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Bundesstraße 178 bleibt wohl noch viele Jahre unvollendet

Bundesstraße 178 bleibt wohl noch viele Jahre unvollendet

Ende der Ausbaustrecke: An diesem Punkt endet die autobahnähnlich ausgebaute B 178.

Löbau/Region. Das Aufatmen war förmlich mit Händen zu greifen, als die Nachricht bekannt wurde: Für den nördlichsten Streckenabschnitt der B 178 neu ist kein erneutes Linienbestimmungsverfahren erforderlich. Von Euphorie kann dennoch keine Rede sein, denn auch so steht noch ein großes Stück Arbeit vor den Planern. Der Oberlausitzer Kurier fasst die Fakten zusammen.

Was war die Ausgangslage?

„Gegenwärtig existiert im östlichen Teil von Sachsen keine durchgängige leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung“, stellte die bundeseigene Planungsgesellschaft Deges bereits in den frühen Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts fest.

Abhilfe sollte eine neu trassierte Bundesstraße 178 schaffen. Mittlerweile ist diese Straße weitgehend vorhanden; nur bei zwei Abschnitten „klemmt“ es noch: Zwischen Niederoderwitz und Oberseifersdorf (unmittelbar nördlich von Zittau) sowie zwischen Nostitz und der Bundesautobahn 4. Bei letztgenanntem Abschnitt kam ein Verkehrsgutachten zu dem Ergebnis, dass anstelle des ursprünglich geplanten vierspurigen ein dreispuriger Ausbau genügt.

Daraufhin überarbeitete der Freistaat Sachsen die Planungen. Das Ergebnis: Die dreispurige B 178 (neu) bindet an der bisherigen Autobahnanschlussstelle Weißenberg an die BAB 4 an. Dadurch verändert sich die Linienführung im Vergleich zu den bisherigen Planungen nur geringfügig. Mittlerweile hat der Bund sein „okay“ dafür gegeben.

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Wie geht es jetzt weiter?

Dass der Bund kein neues Linienbestimmungsverfahren fordert, bedeutet noch lange nicht, dass es jetzt zeitnah mit dem Bau losgehen kann. Denn um ein Planfeststellungsverfahren kommt der Freistaat Sachsen nicht herum. Und auch das kann dauern: Ein solches Verfahren beinhaltet eine umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit, die ihre Anregungen und Bedenken – ähnlich wie bei einem kommunalen Bebauungsplanverfahren – einbringen kann. Sollten diese nach Ansicht der Einreicher nicht ausreichend berücksichtigt worden sein, steht der Klageweg offen.

Wie hoch ist das Risiko?

Das lässt sich vorab schwer einschätzen. Fakt ist, dass es wie wohl bei jedem größeren Straßenbauvorhaben Widerstände und Befürchtungen gibt. So erfordert die jetzt bestätigte Trasse den Bau einer großen Talbrücke über das Löbauer Wasser. Auch macht sich ein Verkehrsknotenpunkt zwischen der neuen B178 und der Staatsstraße 111 erforderlich, der mit dem Verlust landwirtschaftlich genutzter Fläche einhergeht. All dies birgt genügend Konfliktpotenzial im Zuge des bevorstehenden Verfahrens. Hinzu kommen Befürchtungen zu vermehrt anfallendem Oberflächenwasser und zu Lärm in den umliegenden Orten. Deshalb ist eine Prognose, wann tatsächlich die Bagger anrollen, zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich.

Und was ist mit dem anderen fehlenden Abschnitt?

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Der Abschnitt zwischen Niederoderwitz und Oberseifersdorf befindet sich im Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen. Von April bis Mai 2017 lagen die überarbeiteten Unterlagen zur Einsichtnahme aus. Erneut wurden 78 Einwendungen gegenüber der Planfeststellungsbehörde vorgetragen. Diese wurden durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr umfänglich geprüft und bearbeitet. Vom 23. bis 26. April findet ein Erörterungstermin in Löbau statt, zu dem alle Einwender eingeladen sind. Ein Abschluss des Verfahrens ist noch nicht absehbar.

Uwe Menschner / 22.03.2018

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Kommentare zum Artikel "Bundesstraße 178 bleibt wohl noch viele Jahre unvollendet"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Jörg Domsgen schrieb am

    Es ist einfach nur noch ermüdend und frustrierend, wenn man sich ansieht, wie unsere Region vernachlässigt wird. Man kann eigentlich nur hoffen, dass der Wahlbürger in 2019 die richtigen Schlüsse aus dieser Politik gegen den ländlichen Raum zieht.

    Fast 30 Jahre hatte die CDU erst allein und dann mit ihrer Schwesterpartei SPD Zeit, die notwendigen Anreize für einer ersprießliche wirtschaftliche Entwicklung unserer ostsächsischen Heimat zu setzen. Unbestritten gehört zu den wichtigsten Grundlagen einer solchen eine Verkehrsanbindung, mit der die ansiedlungswilligen Unternehmen konkurrenzfähig in ihrem jeweiligen Marktsegment arbeiten können.

    Ich mache den vielen Einwendern gar keinen so großen Vorwurf. Ja sicher ist bei diesem oder jenen ein inakzeptables Maß an Egoismus vorhanden. Aber gut, dass solcher Egoismus zum Nachteil der Gesellschaft weidlich ausgelebt werden kann ist vor allem auch der rechtlichen Grundlage dieser Planungsverfahren geschuldet. Und dass hier keine Beschleunigungen durch verantwortliche Behörden veranlasst wurden, hat den einfachen Grund, dass man sich in den Ministerien lächelnd zurücklehnen kann und wieder ein Haushaltsjahr länger die notwendigen Baukosten hinauszögern konnte.

    Dass sowas auch viel schneller gehen kann, AUCH in einer Demokratie, haben uns unsere tschechischen Nachbarn hinlänglich bewiesen. Dort ist die 178n längst fertig. Und welche positiven Effekte diese schöne Schnellstraße im Hradeker Industriegebieten bereits erzeugte, kann sich jeder selbst ansehen.

    Mein Dank richtet sich also an alle Bremser des Bauvorhabens von Tillich bis Kretschmer und wie sie alle heißen mögen. Sie dürfen sich stolz fühlen, einen wichtigen Teil am Niedergang unserer heimischen Wirtschaft beigetragen zu haben.

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