Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Vor 80 Jahren trafen sich die 102er in der Stadt Zittau

Vor 80 Jahren trafen sich die 102er in der Stadt Zittau

Das 102er-Denkmal in Zittau erinnert an die Angehörigen des alten Regiments des ehemaligen Königlich-Sächsischen 3. Infanterie-Regiments Nr.102 „König Ludwig III. von Bayern.“ Foto: Sammlung Uwe Preuß

„Willkommen in Zittau, 102er!“ Mit diesem herzlichen Gruß in der Festzeitschrift empfing die Garnisonsstadt Zittau zur Wiedersehensfeier, die auch gleichzeitig das 700-jährige Stadtjubiläum beging, vor 80 Jahren, vom 9. bis 11. Juli 1938, die Angehörigen des alten Regiments des ehemaligen Königlich-Sächsischen 3. Infanterie-Regiments Nr.102 „König Ludwig III. von Bayern.“

Zittau. Weiter hieß es: „Wir alten 102er waren einst Soldaten des Zittauer Garnisons-Regimentes. Wir blieben es auch Zeit unseres Lebens, obwohl wir in der Mehrzahl längst die Uniform mit dem Anzug vertauscht und das Schicksal uns weit über Sachsen und Deutschlands Grenzen verstreute. Wir fühlen uns für immer verbunden und auch hingezogen zueinander und nach Zittau, in unsere vertraute Mandaukaserne.“ Sponsor der Festzeitschrift war unter anderem die Papier- und Schreibwarenhandlung Reinhold Menzel (gegründet 1876) Reichenberger Straße 39, die als Spezialität Tüten und Beutel aller Art anbot. Der damalige Inhaber Paul Menzel (1944 gestorben) war selbst Angehöriger der 102er im ehemaligen Regimentstab. Manfred Fiebiger, der Enkel als heutiger Inhaber, ist nach 142 Jahren immer noch unter der gleichen Adresse als Papier- und Schreibwarenhandlung zu finden. Nach wochenlangen Vorbereitungen stand die Wiedersehensfeier damals fest. Die Anmeldung von über 3.000 auswärtigen Teilnehmern war sehr groß, sodass die Standquartiere „Stadt Rumburg“, „Braustübel“, die „Bierstuben der Brauerei Robert Jentsch“ (Forsthaus Nr.7), das Hotel „Drei Kronen“ an der Weberkirche, die „Burgteich-Gaststätte“ im Westpark, das Hotel „Goldener Stern“ auf der Neustadt, der „Alberthof“, Ecke Albert, Böhmische Straße, das „Deutsche Haus“ am Mandauer Berg, der Gasthof „Stadt Görlitz“, das Hotel „Weißer Engel“ am Markt, das „Schützenhaus“ auf dem gleichnamigen Platz, „Hütters Hotel“ und die Gaststätte „Am Grünen Ring“ ausgebucht waren. Das Zittauer Stadtmuseum veranstaltete zu diesem Treffen eine Sonderausstellung.

Der Samstag begann 9.00 Uhr mit dem Schmücken der Ehrenmäler, auch des 242er an der Klosterkirche. Aus dem Armeemuseum in Dresden, in dem sie aufbewahrt wurden, kamen die drei alten Bataillons-Fahnen nach Zittau. Fahnenträger nahmen sie um 15.30 Uhr am Bahnhof in Empfang. Der Festakt startete um 16.00 Uhr am Ehrenmal der 102er an der ehemaligen Staatsbauschule. Bis hinauf zu den Stufen des Theaters standen die Zuschauer dicht beieinander. Danach verlegte sich das Geschehen in die Weinau, wo um 20.45 Uhr der Zapfenstreich stattfand, den viele Zittauer mit verfolgten.

Anschließend gab es ein fröhliches Beisammensein beim Kameradschaftsabend in den Standquartieren. Auch zur gemütlichen Unterhaltung im Konzerthaus „Sandler-Bräu“, dem früheren „Bayrischen Hof“ am Markt, traf man sich. Das „Klosterstübel“ in der Johannisstraße warb im Spezialausschank mit Münchner Matthäser-Bräu und dem Pilsner Urquell, das regen Zuspruch an dem Abend fand.

Der Sonntag begann pünktlich genau 7.00 Uhr mit militärischem Wecken. Viele der einstigen 102er wurden erst durch die Trommeln und Pauken geweckt, die laut durch die Hauptstraßen der Stadt zogen, denn das Treffen am Vorabend, ging bei vielen von ihnen bis in die frühen Morgenstunden.

Zur Parade um 10.00 Uhr auf dem Hof der „König-Ludwig-Kaserne“ (heute Technisches Rathaus) traten die einzelnen Kompanien der ehemaligen 102er in drei Blocks an. Nach dem Abschreiten der Front hielt Oberstleutnant a. D. Baumfelder, der letzte Kommandeur der 102er, eine herzliche Begrüßungsansprache. Am Nachmittag erfolgten militärische Vorführungen, Reitübungen, Kasernen-Besichtigung und ein Platzkonzert. Auch dieser Abend wurde mit Kameradschaftstreffen in den Kompaniestandquartieren verbracht.
Der Montag klang mit Ausflügen ins Zittauer Gebirge und Autorundfahrten in die nähere Umgebung aus. Bei der Trennung war man sich einig: „Auf Wiedersehen, Kamerad!“ Keiner wird einen Gedanken daran verschwendet haben, dass dies das letzte Treffen sein sollte, denn die europäische Geschichte steuerte schon auf die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hin.

Frank Brandt / 12.07.2018

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel