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Die Lausitz treibt den Winter aus

Die Lausitz treibt den Winter aus

Sie lodern wieder: Hunderte Hexenhaufen lassen sich in der Walpurgisnacht zwischen Neiße und Röder ansteuern. Foto: Archiv/privat

Region. An diesem Sonntag brennen sie wieder – weit über 140 Hexenfeuer zwischen Weißenberg im Osten und Göda im Westen sowie Sohland im Süden und Milkel im Norden. Eines haben sie alle gemeinsam: Einem uralten Brauch zufolge sollen sie dabei behilflich sein, den Winter auszutreiben. Allein in der Gemeinde Cunewalde hat das Ordnungsamt Kenntnis von etwa 50 angemeldeten Feuerstellen. „Wir werden jedoch nicht verraten, wo sich diese konkret befinden“, meinte Bürgermeister Thomas Martolock mit Verweis auf eine immer mehr in Mode kommende Untugend. Es bestehe die Gefahr, dass Ortsfremde Hexenhaufen vorzeitig in Brand stecken. Die Feuerwehr bekäme in dem Fall richtig Stress, befürchtet das Gemeindeoberhaupt. Seine Sorge wird auch vom Großröhrsdorfer Tierschutzverein geteilt – wenn gleich in etwas anderer Hinsicht. Das massive Aufschichten von Holz und Gestrüpp berge ein enormes Risiko für die Tierwelt in sich. Einige Arten, die diese Holzstapel nutzen, um darin Schutz zu suchen oder gar ihr Nest darin errichten, befänden sich bei einem Feuer in höchster Not. „Spätestens seit im Jahr 2015 in Dortmund unter einem Osterfeuer zwei brennende und vor Schmerzen schreiende Kaninchen hervorkamen, ist klar, wie wichtig es ist, Feuerstellen erst einen Tag vor dem Abbrennen endgültig aufzuschichten oder umzustapeln“, meinte ein Sprecher des Vereins „Hoffnung für Tiere“. Eine solche Verfahrensweise sei im Sächsischen Naturschutzgesetz geregelt.

Rodelspaß beim Hexenbrennen

Ungeachtet dessen wurde in den vergangenen Tagen in den 18 Städten und Gemeinden des Altkreises Bautzen eifrig Holz zusammengetragen. In einigen Fällen türmt sich dieses bereits meterhoch gen Himmel. An der Rodelbahn in Bautzen beispielsweise besteht seit dem 8. April die Möglichkeit, Strauch- und Baumverschnitt abzugeben. An der Talstraße soll am morgigen Sonntag der Hexe so richtig eingeheizt werden. Das Ganze hat beinahe Volksfestcharakter. Bevor die Flammen lodern, dürfen sich ab 16.30 Uhr Besucher bei einem Gästerodeln austesten. Kinder indes können sich auf einer Hüpfburg austoben. Hungern muss niemand. Die Veranstalter von der Sportgemeinschaft Bautzen Nord lassen auftischen – und zwar Deftiges aus der Gulaschkanone.

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Am Stausee ist Feuerwerk, am Spreebogen legt DJ auf

Die Spreestädter haben auch in diesem Jahr die Qual der Wahl. Alternativ zum Hexenbrennen an der Rodelbahn können sie auch die Ocean Beach Bar am Stausee ansteuern. Zwischen 19.00 und 20.00 Uhr setzt sich dort ein Fackelumzug zum Hexenhaufen in Bewegung. Es gibt eine Hüpfburg für Kinder, viel Eis, Bratwurst und Getränke. Gegen 22.00 Uhr steigt dann ein großes Feuerwerk gen Himmel. Erwartet werden wieder zwischen 400 und 500 Besucher. Mit ähnlichen Dimensionen rechnet der Organisator des Hexenfeuers an der Spreegasse. Ein DJ sorgt für gute Stimmung. Die Feuerwehr indes wird ein wachsames Auge auf den brennenden Holzhaufen haben, Security-Leute hingegen auf mögliche Krawallmacher.

