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Platz schaffen für neue Fundsachen

Platz schaffen für neue Fundsachen

Dieses grüne Mountainbike in den Händen von Lisa Schäfer wird auch am 9. September versteigert. Im September 2014 kam es als Fundstück ins Rathaus Bischofswerda Foto: kk

 Schnäppchenjäger und alle vergessliche Menschen sollten sich den kommenden Freitag, 9. September, vormerken. Dann werden im Bischofswerdaer Rathaus Fundsachen versteigert.
 
Bischofswerda. Es ist kaum noch Platz auf dem Dachboden des Rathauses in Bischofswerda. Bald jede freie Fläche ist mit Fahrrädern zugestellt. Alle sind offensichtlich gebraucht. Bei einigen fehlt Luft. Andere könnten mal wieder geputzt werden. Eine Aufgabe, die üblicherweise die Besitzer der Räder erledigen.  

An diesem Punkt kommt Lisa Schäfer ins Spiel. Die junge Frau ist Sachbearbeiterin im Bürgerservice der Stadtverwaltung. Sie kennt die Details zu den insgesamt 22 Fahrrädern auf dem Boden, denn jedes ist ein Fundstück. Das grellgrüne Rad in den Händen der 24-Jährigen beispielsweise wurde im September 2014 im Fundbüro abgegeben. Ein Besitzer fand sich nie. Nun wird das Rad gemeinsam mit den anderen in den Jahren 2014 und 2015 abgegebenen Fahrrädern öffentlich versteigert.

Die Räder sind dabei die größten aber nicht unbedingt die interessantesten Gegenstände. Die Liste umfasst weitere 55 Positionen. Darunter sind verschiedene Jacken, Mützen, Brillen samt Etui, ein Ehering, Handys, Sportsachen und sogar Plüschtiere. Wirklich exotisch ist der Quadrokopter, der Anfang vergangenen Jahres im Fundbüro „landete“. „Der Finder berichtete, dass die Drohne noch blinkte, als er sie fand“, sagt Lisa Schäfer. Augenscheinlich ist das Fluggerät in Ordnung und könne wohl auch mit anderen Funkfernsteuerungen bewegt werden.

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Auch dieser Quadrokopter gehört zu den Fundsachen und wird im September versteigert. Foto: Stadtverwaltung Bischofswerda

Rund 130 Gegenstände werden jedes Jahr im Bürgerbüro der Bischofswerdaer Stadtverwaltung abgegeben. Besonders viele Schlüssel sind es nach der Schneeschmelze und in der Freibadsaison. „Weniger als die Hälfte der Schlüssel wird wieder abgeholt“, sagt Lisa Schäfer. Obwohl monatlich eine Liste mit den Fundsachen ausgehängt wird.

Bei Kuscheltieren geht es dagegen schnell. Oft sind es die Eltern der Kinder, die sich hoffnungsvoll ans Fundbüro wenden, ob denn der geliebte Gegenstand aufgetaucht ist.

Bei Handys oder Geldbörsen versuchen die Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro nach Möglichkeit sogar die Besitzer ausfindig zu machen. Mit Ausweisen geht dies natürlich sehr schnell. Bei angeschalteten Telefonen habe man auch schon versucht unter Mama/Papa oder Oma/Opa gespeicherte Nummern anzurufen, um Bescheid zu geben, dass das Handy im Fundbüro liegt.

Exotisch war dagegen ein Wellensittich vor einigen Jahren. „Im Herbst brachte ein junger Mann den Vogel in einer Kiste ins Fundbüro“, erinnert sich Lisa Schäfer. Da alle Fundgegenstände für ein halbes Jahr aufbewahrt werden müssen und der Vogel schlecht im Schrank der Stadtverwaltung sitzen konnte, entschied man, der jungen Mitarbeiterin, die selbst Wellensittiche zu Hause hatte, das Tier zur Pflege mitzugeben. „Ich habe ihn in Obhut genommen, aber es hat sich kein Besitzer gemeldet“, sagt Lisa Schäfer. „Meine Wellensittiche akzeptierten den Neuankömmling und er lebt heute noch bei mir.“ In anderen Fällen werden Fundtiere im Tierheim Bloaschütz abgegeben.

Wer sein Eigentum im Fundbüro abholen möchte, muss mit Kaufbelegen, Fotos oder einer detaillierten Beschreibung beweisen, dass das Ding tatsächlich Seins ist. Passiert es nicht, können die Gegenstände versteigert werden. Die gilt natürlich nicht für Schlüssel, diese werden vom Schlüsseldienst eingeschmolzen und ein Protokoll über die Vernichtung angefertigt. Und aus Portemonnaies und Handys wird zuvor alles Persönliche entfernt.

Vor der Versteigerung legen die Mitarbeiterinnen im Fundbüro ein Mindestgebot für jeden Gegenstand fest. Dieser liegt bei acht bis zwölf Euro für ein Fahrrad. „Üblicherweise geht ein Rad für 20 bis 30 Euro weg“, sagt Lisa Schäfer. Wird bei der Versteigerung das Mindestgebot nicht erreicht, bleiben die Sachen bei der Stadtverwaltung. Kleidung wird an das Sozialkaufhaus weitergegeben, Spielzeug eventuell an die städtischen Kindereinrichtungen und Fahrräder bekamen im vergangenen Jahr die Bewohner des Asylbewerberheims. Das eingenommene Geld wird auf ein Verwahrkonto eingezahlt und nach drei Jahren in den Stadthaushalt übernommen.

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Die Versteigerung hat aber auch einen anderen Zweck. Schrank und Dachboden müssen wieder frei sein, denn eins ist gewiss: Verloren und vergessen wird immer wieder etwas.

Katrin Kunipatz / 07.09.2016

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