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Bewegung bei Drogen: Legal Highs sind im Landkreis auf dem Vormarsch

Bewegung bei Drogen: Legal Highs sind im Landkreis auf dem Vormarsch

Solche Entdeckungen wie diese illegale Cannabis-Plantage kommen immer wieder vor. Großkontrollen wird es aufgrund der relativ stabilen Lage aber vorerst nicht mehr geben. | Foto: Archiv/Polizei

Landkreis Görlitz. Die Drogenproblematik im Landkreis Görlitz ist in Bewegung. Zum Einen gibt es mit Alkohol, Crystal, Cannabis und den so genannten Legal Highs unterschiedliche Substanzen, zum Anderen ein Netzwerk aus Polizei, Sozialarbeitern und Beratungsstellen, das sich gegen deren Verwendung stemmt.

Der Crystal-Konsum befindet sich nach Ansicht der Experten weiterhin auf hohem Niveau, bei Cannabis erkenne man angesichts der Debatte um die Legalisierung für medizinische Zwecke eine Tendenz zur Verharmlosung. Auf dem Vormarsch befinden sich dagegen die so genannten Legal Highs, die aus Substanzen hergestellt werden, die aktuell noch nicht verboten sind, aber auf den Körper ähnlich verheerende Wirkungen haben wie die bisher bekannten Drogen. „Es ist ein stetiger Wettlauf der Hersteller mit den Behörden. Bisher wurden die Strukturen der Stoffe immer so verändert, dass sie nicht verboten werden konnten. Der Bund will nun ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Verwendung ganzer Stoffgruppen unter Strafe stellt. Wenn das Gesetz aller Voraussicht nach im November verabschiedet wird, hoffen wir, dass damit eine Strafbarkeitslücke geschlossen wird“, so Kriminalhauptkommissar Stefan Agoston von der Polizeidirektion Görlitz.

Wie sich damit die Wechselwirkung zwischen den in der Region an häufigsten verwendeten Drogen Crystal, Cannabis und Legal Highs entwickelt, bleibt abzuwarten. „Das Dunkelfeld ist hoch, denn Drogenkriminalität ist Verfolgungskriminalität. Wer nicht erwischt wird, bleibt unerkannt. Fest steht aber, dass sich manche Abhängige zuletzt verstärkt der Legal Highs bedienten, um im straffreien Bereich zu bleiben. Ändert sich das mit dem neuen Gesetz im Herbst, könnte es wieder eine verstärkte Zuwendung zu den anderen Drogen geben“, erläutert Kriminaloberrat Daniel Mende. Trotzdem oder gerade deshalb wird es nach Angaben des Dezernatsleiters  Rauschgift und Eigentum bei der PD Görlitz demnächst keine Großkontrollen in Sachen Crystal an der tschechischen und polnischen Grenze geben. „Wir konzentrieren uns auf die normale Ermittlungsarbeit, weil die Zahlen relativ konstant sind.“

Um den Drogenkonsum der Bevölkerung generell einzudämmen, konzentrieren sich Polizei und Landkreis auf Beratung und die Aufklärung der Jugend. 2015 sprachen 1.586 Klienten bei einer der drei Suchtberatungsstellen in Görlitz, Weißwasser oder Zittau vor – ein erheblicher Rückgang gegenüber 2014. Damals bemühten sich noch 1.707 Menschen um die Hilfe der Behörden. Ob diese Entwicklung positiv zu bewerten ist, vermag keiner mit Sicherheit zu sagen. Zum Einen könnte die rückläufige Klientenzahl Ausdruck des abnehmenden Drogenkonsums insgesamt sein, zum Anderen aber auch ein Hinweis darauf, dass sich das Drogengeschehen noch mehr im Verborgenen abspielt. Ein dritter Umstand kann ebenfalls eine Rolle spielen: „Die so genannten Legal Highs tauchen in unseren Statistiken für 2015 noch gar nicht auf. Es ist auch möglich, dass sich einige Nutzer von den verbotenen Drogen in diese Richtung verabschiedet haben und denken, dass sie unsere Unterstützung nicht mehr brauchen“, so Lisa Heinze vom Projekt Suchthilfe.

Genauso wichtig wie die Arbeit der Suchtberatungsstellen ist die Aufklärung an den Schulen. Hier gibt es eine enge Kooperation zwischen der Polizeidirektion und den Verantwortlichen im Landkreis – offizielle Bezeichnung: „Prävention im Team“ (PiT). Zur Erforschung des Verhaltens der jungen Generation wurden rund 19.000 Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse, einschließlich der Berufsschulen, befragt. Konkret ging es dabei unter anderem um das persönliche Suchtverhalten, um Gewalt, den Freundeskreis und das Wohnumfeld. „Dabei kam heraus, dass das Hauptthema dieser Altersgruppe Alkohol ist, Crystal bleibt eher eine Randerscheinung und wird erst nach dem Schulabschluss für Manche interessant, wenn es um die Herausforderungen des Alltags, um Konfliktbewältigungen geht“, so Polizeihauptkommissar Berko Thomas. Deshalb setze man in der Schule darauf, Jugendliche mit sozialen Kompetenzen auszustatten und gesunde Beziehungsebenen zwischen Schülern, Lehrern, Eltern und Freundeskreis zu gestalten. „Es geht darum, über den Unterricht bestimmte Themen mit anzusprechen, um klarzumachen, dass das Leben auch ohne Alkohol und Drogen zu meistern ist.“

 

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Frank-Uwe Michel / 31.05.2016

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