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Abschied geht dem Kapitän ans Herz

Abschied geht dem Kapitän ans Herz

Der langjährige Kapitän des Landesligisten FSV 1990 Neusalza-Spremberg hängt seine Fußballschuhe an den Nagel. Foto: Verein

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Michael Förster (vorn) hat in 183 Punktspielen für den FSV 1990 Neusalza-Spremberg zwei Tore erzielt und 22 Torvorlagen gegeben. Foto: Verein

Der Kapitän des FSV 1990 Neusalza-Spremberg geht von Bord. Michael Förster ist beim 1:1-Unentschieden seiner Kicker im letzten Punktspiel in der Saison der Fußball-Landesklasse Ost 2016/17 gegen die Reserve des FC Oberlausitz Neugersdorf feierlich verabschiedet worden. Unser Redakteur Steffen Linke unterhielt mit dem 28-Jährigen.

Herr Förster, welche Gedanken sind Ihnen nach dem letzten Spiel Ihrer aktiven Laufbahn durch den Kopf gegangen?

Michael Förster: In erster Linie war ich noch auf das Spiel fokussiert. Das ist dann alles erst danach gekommen. Es war natürlich ein Stückchen Endgültigkeit dabei, als alle Kollegen und die gegnerischen Spieler zum Abklatschen zu mir kamen. Das war für mich schon ergreifend.

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Wie viel Wehmut ist bei Ihnen dabei?

Michael Förster: Da war schon ein Stück Wehmut dabei. .
Ich spiele ja nicht nur seit acht Jahren Fußball beim FSV 1990 Neusalza-Spremberg, sondern seit meiner Kindheit.

Sind bei Ihnen zum Abschied ein paar Tränen geflossen?

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Michael Förster: Ja. Als ich vom Verein verabschiedet worden bin, ging es noch.
Als ich aber nach den 90 Minuten zu meiner Familie und meinen Freunden gegangen bin, war es schlimm.

Haben Sie der Mannschaft nach Ihrem letzten Spiel im Trikot des Vereins einen ausgegeben?

Michael Förster: Ich hatte über unseren tschechischen Mitspieler, der in der tschechischen Brauerei arbeitet, ein 50 Literfass Bier organisiert. Wir haben dann mit Fans und Mannschaft gemeinsam Saisonabschluss gefeiert.

Was ist Ihnen das 1:1 gegen die Reserve des FC Oberlausitz Neugersdorf im letzten Spiel wert gewesen?

Michael Förster: Es war am Ende mit dem Platzverweis und dem Elfmeter noch einmal hitzig. Beide Mannschaften können aber mit diesem Ergebnis leben. Die Reserve des FC Beide Mannschaften können aber mit diesem Ergebnis leben. Oberlausitz Neugersdorf hat eine sehr gute Saison gespielt. Wir sind mit dem Ergebnis auch zufrieden. Niemand hat verloren. Wir haben uns beide erhobenen Hauptes aus der Saison verabschiedet.

Der FSV 1990 Neusalza-Spremberg steht nach Abschluss der Meisterschaft mit 40 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz in der Landesklasse Ost. Wie fällt Ihr Fazit zur Saison aus?

Michael Förster: Sehr positiv. Unser Ziel lag zwischen Platz fünf und acht in der Tabelle. Gerade in der Rückrunde haben wir uns sehr stabilisiert. In den letzten sieben, acht Spielen sind wir nicht als Verlierer vom Platz gegangen. Wir können wirklich sehr zufrieden sein.

Sie selbst sind mit 28 Jahren eigentlich im besten Fußballalter. Warum beenden Sie schon so zeitig Ihre aktive Laufbahn?

Michael Förster: Ich habe diese Entscheidung nicht vom Alter abhängig gemacht. Ich spiele seit der Kreisliga beim FSV 1990 Neusalza-Spremberg. Es ist dann irgendwann eine Entwicklung eingetreten, dass die Mannschaft noch einen Schritt nach vorn machen und in der Landesklasse ganz oben angreifen will. Als Kapitän war es mein Anspruch, vornweg zugehen und mich nicht spielerisch im zweiten Glied zu bewegen. Ich bin auch beruflich sehr eingespannt und zuweilen im Ausland tätig. Wenn ich da mal ein Vierteljahr weg bin, ist es auch schwierig, sich wieder heranzukämpfen.

Wann und wie reifte Ihr Entschluss dazu, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen?

Michael Förster: Das war im November, Dezember des vergangenen Jahres. Aufgrund einer kleineren Verletzung zum Ende der Hinrunde habe ich zwei, drei Wochen pausieren müssen. Gerade als dann die quälende Vorbereitung wieder begann, ist mir klar geworden, einen sauberen Schnitt zu machen.

Welche Reaktionen gab es darauf aus Ihrem sportlichen Umfeld?

Michael Förster: Es hat wohl keiner damit gerechnet. Auch der Trainer wollte das erst einmal nicht so richtig einsehen, weil er mich als Kapitän schätzt und mich auch immer um meine Meinung fragt.
Wir haben aber ausführlich darüber gesprochen – und er hat auch letztlich meine Beweggründe dafür nachvollziehen können. Mir war es auch wichtig, offen und ehrlich miteinander umzugehen.

Sie haben beim FSV 1990 Neusalza-Spremberg in der Kreisliga, Kreisoberliga und in der Landesklasse Ost gespielt. Wie schwer war es für Sie, sich jeweils dem höheren sportlichen Niveau anzupassen?

