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16-Jähriger mit 260 km/h im Seitenwagen

16-Jähriger mit 260 km/h im Seitenwagen

Lennard Göttlich (links) und Uwe Neubert wurden in diesem Jahr Meister in der Internationalen Sidecar-Trophy.  Foto: Thorsten Horn

Eibau. „Mit diesem großartigen Erfolg hat wirklich niemand von uns gerechnet. Ich saß vor circa einem Jahr das erste Mal in einem Sidecar – und hatte im März dieses Jahres in Frankreich überhaupt die erste Möglichkeit, mal eine ganze Woche intensiv zu trainieren“, berichtet er.

Lennard fuhr dabei von Anfang an mit Uwe Neubert, der schon seit vielen Jahren im Motorsport aktiv ist, früher im Automobilbereich und später dann als Beifahrer im Seitenwagen.

Die International Sidecar-Trophy ist der „Nachfolger“ des Sidecar-Eurocups – der Europameisterschaft. Eigentlich waren sieben Veranstaltungen mit je zwei bis drei Rennen geplant.

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Wenn Lennard Göttlich (vorn) und Uwe Neubert auf der Piste sind, geht im wahrsten Sinne die Post ab. Foto: Thorsten Horn

Aufgrund der Corona-Pandemie sind aber nur fünf Veranstaltungen ausgetragen worden – in Rijeka (Kroatien), am Nürburgring (Deutschland), auf dem Autodrom in Most (Tschechien), auf dem Red Bull Ring (Österreich) und in der Motorsportarena Oschersleben (Deutschland).

Die Rennen in Brno (Tschechien) und am Schleizer Dreieck (Deutschland) seien abgesagt worden, erzählt er.
Je nach Veranstaltung starteten zwischen  20 und 30 Teams. Bei zwei Wertungen – 600ccm und 1.000ccm. Lennard Göttlich und Uwe Neubert mischten quasi die 600er-Klasse auf. In der Regel gibt es ein freies Training am Freitag, zwei Qualifyings und ein Sprintrennen am Samstag sowie ein Warm-Up und das Hauptrennen am Sonntag. In Kroatien und in Österreich fand jeweils noch ein „Supersprint-Rennen“ statt. Dadurch konnte man bei diesen beiden Veranstaltungen 62,5 statt wie normal 50 Meisterschaftspunkte pro Wochenende holen.
Die zwei Klassen 600ccm und 1.000ccm fahren zusammen und starten auch nach dem Ergebnis des Qualifyings. Das führt manchmal dazu, dass mal Teams aus den verschiedenen Klassen in der Startaufstellung nebeneinanderstehen oder im Rennen gegeneinander kämpfen, erklärt er.

Lennard Göttlich und Uwe Neubert erreichen mit ihrem circa 140 PS ausgestatteten Gefährt mit einem Motor Yamaha R6 und einem Chassis ARS Höchstgeschwindigkeiten von circa 260 bis 270 Kilometer pro Stunde, wenn die Gerade lang genug ist. Ein Seitenwagen, Sidecar oder Gespann sei im Prinzip weder mit einem Motorrad noch mit einem Auto zu vergleichen. „Darin ist zwar ein Motorrad-Motor verbaut, aber durch die breiten Reifen, die Kurvengeschwindigkeiten und durch die größere Auflagefläche geht die Tendenz mehr in Richtung Auto“, meint er.
Ein Rennen ist eigentlich für Lennard Göttlich immer besser als ein Qualifying, „da es mir schwerer fällt, eine einzelne schnelle Runde zu fahren, als eine ganze Renndistanz konstant zu fahren. Wir müssen schon aufpassen, was die anderen Fahrer machen, weil manchmal für mich die Logik hinter dem ein oder anderen Manöver eines anderen Fahrers nicht so zu erkennen ist. Bei den Sidecars geht es auf der Strecke allgemein etwas wilder als bei den Motorrädern zu.“

Lennard Göttlich wollte schon immer Sidecar fahren und damit seinem Opa nacheifern, der früher zum Beispiel den Eurocup, also den Vorgänger der Sidecar-Trophy, gewonnen hat und in der „FIM SUPERSIDE“, der Seitenwagen-Weltmeisterschaft, deutscher Vizemeister war.

Der Schüler der Schkola Oberland in Ebersbach-Neugersdorf selbst blickt auf eine ordentliche sportliche Entwicklung zurück, „obwohl ich vergangenes Jahr schon mehrfach mit dem Gedanken gespielt habe, die ganze Sache einfach zu beenden, da wir extrem viel investiert haben und nie viel dabei herumgekommen ist. Vor allem die letzten drei Jahre war ich im Motorrad-Bereich mehr vom Pech verfolgt als in irgendeiner Form erfolgreich. Mal war es meine Schuld, mal einfach Unglück und letztes Jahr hatte ich ein nicht so richtig klar strukturiertes Team. Das läuft dann alles zusammen – und Erfolg bringt das nicht.“ Lennard Göttlich musste vor allem seit diesem Jahr noch mehr trainieren, da es deutlich schwieriger bzw. anstrengender ist, ein Sidecar schnell zu bewegen als ein normales Rennmotorrad.

Für Lennard Göttlich war 2021 auch aus dem Grund „extrem cool“, da seine kleine, zehn Jahre alte Schwester Vizemeisterin in der deutschen Minibike-Meisterschaft (ADAC Mini-Bike Cup) geworden ist: „Damit hatten wir familiär einen Vizetitel und einen Meistertitel am Ende der Saison.“ Das klare Ziel für nächstes Jahr ist für ihn die Titelverteidigung in der Internationalen Sidecar-Trophy.

Steffen Linke / 13.11.2021

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