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Schrille Weihnachten mit Maria Crohn

Schrille Weihnachten mit Maria Crohn

Die Besucher können sich auf eine schrille Weihnachtsshow mit „Maria Crohn & Friends“ in der Messe- und Veranstaltungshalle Löbau freuen. | Foto: Veranstalter

Die Besucher können am Samstag, 26. November, um 19.30 Uhr, das Festival der Travestie „Die große Weihnachtsshow – Maria Crohn & Friends“ in der Messe- und Veranstaltungshalle Löbau erleben. Unser Redakteur Steffen Linke unterhielt sich dazu im Vorfeld mit Maria Crohn alias Michael Koch.

Frau Crohn, mit Ihrer Weihnachtsshow in der Löbauer Eventhalle stimmen Sie schon Ende November die Besucher auf Weihnachten ein. Ist das nicht ein bisschen zeitig?

Maria Crohn: Wir machen das halt etwas eher, weil Weihnachten immer so plötzlich kommt. Wir stimmen mit unserer Show auf unsere ganz eigene Art und Weise die Besucher darauf ein – ein bisschen flotter und stellenweise auch etwas besinnlich.

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Wie weihnachtlich wird es bei der Show in der Messe- und Veranstaltungshalle Löbau zugehen?

Maria Crohn: Wir werden den Besuchern einen Mix präsentieren. Darin werden klassische Travestieelemente und Titel vorkommen, aber auch viele bekannte Weihnachtslieder und -melodien in Versionen, die das Publikum so höchstwahrscheinlich noch nie gehört hat. Wir haben daran schon Veränderungen vorgenommen, um das Programm interessant und spannend zu gestalten, nicht dass die Menschen immer das gleiche hören wie bei der Musikberieselung im Supermarkt.

Wann stellen sich bei Ihnen privat die ersten Weihnachtsgefühle ein?

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Maria Crohn: Das ist bei mir ziemlich verrückt, weil ich die Weihnachtsshows und die Musikauswahl im Frühjahr bzw. spätestens im Sommer vorbereite bzw. treffe. Meine Nachbarn halten mich für ein bisschen bekloppt, weil ich in dieser Zeit auf der Terrasse sitze und mich mit Weihnachtsliedern beschäftige. Denn sie können nicht nachvollziehen, warum ich das mache. Ich fühle jedenfalls tatsächlich im Frühjahr schon die ersten weihnachtlichen Stimmungen.

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Das Markenzeichen von Maria Crohn sind ihre schillernden Kostüme auf der Bühne. | Foto: Veranstalter

Seit 1990 verleihen Sie als Mann hinter der Frau in Person von Michael Koch Maria Crohn Form und Gestalt. Wie sind Sie damals dazu gekommen?

Maria Crohn: Eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. Meine beste Freundin hatte mir eine Karte für eine Travestieshow besorgt. Bis dahin wusste ich gar nicht, um was es da geht. Ich bin eigentlich nur aus Höflichkeit mitgegangen. Ich habe im Publikum gesessen, zugeschaut und bin bei einer Aktion mit auf die Bühne geholt worden. Mir gefiel diese bunte Theaterwelt und ich bin dann auf Umwegen dazu gekommen.

Wollten Sie eigentlich im echten Leben auch immer eine Frau sein?

Maria Crohn: Nein. Mir geht es nur um den schauspielerischen Aspekt. Ich schlüpfe für diesen Beruf in die Rolle. Anschießend bin ich froh, wenn ich aus den Sachen wieder raus bin und bewundere jede Frau, die die ganze Nacht auf High Heels durchtanzen kann. Ich kann das nicht, sondern nur in der Zeit auf der Bühne.

Was hat Sie gereizt, künstlerisch in die Rolle einer Frau zu schlüpfen?

Maria Crohn: Das Spiel mit den Geschlechterrollen. Ich kann in Gestalt von Maria Crohn ganz andere Dinge auf der Bühne sagen, wie ich es als Mann könnte.

Haben Sie für Ihre künstlerische Travestie-Laufbahn direkt eine Ausbildung genossen? Oder wer hat Ihnen das beigebracht?

Maria Crohn: Der Travestiekünstler an sich ist in Deutschland und wohl auch weltweit kein Ausbildungsberuf. Ich habe vorweg eine Schauspiel- und Gesangsausbildung genossen. Das ist sehr förderlich gewesen, weil Travestie eine Form von Theaterspiel ist.

Auf was kommt es in der Travestie ganz konkret an?

Maria Crohn: Man muss in der Lage sein, die Besucher gut zu unterhalten, sie mitzunehmen auf die Reise ähnlich wie im Entertainment oder Schlagerbereich. Wir entführen das Publikum in eine andere Welt. Wenn wir es schaffen, dass die Zuschauer für zwei Stunden ihren Alltag vergessen können, haben wir unseren Job gut gemacht.