Michael Förster: Man wächst irgendwo mit. In der Kreisliga war unsere Mannschaft zum damaligen Zeitpunkt mit dem FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf etwas über dem Niveau. Ich erinnere mich an einen 22:0-Sieg gegen einen Gegner. Bei solch einem Ergebnis ist der sportliche Reiz natürlich nicht so gegeben. Die Kreisoberliga war dann schon sehr anspruchsvoll, weil es auch viele Derbys und reizvolle Spiele gab. Die Landesklasse mit den ganzen Dresdner Mannschaften war natürlich noch einmal ein Highlight. Dort wollen wir uns sportlich etablieren.

Wo lagen denn für Sie die größten Unterschiede zwischen den Spielklassen?

Michael Förster: Ohne einem Abwehrspieler der Kreisoberliga zu nahe treten zu wollen – in der Landesklasse Ost sind alle Spieler physisch top drauf und durchtrainiert. Sie haben meistens eine sehr gute Ausbildung bei Dresdner Vereinen oder in Neugersdorf absolviert. Wenn einer aus den taktischen Anweisungen ausbricht und nicht im Mannschaftsgefüge arbeitet, sind die Chancen auf Erfolg nur gering. Die Unterschiede zwischen den Spielklassen sind schon beim Tempo, Abschluss, etc. zu sehen.

Sie haben in 183 Punktspielen für den FSV 1990 Neusalza-Spremberg zwei Tore erzielt und 22 Torvorlagen gegeben. Sie waren nie als Vollstrecker bekannt, sondern eher als Organisator im Defensivverbund. Wie wichtig sind solche Typen im Fußball? Meistens stehen ja die Torjäger im Blickpunkt.

Michael Förster: Das finde ich ein bisschen schade. Im Weltfußball sind es Messi und Ronaldo. Und diejenigen „Staubsauger“, die die Fäden zusammenhalten, fallen halt hinten runter. Sicher spielt da auch Sichtweise des Trainers und der Zuschauer eine Rolle, die dann auch solche Positionen schätzen und achten. Ein defensiver Mittelfeldspieler schießt nun einmal keine 20 Saisontore. Mir ist das dann im Laufe der Jahre nicht mehr so wichtig gewesen. Ich habe ja leider auch im letzten Spiel einen Elfmeter nicht verwandeln können. Das hätte aber nur meine Torstatistik in die Höhe getrieben.

Was hat Ihnen der Fußball über all die Jahre gegeben?

Michael Förster: Ich sehe da vor allem die soziale Komponente, dass man sich nur in der Gemeinschaft entwickelt. Das war sicher auch einer der Gründe, warum ich über ein paar Jahre die Kapitänsbinde tragen durfte, weil ich eigentlich ein Stück weit Sinnbild für die Kommunikation im Team bin – auch zwischen den deutschen und tschechischen Spielern – damit wir alle an einem Strang ziehen.

Die Zuschauer haben beim letzten Punktspiel des FSV 1990 Neusalza-Spremberg gegen die Reserve des FC Oberlausitz Neugersdorf den besten Spieler der Saison gewählt, der dann zum ersten Heimspiel der Meisterschaft 2017/18 bekannt gegeben wird. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Michael Förster: Über die gesamte Saison hinweg gab es sicher andere Spieler, die bei uns deutlich mehr für die Mannschaft und die Ergebnisse geleistet haben. Für Einzelwahlen bin ich aber der falsche Ansprechpartner.

Wer schlüpft in der neuen Saison nun in Ihre Rolle als Kapitän?

Michael Förster: Das werden der Trainer und der neue Mannschaftsrat entscheiden. Bei uns wird der Mannschaftsrat auch von der Mannschaft gewählt. Wenn es dem Trainer nicht völlig gegen den Strich geht, wird dann der Spieler mit den meisten Stimmen zum Kapitän gewählt. Das lösen wir ganz demokratisch.

Sie selbst werden künftig anderweitig in den Verein eingebunden. Steht denn schon fest in welcher Form?

Michael Förster: Ich werde mich nach meinem Sommerurlaub mit den Verantwortlichen zusammensetzen, um eine Position im Verein zu finden.

Welche Funktion könnten Sie sich vorstellen?

Michael Förster: Grundsätzlich bin erst einmal offen für alles. Wir haben viele Sachen, die wir anpacken können und anpacken wollen. Ob das jetzt unbedingt gleich wieder im aktiven Geschäft irgendwo als Trainer ist, ist fraglich, weil auch der Zeitfaktor eine Rolle spielt. Ich werde sicherlich auch bei unserer zweiten Mannschaft das ein oder andere Mal in Erscheinung treten, um nicht gleich von 100 Prozent auf null herunterzufahren. Das ist dann aber viel ungezwungener und wie es zeitlich gerade hineinpasst.

Für was bleibt nach Ihrem Abschied vom Fußball jetzt mehr Zeit?

Michael Förster: Für meine Freunde, Freundin und Familie. Bei den Auswärtsspielen am Wochenende war immer ein kompletter Tag weg. Meine Freundin hat mich da in den letzten Jahren super unterstützt und ist immer mit der FSV-Mädchenclique mitgereist. Wir werden den Fußball auch weiterhin begleiten – aber vom Seitenrand aus.

Steffen Linke / 20.06.2017

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