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Sanierter Markt soll jetzt belebt werden

Sanierter Markt soll jetzt belebt werden

Der internationale „SAMSmarkt“ ist zweifellos ein belebendes Element für den sanierten Zittauer Marktplatz. Foto: Archiv / IHI

Der Zittauer Marktplatz und der Rathausplatz sind in den vergangenen Jahren umfassend saniert worden. Jetzt geht es darum, diesen aufgewerteten innerstädtischen Bereich zu beleben. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, befragte dazu die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen in Zittau nach ihren Vorstellungen.

Zittau. Rosemarie Hannemann, Vorsitzende der Fraktion SPD/Bündnis 90-Grüne, begrüßt, dass die Cafés schon vor Fertigstellung der gesamten Baumaßnahme begonnen hatten, durch ihre Außengastronomie den Markt zu beleben. Der „SAMSmarkt“ und der Frischemarkt seien gute Ansätze, gerade samstags mehr Leben in die Stadt zu bekommen.

Ihrer Meinung nach hängt die Belebung wesentlich vom privaten Engagement ab: „Wir hoffen dabei auf weitere Initiativen der Vereine ,Lebendige Stadt’ und ,Tradition und Zukunft Zittau’, um den ,SAMS’- und Frischemarkt sowie Feste und Feiern auf dem Markt fortzuführen und zu intensivieren.“

Der künftige Citymanager muss ihrer Auffassung nach eine zentrale Rolle spielen. Aufgabe der Stadt sei es vor allem, mit dem Kulturreferat, dem Marktmeister und der Wirtschaftsförderung diese Aktivitäten zu unterstützen. „Wenn demnächst das Einzelhandelskonzept beraten wird, werden wir uns dafür einsetzen, dass dies nicht nur ein Instrument für die Stadtplanung ist, sondern auch die Diskussion um die Konsequenzen daraus geführt werden. Wir müssen in Zittau nicht alles neu erfinden, sondern können auch Beispiele aus anderen Städten aufgreifen. Und wir sollten uns auch nicht scheuen, fachlichen Rat aus unseren Hochschulen und von außerhalb einzuholen“, sagt sie.

Der schöne Marktplatz ist nach Meinung von Jens Hentschel-Thöricht, Vorsitzender der Fraktion „Die Linke“, zu oft ungenutzt: „Aktivitäten, wie etwa themenbezogene Märkte, sollten dort viel mehr angeboten werden.“ Der Rathausplatz dient seiner Kenntnis nach als Parkmöglichkeit und wird nur bei Großveranstaltungen, wie etwa zum Stadtfest, genutzt.

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„Als ,Linke’ haben wir schon oft angeregt, dass zum Beispiel eine Bühne auf dem Markt steht, auf der sich unter anderem der Stadtchor oder andere Vereine präsentieren können. Wenn am Samstag auf der Bühne der Stadtchor spielt, kommen sicherlich Menschen in die Innenstadt, flanieren und genießen ein Stück Kuchen. Dies kann auch mit entspanntem Einkaufen in der Innenstadt verbunden werden.“

Zum letzten Haushalt hatte „Die Linke“ auch den Antrag eingebracht, dass das Marktwesen personell gestärkt werden soll. „Die Angebote an Märkten sollten ausgebaut werden. Wir denken an einen Frühlings- und Herbstmarkt oder an trinationale, regionale Märkte, zu denen wir tschechische und polnische Handeltreibende gezielt einladen und auch in den Nachbarländern für die Markttage werben.“ Diese Tage seien nicht nur Tage für den Einkauf, sondern gerade auch für ältere Menschen kleine Wochenhöhepunkte, wo sie mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Die Stadt sollte laut Jens Hentschel-Thöricht gemeinsam mit den Handelnden, insbesondere dem Verein „Zittau lebendige Stadt e.V.“, an einem Strang ziehen. „Positive Beispiele, wie das ,Lichterfest’ und der „ ,Bummel-Samstag’, stimmen uns als ,Linke’ zuversichtlich, dass gemeinsam etwas zur Belebung der Innenstadt getan werden kann“, sagt er. Ein weiter optimistisch stimmendes Angebot sei der „SAMSmarkt“. „Vielleicht gibt es auch Fördergelder der EU für trinationale Märkte“, hofft er. Und er fährt fort: „Wichtig ist es, dass wir aktiv handeln. Offene Fragen gilt es, zeitnah zu klären. Was passiert dieses Jahr mit dem Stadtfest? Wie viele Tage findet der Weihnachtsmarkt statt und wie geht es mit dem Frischemarkt weiter? Andere Städte, wie etwa Bautzen, haben Ende Februar für dort stattfindende Märkte Anmeldeschluss. Und die Händler wollen wir gern auf den Märkten in unserer Stadt begrüßen.“

