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Kamenzer schießt Bilder der weltbesten Motorradfahrer

Kamenzer schießt Bilder der weltbesten Motorradfahrer

Kamenz. Mit vier Jahren saß Toni Börner zum ersten Mal auf einem Moped, das sein Opa selbst gebaut hatte. Später nahmen ihn seine Eltern mit an die Rennstrecke. Aus der Profikarriere als Rennfahrer wurde nichts, dafür ein international beachteter Fotograf. Vor wenigen Tagen ist Toni Börner von seinem jüngsten Einsatz nach Kamenz zurückgekehrt. Unterwegs war er beim 24-Stunden-Motorradrennen im französischen Le Mans und anschließend ging es direkt zur Superbike WM nach Assen in den Niederlanden.

Als Profifotograf begleitet der Kamenzer die Motorradrennen überall auf der Welt. Sein erster Termin in diesem Jahr war die Saisoneröffnung in Katar. Es ist eines seiner liebsten Rennen. Die Vorbereitung ist an jeder Strecke gleich. Üblicherweise reist Toni Börner am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Rennwochenende an. „So bleibt genügend Zeit, um mit dem Rad oder Inlinern die Rennstrecke abzufahren“, sagt der junge Mann. Einige Fotografen seien prinzipiell faul und postieren sich meist in der Nähe des Pressezentrums. Toni Börner versucht deshalb die interessanten Punkte an der Strecke zu finden, an denen niemand steht – einfach, um wirklich exklusive Fotos zu liefern. Nur so lässt sich das für den Lebensunterhalt nötige Geld verdienen. Darüber hinaus arbeitet der Kamenzer als Rennsportkommentator für Eurosport, schreibt und fotografiert für Red Bull Hintergrundgeschichten zur MotoGP (Motorrad Grand Prix).

Tatsächlich leben kann Toni Börner von der Motorradsport-Fotografie erst seit zwei Jahren. „Bis 2014 habe ich immer gebangt, wenn die Versicherungen zum Jahresbeginn die Beiträge vom Konto abbuchten“, gesteht er. Der Weg dorthin war lang. Schon als Kind hat er bei Motorradrennen Fotos gemacht und diese in der Dunkelkammer gemeinsam mit seinem motorradsportbegeisterten Vater entwickelt. „Bei meinem ersten Rennen war ich jedoch so aufgeregt, dass viele Aufnahmen verwackelt waren“, erinnert er sich. Mit 14 war Toni Börner zum ersten Mal offiziell bei einem Rennen als Fotograf akkreditiert. Als Schüler begleitete er unter anderem das Racing Team Freudenberg aus Bischofswerda als Pressesprecher. Aber erst nach Abitur und einer Ausbildung zum Mediengestalter folgte der Schritt in die motorsportliche Selbstständigkeit. In der freien Zeit fotografierte Toni Börner bei der IDM (Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft), arbeitete freiberuflich für verschiedene Motorsportmagazine und lernte dazu.

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Dieses Foto entstand beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Dank seiner Erfahrung ist es Toni Börner gelungen den Moment abzupassen, wenn der Fahrer schaltet und der Sprit mit blauer Flamme verbrennt.

In diese Zeit fällt auch ein Besuch beim Isle of Man TT (Tourist Trophy) – einem der gefährlichsten Motorradrennen, das auf einem Straßenkurs ausgetragen wird, der direkt an Häusern, Mauern und Feldern vorbei führt. „Dieses Rennen ist fotografisch sehr anspruchsvoll, bietet im Gegensatz zu den typischen Rennstrecken aber viele verschiedene Hintergründe“, erklärt Toni Börner. Um möglichst viele verschiedene Motive aufnehmen zu können, muss jeder der Fotograf die Abkürzungen und Schleichwege kennen, sonst passiert, was dem in Kamenzer lebenden Großnaundorfer im ersten Jahr passierte – man biegt falsch ab, steckt in einer Sackgasse fest und ist den Rest des Rennens an ein und derselben Stelle gefangen. Heute ist der 29-Jährige etwa 250 Tag im Jahr überall in der Welt bei den verschiedenen Motorradrennen. Er hat Verträge mit verschiedenen Medien und ist beispielsweise der einzige Deutsche, der beim Grand Prix in Macau (China) fotografiert. Etliche tausend Euro hat er in die hochauflösende Nikon-Kamera und die zugehörigen Objektive investiert. „Das Geld dafür habe ich mir selbst erarbeitet“, betont er. Knapp 25 Kilogramm wiegt alles zusammen. Allein das Objektiv mit der 800er-Brennweite ist gut fünf Kilogramm schwer und nur mit einem Stativ gut zu händeln. Nicht selten muss Toni Börner beim Einchecken vor dem Flug diskutieren, damit er den Rucksack und die Fototasche als Handgepäck nehmen kann.

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Die besonderen Momente fängt Toni Börner neben der Rennstrecke ein. Hier bereitet sich Maverick Viñales auf sein nächsten Rennen am Sachsenring vor. | Fotos: Toni Börner

Aber allein die beste Technik reicht nicht aus, um eindrucksvolle Aufnahmen zu machen. Beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans sei kein Blitzlicht erlaubt. „Ich muss also auf passives Licht warten“, erklärt der Profi, „etwa wenn ein Motorrad von einer nachfolgenden Maschine angeleuchtet wird.“ Kritisch betrachtet er anschließend die vier- bis sechstausend Bilder eines Rennens. „Ich finde immer irgendwas, was mir nicht gefällt“, sagt er, „Mein Ziel ist es, spektakuläre Fotos aufzunehmen, die anders sind.“ Der Job kostet Kraft. Ständig unterwegs sein, Berichte gleichermaßen in Englisch und Deutsch verfassen, eine Auswahl der passenden Bilder treffen und das nächste Rennen planen. „Zurück zu Hause habe ich gelernt die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen: mein eigenes Bett, die eigene Dusche und mit den Kumpels ein Bier zu trinken oder zu grillen“, erklärt Toni Börner. Zum Entspannen fährt er Mountainbike – natürlich bergab und schnell. Außerdem hat er sich im vergangenen Jahr einen Traum erfüllen können. Mit seiner eigenen Maschine, einer roten BMW mit 1.000 Kubik und 204 PS wird er auch an zwei, drei Rennen in diesem Jahr teilnehmen.

Katrin Kunipatz / 03.05.2016

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