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170-Jährige sucht neue Mitstreiter

170-Jährige sucht neue Mitstreiter

Ihnen macht das Training im Geräteturnen richtig viel Spaß: Die Turnmädchen der Montagsgruppe sind mit Eifer bei der Sache. Sie würden sich natürlich auch über Zuwachs in der Turnerriege freuen. Foto: privat

Äußerlich ist sie fast ein bisschen unscheinbar, im Inneren erstrahlt sie in ihrer ganzen Pracht: Die Sporthalle in der Kunnerwitzer Straße ist auch 170 Jahre nach ihrer Eröffnung stark frequentiert. Und sie gehört dem Görlitzer Turnverein, der nur ein paar Monate weniger auf dem Buckel hat, sich vergrößern will und nach weiteren Mitstreitern sucht.

Görlitz. Wann genau die Görlitzer Turner sich zu ihrer Vereinsgründung getroffen haben, ist heute nicht mehr lückenlos nachvollziehbar. Fest steht allerdings, dass sie schon zuvor die im städtischen Auftrag als erstes Gebäude in der Kunnerwitzer Straße errichtete Sporthalle nutzten. Das war am 18. Januar 1847 und ist inzwischen mehr als 170 Jahre her. „Die Stadt wollte damals etwas – man würde heute sagen – für den ’Katastrophenschutz’ tun. Deshalb ließ sie für den in der Entstehung befindlichen Turn- und Rettungsverein eine Ertüchtigungshalle bauen – ein modernes, zeitgemäßes Gebäude, mit riesigen Glasfenstern zur Straßenseite hin. Gleichzeitig besaß es für damalige Verhältnisse eine hohe Funktionalität.“

Sophie Reinhold, 1. Vorsitzende des Nachfolgers Görlitzer Turnverein 1847, führt dies auch auf das Engagement von August Moritz Böttcher zurück. Er nahm bereits im Alter von 26 Jahren eine Tätigkeit als Turnlehrer in der Neißestadt auf und trainierte in seiner Freizeit Jungen und junge Männer. „Dies führte zur Idee und Gründung des Turn- und Rettungsvereins“, fand Sophie Reinhold in alten Aufzeichnungen heraus. Im Herbst 1847 muss es schließlich soweit gewesen sein. Böttchers Engagement – vor allem für die Einführung von drei Stunden Schulsport pro Woche – habe zur späteren Vorgabe geführt, dass in schlesischen Schulen das Turnen für Jungen (1861) und für Mädchen (1876) verpflichtend eingeführt wurde.

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Bis heute gilt August Moritz Böttcher daher als „Turnvater“ der Oberlausitz und Niederschlesiens. Seine Nachfolger in der Sporthalle an der Kunnerwitzer Straße sind stolz auf des großen Turners Lebenswerk und wollen ihren Sport in Görlitz gerade im aktuellen Jubiläumsjahr noch bekannter machen. Zwar zählt der Verein mit seinen rund 250 Mitgliedern nicht zu den Kleinsten in der Neißestadt. Trotzdem möchte man ihn zu neuer Blüte führen. „Wir waren schon mal bei 450 Mitstreitern. Es wäre schön, wenn wir diese Zahl wieder erreichen könnten“, hofft Vorstandsmitglied Klaus Schäfer auf verstärktes Interesse in der Görlitzer Bevölkerung (Kontakt unter Tel. 03581/40 52 91; E-Mail gtv-1847-ev@freenet. de).

Denn geboten wird in dem altehrwürdigen Gemäuer in der Südstadt eine ganze Menge. Die wichtigste Säule ist verständlicherweise das Turnen – weniger leistungsorientiert, dafür um so mehr mit Freude an Bewegung und gemeinschaftlicher Beschäftigung mit dem Sport. Während es im Grundschulalter derzeit eine rege Nachfrage gibt, könnte das Interesse unter den Schülern ab der fünften Klasse durchaus noch etwas stärker sein. „Wir bieten hier körperliche Ertüchtigung an – unabhängig vom Wetter draußen, das ganze Jahr. Da die Halle Vereinseigentum ist, sind wir auch nicht an die Schulferien gebunden“, erläutern die Übungsleiterinnen Julia Nawroth und Anne Lauber.

Ebenfalls sehr aktiv ist der Verein beim Gesundheitssport, wo Aerobic und Faszientraining betrieben werden. Hierbei geht es um bestimmte Muskelgruppen, die gezielt in das Training einbezogen werden. Sehr beliebt sind zudem die Volleyball-Übungsstunden, die – außer in der Kunnerwitzer Straße – auch in den Sporthallen des Berufsschulzentrums Sattigstraße angeboten werden.

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Der Verein selbst hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Gründung 1847 als Görlitzer Turn- und Rettungsverein benannte man ihn 1903 in Alter Turnverein Görlitz um. Einige Jahre später bekam er den heute wieder gültigen Namen, was damals einher ging mit der Ausgliederung des Rettungswesens. In der DDR stand man auf verlorenem Posten. Erst nach der politischen Wende wurde der Görlitzer Turnverein 1847 aus Empor und Lok Görlitz wieder zusammengeführt.

Heute stehen Bewegungsangebote, die zudem noch Spaß machen sollen, an erster Stelle der Vereinsphilosophie. „Wer den ganzen Tag in der Schule lernt oder im Job am Computer sitzt, der soll sich auf den Nachmittag oder Abend freuen, wenn er zu uns kommt, und sich zusammen mit Anderen bewegen kann“, erläutert die 1. Vorsitzende das Ziel aller Anstrengungen. „Wir möchten bei der Erkenntnis helfen, dass man sich um seinen Körper kümmern muss.“ Dabei sei längst eine verschworene Gemeinschaft entstanden. „Wer einmal zu uns gefunden hat, der bleibt in der Regel längere Zeit.“

Frank-Uwe Michel / 07.05.2017

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