„Auf einmal hörten wir die Kettensäge“

Sebastian Schmeichel zeigt, wie sehr das Innenhofgrün der Konifere bis Dezember die Seele streichelte und wie unwirklich es nun hinter ihm an gleicher Stelle aussieht. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Wenn die Behörde schläft, kann schon mal der geliebte Baum als Hinterhofgrün weg sein. So passiert in der westliche Innenstadt von Görlitz.
Görlitz. Der Görlitzer Sebastian Schmeichel hat mehrfach die Behörden genervt – gereicht hat das dennoch nicht. „Anfang letzten Jahres habe ich über Nachbarn im Nebenhof erfahren, dass eine 80 Jahre alte, etwa 21 m hohe Konifere gefällt werden soll. Von dieser hatten zig Parteien von allen Seiten profitiert“, sagt er auf der Hofterrasse, auf der er sich stets entspannen konnte, Elstern und Fledermäuse beobachte und im Baum über 50 Spatzen zählte. Er habe also Anfang letzten Jahres die zuständige Umweltbehörde informiert. Eine Mitarbeiterin habe sich das angeschaut und Hoffnung gemacht, dass sie sich kümmert und mit dem Vermieter im gegenüberliegenden Haus in Verbindung setzt, dessen Bewohner wohl auf mehr Sonneneinstrahlung spekulierten. Am 2. Dezember habe er dann früh um 9.45 Uhr den Hof betreten und Kettensägengeräusche vernommen. Dem Unhold, der sich am Baum vergangen habe, habe er gebeten aufzuhören, wofür sich der externe Auftragnehmer nicht im geringsten interessiert habe. Schmeichel rief die Behörde und auch die Polizei an, was am Ende jedoch nicht mehr half. Die besagte Mitarbeiterin habe darauf verwiesen, dass ihr Vorgesetzter urteilen sollte. Dieser habe sich ja vor zwei Jahren schon einmal mit der Angelegenheit beschäftigt, als ein Fällantrag vorlag.
Scheinbar hätten die Antragsteller auch zu späterem Zeitpunkt keine Aussicht auf eine Bewilligung bekommen. Letztlich ist Sebastian Schmeichel diese rückwärtige Betrachtung egal, da die Konifere ihre Position nun bereits um 90 Grad in die Vertikale verlagert hatte. Mittlerweile ist auch der Stumpf auf dem Nachbargrundstück ausgebuddelt.
Von dem Umstand, dass schon vor zwei Jahren eine Genehmigung nicht in Aussicht gestellt werden konnte, habe er aber erst beim Besuch des Vorgesetzten erfahren. „Ich hatte ja gedacht, die Dame, die einst bei mir war, hätte sich gekümmert, ob der Baum unter Schutz steht und was der Vermieter vorhat.“ Die Behörde habe nun immerhin mitgeteilt, dass es eventuell zu einer Neupflanzung käme und auch eine Strafe für den Auftraggeber anfalle. „Die Mitarbeiterin hat sich bei mir entschuldigt“, aber was helfe das? Er sei sehr traurig und enttäuscht. Spatzen wird es auf Jahre hier nicht mehr zu zählen geben.