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Schließung doch 
nicht alternativlos?

Schließung doch 
nicht alternativlos?

Zwei Herren, die sich etwas zu sagen hatten: Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (li.) und Reiner E. Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken.

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Das Krankenhaus Bischofswerda im goldenen Licht der Abendsonne, aber vor grauem Himmel: Was wird sich in Bezug auf die Frauen- und Geburtsklinik durchsetzen?

Die Bürgerversammlung zur Zukunft der Bischofswerdaer Frauenklinik hinterlässt einen Hoffnungsschimmer. Mehr allerdings (noch) nicht.

Bischofswerda. „Wir können hier nicht ohne ein Ergebnis auseinandergehen.“ Der FDP-Stadtrat Karl-Heinz John war es, der dem Abend die letzte und vielleicht entscheidende Wendung gab. Er forderte, „die Entscheidung zur Schließung der Frauenklinik um ein Jahr auszusetzen und in dieser Zeit zu versuchen, Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden.“ Der Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken GmbH (OLK), Reiner E. Rogowski, versprach, „diesen Vorschlag in den Gremien zu diskutieren“, ohne aber weiter gehende Zusagen zu machen. Zuvor hatte der voll besetzte Große Saal des Bischofswerdaer Rathauses eine zweistündige intensive Diskussion erlebt über das Thema, welches Bischofswerda und die die Stadt umgebende Region derzeit am meisten bewegt: Die für den Beginn des kommenden Jahres angekündigte Schließung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am hiesigen Krankenhausstandort. Wie stark dieses Vorhaben die Stadtgesellschaft bewegt, macht eine Zahl besonders deutlich: Innerhalb von vier Tagen sammelte der Wirtschaftsförderverein Bischofswerda fast 3700 Unterschriften gegen die Schließung – eine Leistung, die überregional rekordverdächtig sein dürfte.
Dabei freuen sich weder der Klinikumschef noch der zuständige Geschäftsbereichsleiter im Landratsamt, Mathias Bielich, über die getroffene Entscheidung. „Doch ich habe einfach nicht genügend Personal, um beide Frauenkliniken in Bautzen und in Bischofswerda aufrecht zu erhalten“, wie Reiner E. Rogowski ein ums andere Mal deutlich machte. Die getroffenen Maßnahmen zur Personalgewinnung – der Geschäftsführer bezeichnet sie selbst als „Kannibalisieren“ – richten sich besonders auf das ost- und südeuropäische Ausland und sind nicht geeignet, das Problem kurzfristig zu lösen. Jeweils fünf Fachärzte und Hebammen, so Rogowski, benötigt er, um den Betrieb an beiden Standorten so fortzuführen, „dass die Gesundheit der Mütter und Kinder nicht gefährdet ist.“

Nun machte die – angesichts der Emotionalität des Themas erfreulich sachlich geführte – Diskussion aber auch deutlich, dass es durchaus gute Argumente gegen die Schließung gibt. Beispielsweise die Frage, ob denn die circa 400 Mütter, die pro Jahr in Bischofswerda entbunden haben, tatsächlich ab 2018 nach Bautzen gehen. Oder nicht doch gleich nach Dresden oder auch nach Kamenz. Derselbe Vorbehalt gilt auch für das in Bischofswerda beschäftigte Fachpersonal.

Von einer Sogwirkung der Bischofswerdaer Klinik in Richtung Sebnitz/Neustadt war die Rede, die durch die Schließung der Sebnitzer Geburtsklinik hervorgerufen wurde und Bischofswerda weiteren Zulauf beschert: „Die Mütter aus dieser Region werden bestimmt nicht nach Bautzen gehen.“ Und schließlich auch die Frage nach der Versorgungssicherheit der Mütter in Gemeinden wie Großharthau oder Frankenthal, die 40 Kilometer von der nächsten Geburtsklinik entfernt wären: „Stellt das keine Gefährdung dar?“

Dass die Hauptschuldigen an der Personalmisere im Gesundheitswesen nicht in Bautzen sitzen, war den meisten Diskutanten auch klar. Was sie Klinikleitung und Landratsamt jedoch vorwerfen, ist die misslungene Informationspolitik, welche die Stadtgesellschaft vor vollendete Tatsachen zu stellen versuchte. „Warum laufen solche Prozesse nicht demokratisch ab?“, war eine wiederholt gestellte Frage. Die Antwort gab Mathias Bielich: Der Kreistag habe die entsprechenden Entscheidungsbefugnisse an die Gremien der OLK übertragen. Und diese sind der Öffentlichkeit gegenüber nicht im gleichen Maße Rechenschaft schuldig wie ein Kreistag oder ein Stadtrat.
„Dies kann, die entsprechenden Mehrheiten vorausgesetzt, durch den Kreistag geändert werden“, so der Bereichsleiter. Als „Lektion in Sachen Bürgerwillen“ bezeichnete Reiner E. Rogowski die Veranstaltung in seinem Schlusswort. Als wenig bedeutungsvoll betrachtet er die von Oberbürgermeister Holm Große als Erfolg gepriesene „zwanzigjährige Bestandsgarantie“ für das Bischofswerdaer Krankenhaus, da dessen Ende ohnehin nicht zur Debatte stehe: „Wir haben 40 Millionen Euro in das hiesige Krankenhaus investiert. Das macht man nicht, wenn man vorhat, es zu schließen.“

 

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Uwe Menschner / 04.11.2017

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