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Krone-Besitzer geben Stadt den Zuschlag

Krone-Besitzer geben Stadt den Zuschlag

Das Sammeln von Unterschriften für den Erhalt der Krone zahlt sich aus für die BI um Utta Winzer. Die BWB wird das Stadthallenareal erwerben – das Einverständnis der Stadträte vorausgesetzt. Foto: privat

Ende August soll das Krone-Areal im Herzen von Bautzen in kommunales Eigentum übergehen. Hinter den Kulissen laufen dafür die Vorbereitungen.

Bautzen/Berlin. Ein von der Rathausspitze, der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft BWB und sämtlichen Stadträten unterzeichnetes Schreiben an den Eigentümer des rund 9.000 Quadratmeter großen Anwesens zwischen Töpfer- und Steinstraße hat eingeschlagen wie eine Bombe. Bewegt davon zeigten sich noch Tage nach Eingang des Papiers die drei Gesellschafter. Das sagte jetzt einer von ihnen – Alexander Kindermann – dem Oberlausitzer Kurier.

Diese Einmütigkeit, die die Stadtväter bis vor Kurzem noch vermissen ließen, habe letztendlich zu der Entscheidung geführt, das Gelände samt der seit Januar geschlossenen Veranstaltungsstätte nun doch nicht an einen privaten Großinvestor zu veräußern. Auch wenn einer der drei Interessenten – ein Berliner Geschäftsmann, der unter anderem 2011 bei Jena von der Bundesfinanzdirektion eine gigantische Bunkeranlage erwarb – zuletzt für das Krone-Ensemble 3,6 Millionen Euro bot.

Eine Absage sollte ebenso ein Unternehmen aus der Schweiz erhalten, das mit dem Gedanken gespielt hat, an Ort und Stelle ein Pflegeheim zu errichten und in diesem Zusammenhang bereits eine Bauvoranfrage im Rathaus stellte.

Dass Onnasch vor diesem Hintergrund finanziell Federn lassen muss, bedauert Alexander Kindermann zwar. Allerdings habe er immer wieder betont, die Stadt zu präferieren. Grund: Die Kommune sei in der Lage, den Betrieb in dem 1967 erbauten Veranstaltungshaus, das selbst die Hauptstädter im Laufe der Zeit lieb gewonnen hatten, fortzuführen beziehungsweise das Areal in Eigenregie zu entwickeln. Über die Jahre hinweg steckte die Unternehmensgruppe, die nach der Wende das Anwesen aus dem Bestand der Treuhand übernahm, eigenen Angaben zufolge circa 2,3 Millionen Euro in den Bau des Parkplatzes sowie die Instandhaltung und die Verbesserung des etwa 4.500 Quadratmeter großen Stadthallensaales. Um Einnahmen zu erzielen, wie es hieß. Diese beliefen sich bis dato auf etwa 235.000 Euro brutto im Jahr.

Aufgrund der Altersstruktur möchten sich die bisherigen Eigentümer aus dem Bautzener Geschäft zurückziehen und ihre Immobilien in der Spreestadt veräußern. „Wir haben damals zehn Kaufverträge geschlossen, um eine zusammenhängende Fläche im Zentrum von Bautzen zu bilden“, erklärte Alexander Kindermann und versicherte: „Die Stadt bekommt ein super Grundstück ohne Alt- und Baulasten.“

Dazu gehören neben der Krone samt Inventar und dem davor gelagerten Parkplatz mit seinen rund 220 Stellflächen ein Geschäftshaus mit Läden und Büros an der Steinstraße sowie ein dreistöckiges Zwischengebäude, in dem sich eine Nachtbar und ein Event-Center befinden. Das alles in Summe für ungefähr 2,1 Millionen Euro.

Geänderte Lage zwingt zum Umdenken

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Am 29. August, so ist es angedacht, stimmen die Stadträte darüber ab, ob die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft den Deal mit den Berlinern unter Dach und Fach bringen darf. Bis dahin soll auch der Kaufvertrag vorliegen.

Vergessen scheint vor diesem Hintergrund der ganze Streit der zurückliegenden Wochen und Monate. Noch Anfang Mai hatte Oberbürgermeister Alexander Ahrens einem ähnlich lautenden Stadtratsbeschluss von CDU, FDP, Grünen und Bürgerbündnis Bautzen widersprochen. Er sah gleich mehrere Verstöße gegen die Sächsische Gemeindeordnung als gegeben an und hielt darüber hinaus bis zu diesem Zeitpunkt eine Kaufsumme von lediglich 430.000 Euro für angemessen. Dabei stützte er sich auf ein Wertgutachten, das dem Rathaus seit dem vergangenen Jahr vorliegt. Nachdem die Deutsche Bahn jedoch kurz darauf ausschloss, dass die Kommune einen Teil des Güterbahnhofes für eigene Zwecke erwerben kann, lenkte das Stadtoberhaupt ein. Unklar bleibt jedoch weiterhin, ob die Stadthalle jemals wieder für Veranstaltungen geöffnet wird.

