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Landkreis gewährt Prämie für den Wildschweinabschuss

Landkreis gewährt Prämie für den Wildschweinabschuss

Wildschweine bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: auf Nahrungssuche in den Feldern der Region. Wegen der auf dem Vormarsch befindlichen afrikanischen Schweinepest sind manche Gastronomen jedoch skeptisch, den Jägern erlegte Schwarzkittel abzunehmen. Foto: pr

Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Tschechien soll ein Anreiz für die verstärkte Bejagung gesetzt werden.

Görlitz. Wer hätte das gedacht, dass der Abschuss von Wildschweinen im Landkreis Görlitz einmal zum Politikum werden könnte? Doch ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Und so hat sich der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, für alle „im Landkreis erlegten und auf Trichinen untersuchten Wildschweine“ eine Prämie in Höhe von fünf Euro zu zahlen. Für Frischlinge mit einem Lebendgewicht von bis zu 20 Kilogramm soll es sogar zehn Euro geben.

Erforderlich wird diese Maßnahme aus Sicht der Kreisverwaltung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP), die regelmäßig näher an Deutschland heranrücke. „Der letzte Nachweis in der Region Zlin in Südtschechien liegt nur noch etwa 300 Kilometer von unserer Kreisgrenze entfernt“, so Landrat Bernd Lange (CDU). Das Friedrich-Löffler-Institut habe das Risiko eines Übergriffs nach Deutschland im Juli 2017 als „mäßig bis hoch“ bewertet. Eine Verminderung der Populationsdichte von Wildschweinen könne „die Folgen eines Ausbruchs der ASP einschließlich der Einschleppung in Hausschweinbestände“ verringern. Mit den Jagdverbänden sei diese Vorgehensweise abgestimmt.

In den Reihen der Kreisräte herrschte generelle Einigkeit darüber, dass etwas gegen die Afrikanische Schweinepest unternommen werden müsse. Der AFD-Fraktion ging der Vorschlag der Kreisverwaltung allerdings nicht weit genug. „Wir schlagen stattdessen vor, die Gebühr für die Trichinenschau ganz zu erlassen“, so deren Vorsitzender Hans-Gerd Hübner.

Laut Verwaltung ist dies allerdings „rechtlich nicht möglich“ – ein Einwand, den die AFD nicht gelten lässt: „In anderen Landkreisen wird das bereits so gehandhabt.“ Landrat Bernd Lange versichert, dass er dies habe prüfen lassen – „die Widersprüche in den rechtlichen Auffassungen konnten dabei nicht ausgeräumt werden.“
Bei jährlich circa 4000 erlegten Wildschweinen, die der Trichinenuntersuchung zugeführt werden, und unter Berücksichtigung eines Frischlingsanteils von circa sieben Prozent sind für die Prämienzahlung pro Jahr circa 22 000 Euro erforderlich.

Laut Friedrich-Löffler-Institut brach die ASP erstmals 2007 in Georgien aus und verbreitet sich seitdem von dort aus rasant in Richtung Mitteleuropa. 2014 erreichte sie Polen, im Juni 2017 nun auch die tschechische Republik. Das größte Risiko sieht das Institut im „Eintrag über kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Produkte entlang des Fernstraßennetzes.“ Den direkten Kontakt von heimischen mit infizierten Wildschweinen bewertet es als mäßig wahrscheinlich. Ein Impfstoff gegen den Erreger existiert noch nicht, für den Menschen ist er ungefährlich.

Unterdessen sind bereits Anzeichen für Verunsicherung zu bemerken: Detlef Eckert, dem Vorsitzenden des Kreisjagdverbandes Oberlausitz, sind Fälle bekannt, in denen Gastwirte aus Angst vor ASP keine Wildschweine zur Verwertung annehmen wollten.

Der Chef der Jäger in der südlichen Oberlausitz führt dies in erster Linie auf Unwissenheit zurück. Und auf unzureichende Informationen in den Medien. „Die Bevölkerung ist ganz einfach verunsichert, da wollen die Gastwirte nichts falsch machen.“ Eckert stellt jedoch klar, dass Wildfleisch, also auch von den Schweinen, ökologisch sei und völlig unbedenklich verzehrt werden könne. Zudem seien Jäger ausgebildet und geschult und könnten erkennen, wenn sich Tiere unnatürlich benehmen. „Trägt ein Tier tatsächlich den Virus in sich, verendet es nach kurzer Zeit“, stellt Eckert klar. Für die Vermarktung sei indes jeder Jäger selbst zuständig, müsse den Gastwirten das Krankheitsbild und die Ungefährlichkeit für den Menschen eindringlich erklären.

Der Görlitzer Kreistag ist nicht der Erste, der sich mit der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest beschäftigt. So wurden im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen) die Gebühren für die Trichinenbeschau bei Frischlingen abgeschafft.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat einen Notfallplan erarbeitet und die Jäger aufgerufen, mehr Wildschweine zu schießen.
 

Uwe Menschner / 09.10.2017

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Kommentare zum Artikel "Landkreis gewährt Prämie für den Wildschweinabschuss"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Thomas John schrieb am

    Mir erschließt sich nicht, wie eine verstärkte Jagd auf gesunde Wildschweine die Ausbreitung der Krankheit bremsen oder gar verhindern soll. Die Dezimierung von Menschen in Europa vor den Pestepidemien hätte die Verbreitung auch nicht verringert. Da es noch keinen Impfstoff gibt, bleibt doch nur, auf eine Immunreaktion der Tiere zu hoffen. Und dafür scheint es mir besser, die Population nicht zusätzlich zu dezimieren.

    Man könnte natürlich aus Vorsicht auch einfach ALLE Wildschweine Deutschlands töten, dann ist man natürlich absolut sicher vor der Schweinepest.^^

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