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Görlitz wird im Film diesmal zu Frankfurt

Görlitz wird im Film diesmal zu Frankfurt

Gut beschirmt – Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu (mi.) auf dem Weg zum Filmset, links daneben Produzent Jani Thiltges.

Görlitz wird seinem Ruf als Filmstadt einmal mehr gerecht: In der vergangenen Woche fanden hier Dreharbeiten für die deutsch-belgisch-luxemburgische Koproduktion „Auf Wiedersehen Deutschland“ statt. Prominentester Name auf der Besetzungsliste ist zweifellos Moritz Bleibtreu („Lola rennt“, „Das Experiment“).

Görlitz. Tristesse bestimmt das Bild der heruntergekommenen, grauen Straße. Gleichmäßiger, starker Regen platscht auf das Kopfsteinpflaster. Zwei Männer in abgerissener Kleidung und mit Stoppelbärten, filterlose Zigaretten in den Händen, suchen Zuflucht in einem Hauseingang. „Spirituosen & Stöffche“ wirbt ein verstaubtes Schild über dem Schaufenster, in dem sich Schnaps- und Weinflaschen aneinander reihen. Willkommen in Frankfurt/Main kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs – oder im Görlitz von heute.

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Kenner der Trinkgewohnheiten in den verschiedenen Teilen Deutschlands wissen sofort, dass es sich hierbei um Frankfurt handeln muss.

Einmal mehr übernimmt die ostsächsische Kreisstadt die Rolle einer heruntergekommenen oder vom Krieg ausgezehrten europäischen Metropole. Und einmal mehr erklärt ein Regisseur, in diesem Falle Sam Garbarski („Irina Palm“, „Vertraute Fremde“) begeistert: „Wo findet man heutzutage noch eine solch authentische Atmosphäre für einen Film, der in der Nachkriegszeit spielt?“

Generell lobt der belgische Filmregisseur mit bayerischen Wurzeln Görlitz in den höchsten Tönen, ebenso wie Produzent Jani Thiltges: „Der Reiz dieser Stadt besteht darin, dass ihr Flair den Vorstellungen des Autors am nächsten kommt.“ Inwieweit man dieses Kompliment tatsächlich als schmeichelhaft bezeichnen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass die Filmcrew – wie schon so viele vor ihr – in Görlitz optimale Bedingungen vorfand: „Es war völlig problemlos möglich, einen ganzen Straßenzug für einen Tag abzusperren. Überhaupt verhielt sich die Stadtverwaltung uns gegenüber äußerst zuvorkommend. Auch bei den Menschen auf der Straße haben wir das Gefühl, dass sie sich darüber freuen, wenn Filmleute in der Stadt sind. Das ist beileibe nicht überall so“, wie Jani Thiltges betont. Von einer Übersättigung der Görlitzer aufgrund der Fülle von Filmproduktionen kann also keinerlei Rede sein. „Und selbst die lokalen Medien gehen sehr entspannt mit uns um“, fügt er noch hinzu.

Und doch dürfte es den Filmleuten mit fortschreitender Stadtsanierung auch hier in Zukunft immer schwerer fallen, geeignete Drehorte zu finden. So befindet sich die alte Schule auf der Cottbusser Straße als einstmals beliebte Filmlocation bereits in Sanierung; die frühere Kahlbaum-Klinik, wo die „Auf Wiedersehen Deutschland“-Crew ihre Zelte aufgeschlagen hatte, wird bald folgen.

Moritz Bleibtreu spielt in dem Film „Auf Wiedersehen Deutschland“ David Bermann, einen Holocaust-Überlebenden, der Deutschland schnellstmöglich in Richtung Vereinigte Staaten verlassen will.

Mit Witz, Charme und der berühmten jüdischen „Chuzpe“ versuchen er und seine Freunde, das dafür benötigte Geld zu organisieren. Dabei ziehen sie die Aufmerksamkeit von Special Agent Sara Simon (Antje Traue) auf sich, die David der Kollaboration mit den Nazis verdächtigt. Die tatsächliche Geschichte dahinter ist unglaublich, und dass sich David und Sara ineinander verlieben, unausweichlich. Der Film basiert auf den Romanen „Die Teilacher“ und „Machloikes“ von Michel Bergman, der auch gemeinsam mit Sam Garbarski das Drehbuch verfasst hat. „Auf Wiedersehen Deutschland“ soll, so der Wunsch seiner „Macher“, im kommenden Jahr auf der Berlinale aufgeführt werden.

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Uwe Menschner / 16.05.2016

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