Sie arbeiten schon viele Jahre in dieser Branche. Wenn Sie sich an Ihre Anfänge erinnern: Wie kam die Travestie Anfang der 90er Jahre an? War das gleich ein Volltreffer? Oder musste diese Form von Kunst erst einmal wachsen?

Maria Crohn: Unsere Wegbereiter in den 80er Jahren Mary und Gordy, das damals bekannteste deutsche Travestieduo, dargestellt von Georg Preuße und Reiner Kohler, haben die Travestie salonfähig gemacht und aus der Rotlichtecke herausgeholt.
In den ersten Fernsehshows in diese Richtung haben die Zuschauer an den Bildschirmen gesehen, dass Travestie eine Form von Theater ist und nichts mit Schmuddel zu tun. Deshalb hatte ich, als ich damals damit anfing, einen guten Zeitpunkt getroffen, sodass die Akzeptanz und Toleranz dieser Kunstform in der Bevölkerung schon ganz gut war. Das ist dann auch immer weiter gewachsen. Die nächste Generation besucht jetzt auch schon diese Shows. Das macht mir Mut für die Zukunft.

Gab es für Sie einen direkten Durchbruch?

Maria Crohn: Eigentlich nicht. Es hat sich nach und nach entwickelt. Wir treten jetzt über das ganze Jahr hinweg bei 120 Veranstaltungen auf.
Die Veranstaltungshallen sind größer geworden. Es wächst sozusagen häppchenweise.

Sie präsentieren Ihre Shows mit sehr schrillen Kostümen. Sind die eigens für Sie angefertigt worden? Oder wo besorgen Sie sich diese her?

Maria Crohn: Die Kostüme werden eigens für mich angefertigt, weil das Auge auch mitisst. Die Travestie lebt auch von großen Kostümen. Wir müssen große Veranstaltungshallen wie zum Beispiel in Löbau gut ausfüllen.
Eine meiner Kostümbildnerinnen in Nordrhein- Westfalen entwickelt zum Beispiel auch Kostüme für den Zirkus Charles Knie. Andere Kostüme beziehe ich aus Madrid und Barcelona.

Wie viel Kostüme bewahren Sie denn für Ihre Auftritte auf?

Maria Crohn: Wenn wir auf Tournee gehen, nehmen wir im Lkw für die Show mit fünf Künstlern circa 50 bis 55 Kostüme mit. Im Lager befinden sich aktuell etwa 400 Kostüme. Wir sind vor kurzem in neue Geschäftsräume umgezogen, damit wir ausreichend Platz dafür haben.

Wie lange dauert es, bis Sie sich in Maria Crohn verwandeln?

Maria Crohn: Innerhalb von zwei Stunden lege ich Kostüm und Maske an. Darum kümmere ich mich ganz allein. Jeder Travestiekünstler hat seinen eigenen Stil.

Schwitzen Sie nicht bei Ihren Vorstellungen unter den Kostümen?

Maria Crohn: Ich schwitze sogar sehr. Die Kostüme sind nach der Optik und nicht nach Bequemlichkeit angefertigt worden. Gerade im Sommer ist es eine schweißtreibende Angelegenheit. Ich habe aber hinter der Bühne immer Badehandtücher liegen.

Sie sind also am Ende der Vorstellung froh, wenn Sie Ihr Kostüm wieder ablegen können?

Maria Crohn: Definitiv. Ich bin dann auch froh, wenn ich wieder Privatperson bin.

Wie leben Sie privat?

Maria Crohn: Sehr zurückgezogen, da ich soviel im Jahr unterwegs bin. Beruflich liebe ich zwar diese Glitzerwelt. Zu Hause bin ich dann aber froh, wenn ich mich im Garten beschäftigen kann und meine Ruhe habe oder neue Showkonzepte ausbrüten und neue Texte schreiben kann.
Die Privatperson Michael Koch hat nicht viel mit der schillernden Maria Crohn auf der Bühne gemein.
Zum Leben brauche ich aber beide Seiten.

Und welche Anzugsordnung bevorzugen Sie im normalen Leben?

Maria Crohn: Eigentlich T-Shirt und Jogginghose. Ich mag es privat gern eher locker und ungezwungen.
 

Karten für diese Veranstaltung gibt es im Vorverkauf im Ladenlokal der Geschäftsstelle des „Oberlausitzer Kurier“, in 02625 Bautzen, Karl-Marx-Straße 4, und im Ticketshop unter www.ALLES-LAUSITZ.de

Redaktion / 17.11.2016

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