In einer lebhaften und vielschichtigen Diskussion beim Januar-Stammtisch des Vereins „Zittau kann mehr“ e.V. (ZKM) zum Thema „Belebung des Marktplatzes“ wurde deutlich, dass es bereits so einige Aktivitäten auf dem Markt und dem Rathausplatz gibt. Andererseits aber natürlich noch sehr viel „Luft nach oben“ ist. „Es wird zukünftig neben den besonderen Events ein besonderes Augenmerk auf Elemente zu legen sein, die zu einem längeren Verweilen auf dem Markt bzw. Rathausplatz im Alltag einladen. Hier sind noch zu wenige Anreize gesetzt“, sagt Thomas Schwitzky, Vorsitzender der Stadtratsfraktion „Zittau kann mehr“. Der ZKM e.V. sei bereits in der konkreten Organisation von vier Thementagen im April 2017. „An vier Samstagen werden Vereine der Region ein kleines Programm aufführen. Ein buntes Arrangement von Sport über Musik bis hin zu Tieren lädt hoffentlich viele Zittauer ein, auf den Markt zu kommen. Zudem werden wir noch weitere Aktionen auf dem Markt bzw. Rathausplatz durchführen“, sagt er. Diese Aktionen sollen auch von der Überraschung leben.

Die Stadt Zittau steht laut Thomas Schwitzky in Sachen belebter Marktplatz in der Pflicht – und kommt dieser auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach. Viel wichtiger sei aber, dass die Bürger und Händler dieser Stadt sich ihres Marktes annehmen und diesen mit Leben füllen. „Hier ist Bürgerengagement und der unternehmerische Geist unserer Händler gefragt. Wir können keine Belebung von einer Verwaltung anordnen. Dies muss gelebt werden. Und es reicht auch nicht – wie von einigen sehr gern getan – _ immer nur Aktivität von anderen bzw. von der Stadt zu fordern. Wer das tut, drückt sich vor seiner eigenen Verantwortung“, sagt er. Kosten würden natürlich immer eine Rolle spielen. „Gerade hier wurde aber bei unserem Stammtisch deutlich, dass es nicht immer um Geld geht. Vielmehr geht es um Kreativität und noch viel mehr um persönliches Engagement“, betont er.

Thomas Schwitzky ist sich sicher: „Je schneller der Markt belebt wird, um so besser ist dies natürlich. Ich warne aber hier vor der gerade in Zittau gern getätigten ,Schwarzmalerei’.“ Weder sei alles völlig schlecht, noch gebe es keine Möglichkeiten, um die Attraktivität von Markt und Rathausplatz zu steigern. „Die Belebung wird sehr schnell kommen – wenn jeder seinen eigenen Beitrag leistet und nicht nur immer anmahnt, dass doch etwas passieren möge“, meint er.

Die Belebung des Zittauer Marktes ist laut Thomas Krusekopf, Vorsitzender der Fraktion von FUW/FBZ/FDP, gleichzusetzen mit der Belebung der Innenstadt: „Wir bemühen uns seit längerem darum, dies immer wieder in den Fokus der Betrachtung zu rücken.“ Gewerbetreibende und Gastronomieunternehmen seien dazu wichtige, unverzichtbare Partner. „Unsere Fraktion hat sich im vergangenen Jahr bereits an der Erarbeitung der neuen Parkgebührenordnung federführend beteiligt und dabei, wie ich meine erfolgreich, Regelungen für mehr Gäste- und Kundenfreundlichkeit eingebracht“, sagt er. Die Belebung der Innenstadt sei aber auch eines der Ziele, „die wir mit dem bereits im Stadtrat Februar 2016 eingebrachten Beschluss zum Umzug der Ämter des Technischen Rathauses verfolgen.Außerdem haben wir mit unserem Beschlussantrag zur Erarbeitung eines Planes zur Organisation und Durchführung kultureller Höhepunkte in der Stadt bezweckt, dass es seitens der Verwaltung eine Einigung mit dem Stadtrat darüber gibt, welche kulturellen Höhepunkte wichtig sind, auch und vor allem zur Belebung der Innenstadt. Die Aufstellung erfolgt wohl – eine Diskussion zur Gewichtung einzelner Aktivitäten gibt es nach wie vor nicht.“

Als ersten Ansatz plädiert die Fraktion FUW/FBZ/FDP ebenso wie die Fraktion „Die Link“ dafür, dem Marktmeister eine halbe Personalstelle zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Dies vor dem Hintergrund, den „SAMSmarkt“ und Frischemarkt nach Auslaufen des IHI-Projektes als guten Ansatz nicht versanden zu lassen. Darüber hinaus sollten regelmäßige Aktivitäten am Markt, egal ob mit sportlichem, Vereins-, oder Marktaktivitäten verbunden, platziert werden. „Leider wurde dieser Ansatz seitens der Verwaltung nicht aufgegriffen“, bedauert er.