Maibaumstellen in Weißenberg

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Am Vorabend des 1. Mai geht es im rund 22 Kilometer entfernten Weißenberg ebenfalls zur Sache. Dort lädt die Ortsfeuerwehr zum Hexenbrennen ein. Beginn ist 17.00 Uhr auf dem Marktplatz der Kleinstadt. Dort erfolgt das traditionelle Maibaumstellen mit einer musikalischen Maibaumwache im Anschluss. Gegen 19.30 Uhr setzt sich der Fackelumzug zum Hexenhaufen in Bewegung. Damit die Besucher bei guter Laune gehalten werden, organisierten die Kameraden einen Imbiss. Im Ortsteil Wurschen hingegen ist Kreativität gefragt. Die Ausrichter des hiesigen Hexenbrennens wollen die originellste Hexenattrappe prämieren. Ausgelassen feiern heißt es zudem in Nostitz. 19.00 Uhr beginnt das Winteraustreiben auf der Wiese am Dorfteich.

Dutzende Hexenfeuer im Westen und Osten

Nach Radibor: Die Gemeindeverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass ihr für 16 Hexenfeuer Anträge auf Genehmigung vorliegen. So werden unter anderem in Schwarzadler, Luttowitz und Cölln aber auch in Lomske oder Quoos die Holzhaufen brennen. In Milkel zieht es gegen 19.30 Uhr Groß und Klein mit Fackeln und Lampions vom Gerätehaus zum Hexenbrennen. Tage zuvor begaben sich die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr auf die Suche nach einer geeigneten Hexe. Für sie hat nunmehr das letzte Stündlein geschlagen.

In der Nachbargemeinde Neschwitz gibt es 18.30 Uhr zunächst einen Bieranstich. 20.15 Uhr startet vom Schlosspark aus ein Fackelumzug, der am Sportplatz endet. Vor Ort sorgen Feuerwehr, die Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz sowie der SV Blau-Weiß dafür, dass beim anschließenden Hexentanz am Hexenfeuer und einer flotten Sohle im Bierzelt gute Stimmung aufkommt. Sieben weitere Gelegenheiten zum Feiern finden Besucher in den Ortsteilen Krinitz, Luga, Neudorf, Zescha, Saritsch, Caßlau und Übigau. Im benachbarten Königswartha und seinen Ortschaften sind Informationen aus dem Rathaus zufolge fünf Hexenhaufen aufgeschichtet worden, so zum Beispiel am Sportplatz Königswartha, am Sportplatz Oppitz oder am „Hutowa-Jugend-Vereinshaus“ in Commerau.

Auf der Landkarte quer rüber begrüßt die Gemeinde Göda all diejenigen, die auf dem Festplatz neben dem Jugendclub das traditionelle Hexengericht nicht verpassen möchten. Beginn dafür ist 20.00 Uhr. Der Abend klingt aus mit Tanz für Jung und Alt im und vor dem Festzelt. Für ansprechende Beats sorgt „Passion Soundmachine“.

Weiter östlich in der Gemeinde Hochkirch haben zahlreiche Ortsfeuerwehren und Privatleute Hexenfeuer organisiert. Unterm Strich ist in 15 Ortsteilen etwas zu erleben, darunter in Pommritz, Wuischke und Hochkirch jeweils am Sportplatz, auf der Wiese in Plotzen oder in Breitendorf am Feuerwehrgerätehaus.

