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Aufrappeln nach 
zwei Katastrophen

Aufrappeln nach 
zwei Katastrophen

Weitblick verspricht nicht nur das Tal, sondern auch die Politik von Bürgermeister Thomas Martolock. Foto: Gemeinde Cunewalde

Mit einem Hochwasser müssen Flussanrainer hin und wieder rechnen. Was 2010 und nur drei Jahre später erneut den Menschen in Cunewalde widerfahren ist, sprengt so manche Vorstellungskraft.

Cunewalde. Alles hat auch seine guten Seiten – selbst ein Hochwasser. Das weiß mittlerweile sogar Thomas Martolock. Der Bürgermeister von Cunewalde sieht seine Gemeinde gerade neu aufblühen. Zweimal hintereinander in einem Zeitfenster von gerade einmal drei Jahren wurden weite Teile der Kommune vom Cunewalder Wasser nahezu überrollt. Nach starken Regenfällen hatte sich der eher beschauliche Bach in einen reißenden Strom verwandelt. Auch andere Gewässer schwollen bedrohlich an. Die Folgen sind noch heute spürbar. „Wir können auch in diesem Jahr nur kleinere Brötchen backen. Deshalb werden wir vorrangig Planungen für bevorstehende Investitionen anschieben. Die sind lange nicht so kostenintensiv wie die eigentliche Baumaßnahme“, meint das Gemeindeoberhaupt hinsichtlich des straff durchgeplanten Etats. Ein Großteil der zur Verfügung stehenden Finanzmittel gehen nach wie vor für die Beseitigung von Flutschäden drauf. Dreieinhalb Millionen Euro sind für dieses Jahr vorgesehen. Immerhin: Die Summen, mit denen die Verwaltung jongliert, werden mittlerweile kleiner. Zum Vergleich: Nach den verheerenden Hochwassern 2010 und 2013 wurden bereits über 20 Millionen Euro allein in Cunewalde verbaut. Um eine finanzielle Unterstützung vom Land zu erhalten, musste sich die Kommune gar um ein Vielfaches verschulden. An dem Kredit über 1,6 Millionen Euro knabbert sie noch immer. Mit dem Geld wurden aus dem in Mitleidenschaft gezogenen Freibad eine der modernsten Freizeiteinrichtungen in der Region gemacht und mehrere Uferabschnitte in Ordnung gebracht. Sogar Häuserruinen verschwanden für den Hochwasserschutz aus dem Ortsbild. Darüber ist der Rathauschef besonders froh.

In diesen Tagen zerlegten Bagger eine weitere Brache in ihre Einzelteile – die ehemalige LPG unweit entfernt vom Gemeindeamt. In wenigen Jahren sollen junge Familien die Möglichkeit erhalten, auf der dann begrünten Fläche Wohnhäuser zu errichten. Die Nachfrage sei groß, berichtet Thomas Martolock. Auch vor dem Hintergrund, da Kindereinrichtungen und Schulen im Ort den Ansprüchen der heutigen Zeit gerecht würden. „Bis es allerdings soweit ist, müssen wir uns etwas in Geduld üben. Das sind nun einmal die Bedingungen des Fördermittelgebers“, fügt er hinzu. „Vielmehr können wir stolz darauf sein, dass wir das Areal aus den Händen einer Erbengemeinschaft losbekommen haben. Das war, weiß Gott, nicht einfach.“

Gleich nebenan dürften in den kommenden Monaten abermals Bautrupps anrücken. Die freie Fläche ist ausgewiesen für vier Einfamilienhäuser. „Wir wollen an dieser Stelle ausprobieren, wie sich Flachbauten in die bestehende Gebäudestruktur einfügen.“

Im „Tal mit Weitblick“ scheint es nach zwei Jahrhundertkatastrophen also wieder bergauf zu gehen. Dennoch hadert Thomas Martolock einwenig mit der Entwicklung. Er sieht gern das Ganze. Bei Raumplanern und Kollegen aus der Politik vermisst der langjährige Bürgermeister die Weitsicht. „Anstatt weiterhin die Schaffung von Wohnraum in Ballungsgebieten zu fördern und damit das hohe Mietniveau zu subventionieren, müssen wir bestrebt sein, auf dem Land geeignete Flächen für mögliche Wohn- und Gewerbeansiedlungen zu schaffen und vorzuhalten. Anderenfalls stoßen wir recht bald an unsere Grenzen“, betont er. Seiner Ansicht nach sollten sich alle beteiligten Seiten ziemlich rasch an einem Tisch versammeln und über das so wichtige Thema diskutieren. Arbeit wird eben auch dann benötigt, wenn kein Hochwasser ist.

Roland Kaiser / 06.03.2017

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