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Theater droht die Insolvenz

Theater droht die Insolvenz

Das fachlich und sachlich zuständige Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst wurde gebeten, innerhalb der nächsten Wochen ein entsprechend zukunftsfestes Konzept für das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau vorzulegen. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Ohne neuen Haustarifvertrag ab August steigen die Personalkosten am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau um 1,3 Millionen Euro. Doch auch der Tarif selbst wird teuer.

Görlitz/Zittau. Der Verein „Freunde des Zittauer Theaters e.V.“ macht sich Sorgen. In einem an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und die Landtagsfraktionen gerichteten Brief schreibt er: „Wie Ihnen bekannt ist, stehen nun am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau – wie in anderen Spielstätten auch – nach Auslaufen des Haustarifvertrages die Tarifverhandlungen an.
Seit vielen Jahren arbeiten die Künstler und Mitarbeiter weit unter dem regulären Tarif und bereiten dennoch den Zuschauern immer wieder eindrückliche und glückliche Stunden im Theater.“ Und weiter: „Es ist zu befürchten, dass die unserem Theater zur Verfügung stehenden Mittel nicht reichen werden, um die höheren Tarifforderungen aus dem jetzigen Theaterhaushalt ausreichend finanzieren zu können. Somit würden weitere Einsparungen notwendig, die für einzelne Sparten oder gar für die gesamte Theater GmbH das Aus bedeuten könnten.“
Der kulturpolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Franz Sodann, teilt diese Befürchtungen: „Die Misere an den Theatern und Orchestern dieses Landes ist Folge eines jahrelangen Stillstandes bei der Weiterentwicklung des Kulturraumgesetzes.“ Auch die jetzt vom Landtag beschlossene Novellierung, so Sodann, werde daran nichts ändern. Und sein Görlitzer Fraktionskollege Mirko Schultze ergänzt: „Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau wird der Mangel zum Normalzustand und alle Bemühungen der langfristigen Sicherung zur Makulatur.“
Laut dem Intendanten des Theaters, Klaus Arauner, läuft der derzeit geltende Haustarifvertrag im Juli aus, ab August muss ein neuer Vertrag stehen. „Daraus resultierende weitere Personalkostensteigerungen werden, wie in den Jahren 2017 und 2018, nicht durch die Gesellschaft kompensiert werden können“, stellt Arauner im Jahresabschluss der Theatergesellschaft für 2016 fest. Noch schlimmer wären allerdings die Folgen, wenn es nicht zum Abschluss eines neuen Haustarifvertrages kommt: Dann würden alle Mitarbeiter in den deutschlandweit geltenden Tarif zurückfallen und die jährlichen Personalkosten um etwa 1,3 Millionen Euro steigen. Eine Insolvenz wäre die Folge.
Und was sagt nun der Ministerpräsident, der ja selbst Görlitzer ist?
„Ich kann Ihnen versichern, dass parteiübergreifend Regierung und Sächsischer Landtag das Ziel verbindet, mit den vorhandenen finanziellen Ressourcen die Einrichtungen im Bereich Kunst und Kultur verantwortungsvoll, vernünftig und nachhaltig zu sichern“, lässt er seinen Büroleiter Marcus Franke auf den Brief der Theaterfreunde antworten. Und weiter: „Das fachlich und sachlich zuständige Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst wurde gebeten, innerhalb der nächsten Wochen ein entsprechend zukunftsfestes Konzept vorzulegen.“ Konkreter wird die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Hanka Kliese: „Ich war sehr froh, dass es gelungen ist, fünf Millionen Euro mehr für die Kulturräume zu erstreiten sowie Investitionsmittel im Haushalt einzustellen.“
Deshalb habe sie, so Kliese, die Nachricht von der drohenden Insolvenz des Görlitz/Zittauer Theaters überrascht: „Die Mittelerhöhungen scheinen einerseits nicht entsprechend anzukommen, andererseits gehe ich davon aus, dass die Lücke, welche nunmehr zwischen Flächen- und Haustarif klafft, nicht allein durch eine solche Erhöhung zu schließen sein wird.“ Kliese will auf eine weitere Erhöhung der Mittel drängen und sich für eine „Notfallhilfe“ für akut bedrohte Theater stark machen.

Uwe Menschner / 01.04.2018

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Kommentare zum Artikel "Theater droht die Insolvenz"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Hans-Peter Bauer schrieb am

    Sachsen erhält 42,5 Prozent der Einkommenssteuer, da eröffnen sich hochinteressante Spielräume für einen Ausgleich von fünfundzwanzig Jahren Ungerechtigkeit. Hier wohnen zwei Drittel der Wähler. Ich bin gespannt, ob wenigstens eine der im Landtag derzeit vertretenen Parteien ein adäquates Programm für diese überwiegende Mehrheit ihrer Wähler zustande bringen wird. Das Argument: „Das Geld ist knapp“ darf nicht zur Geltung kommen. Der Freistaat hat ausreichende Einkünfte, die eine Erhöhung der Rückflussmenge der Wissenschafts- und Kunstmittel statt der bisherigen 2%, auf 4 - 4,5 % in die kulturellen Einrichtungen des Landkreises möglich machen sollte. Dann saniert endlich die Stadthalle und übergebt sie bedingungslos als 3. Spielstätte der Theater GmbH mit der Maßgabe, sie zum Sitz der Neuen Lausitzer Philharmonie zu machen. Die Kunst hat über die Jahrhunderte Mehrwert geschaffen, man muss ihr nur die Chancen dazu einräumen und eine davon ist die Stadthalle im Rahmen der "Vereinigten Bühnen Görlitz/Zittau"

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