständig Wasser in Richtung Flugplatz pumpen.“

Ein so großes Ereignis gab es für die Bremenhainer Feuerwehrleute seither nicht mehr. Vielmehr standen mehrere positive Dinge an. 2000 entstand direkt neben dem Gerätehaus ein neuer Versammlungs- und Gesellschaftsraum. Außerdem bildete sich die Gruppe „Junge Brandschutzhelfer“, der inzwischen aber der begeisterte Nachwuchs ausgegangen ist. Beim Tag der Sachsen 2005 in Weißwasser präsentierte man die historische Handspritzpumpe aus dem Jahr 1887. Und im Mai 2009 wurde das heute noch aktuelle Tragkraftspritzenfahrzeug der Marke VW T4 als Nachfolger des verdienstvollen Duos aus OAZ und TSA angeschafft.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings – und der ist nicht gerade klein: Der aktive Teil der Bremenhainer Feuerwehr umfasst nur noch sechs Frauen und Männer, zehn weitere bilden die Alters- und Ehrenabteilung. „Damit sind wir zwar gerade noch handlungsfähig. Aber wie lange das noch so sein wird, weiß ich nicht“, resümiert Christian Lachmann. In den Rothenburger Ortsteilen Noes und Geheege gebe es schon keine Feuerwehr mehr. „Es kann gut sein, dass Bremenhain als nächstes dieses Schicksal trifft.“

Noch allerdings trifft man sich einmal im Monat zum Dienst, übt und hält die Technik am Laufen. Darüber hinaus kümmern sich die Kameraden „um alles Kulturelle, was es in unserem Dorf so gibt“, erzählt der Wehrleiter und blickt dabei auf den Maibaum hinüber, der beim Jubiläumsfest am Sonntag, 18. Juni, „gefällt“ werden soll.

Frank-Uwe Michel / 15.06.2017

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