Wilthen honoriert Bastelarbeiten

Wer im Raum Wilthen in den Mai hineinfeiern möchte, ist am Weifaer Weg an der richtigen Adresse. Naturfreunde und Stadtverwaltung ließen sich im Vorfeld etwas Besonderes einfallen, um das Publikum in Stimmung zu bringen. „Für die schönste gebastelte Hexe verleihen wir einen Preis“, sagte Bürgermeister Michael Herfort. Gleichzeitig versprach er: „Wer es verpasst hat, seine Bastelei bis Freitag in der Touristinfo abzugeben, darf sie am Sonntagabend zur Pumphutfigur in der Bahnhofstraße mitbringen.“ 19.00 Uhr finden sich an Ort und Stelle die Teilnehmer des geplanten Lampion- und Fackelumzuges ein. Der Tross führt wenig später direkt zum Hexenbrennen. Es lohnt sich also, daheim schnell noch seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Unabhängig davon dürfen die Wilthener und ihre Gäste an insgesamt 13 weiteren Feuern im Stadtgebiet und in den Ortsteilen feiern. Eines der größeren befindet sich am Fußballplatz an der Dresdener Straße. Dorthin lädt der Fußballverein SG Wilthen ein.

Diskozeit im Süden

Wer in der Walpurgisnacht auf eine Tanzeinlage am Hexenfeuer nicht verzichten möchte, hat gute Karten im Sohländer Ortsteil Taubenheim. Auf dem Areal des Jugendvereins geht 20.00 Uhr im Partyzelt die Post ab. Nur wenige Kilometer weiter in Wehrsdorf startet um die gleiche Zeit ein Fackelumzug am Erbgericht. Dieser führt zum Platz an der Turnhalle. Für Speisen und Getränke ist in beiden Fällen gesorgt, ließ Bürgermeister Hagen Israel wissen.

Gastgeber Ortsfeuerwehr

In acht von elf Ortsteilen der Gemeinde Malschwitz übernehmen in der Nacht zum 1. Mai die Kameraden der Ortswehren die Regie, so zum Beispiel in Halbendorf, Neudorf, Kleinbautzen und Rackel. Sie laden ihre Besucher jeweils ab 18.00 bzw. 19.00 Uhr zum Hexenbrennen ein. In Niedergurig wiederum wird die Veranstaltung vom Heimatverein, in Dubrauke vom Horkenhacker e.V. und in Wartha vom Heimatverein Radiska ausgerichtet.

Unweit entfernt in der Gemeinde Doberschau-Gaußig haben sich in insgesamt fünf Ortschaften ebenfalls Florianjünger die Organisation der Hexenfeuer auf die Fahnen geschrieben, so in Doberschau, Gaußig und Gnaschwitz. In acht weiteren Ortsteilen geht die Initiative laut einer Übersicht des Gemeindeamtes von Vereinen oder Privatpersonen aus.

Geheime Wahl in Crosta

Wer wird in dem Großdubrauer Ortsteil die Miss Hexe des Jahres 2017? Einen Tag vor Walpurgis, also an diesem Sonnabend, darf ein jeder darüber abstimmen, der zuvor eine selbstgebaute Attrappe beigesteuert hat. Treffpunkt ist 18.00 Uhr am Hexenhaufen in Crosta. Die Prämierung erfolgt in diesem Rahmen nunmehr zum fünften Mal. Das eigentliche Hexenbrennen am 30. April startet gegen 18.00 Uhr in unmittelbarer Nähe der Feuerwehr.

Bunte Maifeier auf dem Kornmarkt

Unter dem Motto „Wir sind viele. Wir sind eins.“ lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund am Maifeiertag nach Bautzen ein. Ab 11.00 Uhr erleben die Besucher am Fuße des Reichenturmes ein abwechslungsreiches Programm. Neben einer Sportakrobatikeinlage des MSV Bautzen 04 gibt es Live-Musik von Jela aus Rietschen und der Partyband „Müllermugge“. Feinsten Rock’n’Roll servieren hingegen „Charly and the Sweets“. Ein Spielmobil und Kinderschminken sorgen für Kurzweile in den Reihen des jüngeren Publikums. Außerdem sorgen die Veranstalter dafür, dass auch in punkto Gastronomie auf dem Kornmarkt etwas geboten wird.

Internettipp

Ein Klick auf unsere Internetseite Alles-Lausitz.de lohnt: Dort haben wir für Sie noch einmal alle Hexenfeuer detailliert aufgelistet.             

Roland Kaiser / 29.04.2017

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