Überlegenswert könnte laut Thomas Krusekopf auch der Ansatz sein, das Stadtfest aller zwei Jahre durchzuführen und damit Ressourcen für kleinteilige, abwechslungsreiche, zeitlich gestreckte Veranstaltungen und Aktivitäten zu gewinnen und trotz knapper öffentlicher Kassen, Menschen für „Ihre“ Innenstadt noch stärker zu begeistern.

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Der Zittauer Markt und der Rathausplatz sind in den vergangenen Jaren einer umfangreichen Verjüngungskur unterzogen worden.

Foto: Steffen Linke/Archiv

„Mit dem aktuellen Zustand sind wir natürlich nicht zufrieden, wobei wir den Rathausplatz aus der Betrachtung nehmen können, da er definitiv Parkplatz ist. Wir wollen uns gern an der Diskussion zur Belebung beteiligen. Wir warten aber bisher vergeblich auf umsetzbare Vorschläge der professionellen Marketing-Strategen aus der Verwaltung wie der Wirtschaftsförderung“, sagt Andreas Johne, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion. Die Belebung des Marktes sei aber mehr als ein täglicher Jahrmarkt und werde auch Geld kosten. „Wenn Markttag ist, bedarf es keiner Belebung, da der Wochenmarkt die Stadt ja schon belebt. Alle warten scheinbar auf den mit Fördermitteln beantragten City-Manager. Auch wir als Fraktion können diesen und auch das professionelle Stadtmarketing nicht ersetzen. Initiativen erhoffen wir uns vor allem von denen, die davon wirtschaftlich profitieren sollen – und wir werden diese auch unterstützen“, sagt er. Die Initiatoren des Bürgerentscheides für einen völlig autofreien Markt hätten immer davon gesprochen, was „man“ alles machen könnte. Diese Damen und Herren sind jetzt laut Andreas Johne am Zug, realisierbare und finanzierbare Vorschläge zu machen: „Wir möchten diesen nicht vorgreifen. Ideen haben wir natürlich auch. Man denke da an die Institutionen, die uns viel Geld kosten wie Musikschulen, Theater, Hillersche Villa, Tierpark oder Vereine und Interessengruppen. Da alles zur Zeit unter dem Finanzierungsvorbehalt steht, lohnt eine Debatte darüber erst mit Vorlage eines Haushaltes.“ Andreas Johne sieht die Stadt in Bezug auf einen belebten Marktplatz sicher nicht unbedingt in der Pflicht: „Eine Verantwortung zur Verbesserung der Attraktivität der Innenstadt besteht aber schon.“ Und er fährt fort: „Eine hohe Besucherfrequenz hilft denen, die mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Dazu gehören auch die Händler und Vermieter.“

Die anfallenden Kosten für mehr Leben in der Innenstadt spielen seiner Meinung nach eine nicht unerhebliche Rolle: „Da wir in der Stadt Zittau noch keinen genehmigungsfähigen Haushalt haben, ist das natürlich Kaffeesatz lesen. Vielleicht ist es ja auch möglich, über den Verein ,Lebendige Stadt’ aktiv zu werden. Ein City-Manager sollte dabei der Dreh- und Angelpunkt sein. Aber auf den warten wir ja schon eine ganze Weile.“

Seiner Auffassung nach muss es ganz schnell gehen, den Markt zu beleben: „Einen Plan dafür müsste es jetzt schon geben, bevor die Saison beginnt.“

Steffen Linke / 24.01.2017

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Kommentare zum Artikel "Sanierter Markt soll jetzt belebt werden"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Gert W. Knop schrieb am

    Ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich bereits - auch OB Zenker - darauf hinwies, dass es unmöglich ist, dass die meisten Geschäfte in der Innenstadt bereits samstags um 12 Uhr schließen. Im Gespräch zahlreicher Besucher Zittaus musste ich immer wieder feststellen, wie enttäuscht sie waren, weil nur noch Restaurants und Cafés am Samstag geöffnet waren. So lässt sich natürlich keine Innenstadt beleben. Auch ein freies Parken an Samstagen macht nur Sinn, wenn es sich für die Besucher Zittaus auch lohnt, Geschäfte zu besuchen. Hier ist ganz dringend eine Reform der Ladenschlusszeiten notwendig. Auch wies ich ebenfalls bereits viele Male darauf hin, samstags einen Regionalmarkt (Drei-Länder-Markt) fest auf dem Markt zu etablieren, mit landwirtschaftlichen Produkten der Region. Weiterhin wäre es für Zittauer Bürger und Besucher wünschenswert, die Fleischbänke permanent wieder zu beleben. Hier liegt noch sehr viel im Argen.

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