Dafür macht sich eine Bürgerinitiative (BI) nach wie vor stark. Sie sammelt weiterhin Unterschriften.

Krone-Befürworter am Ziel

„Konferenzen und Kongresse bringen Geld in die Stadt. Sie sind zu einem wichtigen Geschäftszweig geworden“, meinte Alexander Kindermann mit Blick auf mögliche Nutzungsideen. Immerhin: Der Krone-Saal darf nach seinem Kenntnisstand auch noch in den kommenden Jahren bespielt werden. „Auch wenn Stadthallen schwer wirtschaftlich zu betreiben sind, muss man berücksichtigen, dass diese für die Bevölkerung von besonderer Wichtigkeit sind, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und dass selbst bei größeren Veranstaltungen die Kommune erheblich in den Bereichen Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel profitiert. Eine Stadt ohne Stadthalle ist einfach unattraktiv. Ein solches Haus an einer neuen Stelle zu bauen, wäre von der Lage nicht mehr vergleichbar und würde viel, viel teurer werden.“

CDU-Fraktionschef Karsten Vogt sieht sich am Ziel: „Im Herbst 2016 haben CDU, Bürgerbündnis und FDP erstmals ihre Absicht zum Kauf des Krone-Areals durch die Stadt im Stadtrat bekundet. Es bedurfte mehr als anderthalb Jahre zähen Ringens, dreier Wert- beziehungsweise Betreibungsgutachten, mehrerer Anträge und unzähliger Gespräche unserseits, bis es nun schlussendlich gelang, den Kauf des Krone-Areals seitens der BWB durchzusetzen. So wie am Beginn dieses Weges steht nach wie vor, dass das Anwesen die einzige innerstädtische Fläche ist, die noch entwickelt werden kann.“ Und weiter: „Damit ist das Thema Krone jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Wenn der Kauf umgesetzt ist, wollen wir als CDU-Fraktion zusammen mit dem Bürgerbündnis und der FDP einen dreijährigen Probebetrieb der Krone umsetzen. Bautzen hat Bedarf für eine Veranstaltungshalle und die Krone könnte mit entsprechender Vermarktung und gezielter Investition eine Antwort auf diese Frage sein. Hierfür bedarf es in gemeinsamer Absprache mit allen Beteiligten der Auftragsvergabe für ein Marketing – egal ob wir dies innerstädtisch oder mit professionellen Anbietern lösen. Ein alleiniger Kauf des Objektes ohne entsprechende Betreibung ist keine Option für die Krone.“

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Droht erneut Lagerbildung im Stadtparlament?

Schon einmal vorsorglich erteilte die Geschäftsführerin der BWB, Kirsten Schönherr, Wünschen nach einer Bewirtschaftung des Krone-Saales eine klare Absage. „Die BWB wird die Stadthalle nicht betreiben. Sollte sie gegebenenfalls Ende August beauftragt werden, das Krone-Areal zu erwerben, wird sie die Einnahmen aus dem Parkplatz und den Gewerbeeinheiten zur Refinanzierung des Kaufpreises einsetzen.“ Immerhin ist in dem Zusammenhang die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von etwa einer Million Euro angedacht.

Die SPD-Stadtratsfraktion sieht es ähnlich. Auch sie schließt eine Weiternutzung des Stadthallensaales aus. „Ein Fortbetrieb ist aus unserer Sicht ein finanzieller Sargnagel“, betonte deren Vorsitzender Roland Fleischer. „Er ist weder für die BWB noch für die Stadt finanziell machbar und sinnvoll.“

Mike Hauschild von der FDP begrüßte hingegen noch einmal ausdrücklich den Vorschlag der Christdemokraten, einen Probebetrieb vorzunehmen. „Es macht ja keinen Sinn auf Einnahmen zu verzichten, wenn es Interessenten für Veranstaltungen in der Krone gibt. Wer die Vermarktung übernimmt, ist noch nicht festgelegt. Es gibt mehrere gute Vorschläge. Fest steht: Ein kurzfristiger Abriss der Krone ist für uns ausgeschlossen.“
Rathaussprecherin Laura Ziegler gab sich eher diplomatisch: „Sollte im August der Kauf des Grundstückes beschlossen werden, wird über die künftige Nutzung des Areals und speziell über den Umgang mit der Krone neu diskutiert.“

Roland Kaiser / 05.07.2018

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