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Besucher wünschen sich mehr Orange

Besucher wünschen sich mehr Orange

Uwe Jähnig, Betreiber des DDR-Museums Schwepnitz, möchte dem Wunsch vieler Besucher entsprechen und der Farbe Orange mehr Raum geben. Sie war typisch für die 70-er Jahre, wie man an diesen Alltagsgegenständen sieht. Foto: Martin Hocher

Das DDR-Museum Schwepnitz startete Anfang Mai mit rund tausend Besuchern in die Saison. Auf die Gäste warten nun einige Neuerungen: Betreiber Uwe Jähnig hat ein „Bakelitzimmer“ eingerichtet und will der Farbe Orange mehr Raum geben. 

Schwepnitz. Der zweistöckige Betonplatten-Bau am Rande von Schwepnitz ist eine wahre Fundgrube für Geschichtsinteressierte und Fans des DDR-Designs: Im Erdgeschoss hat Uwe Jähnig den sogenannten Flohmarkt untergebracht: Alltagsgegenstände aus dem Osten Deutschlands, die man kaufen kann. Teils sind mehrere Exemplare vorhanden. Im ersten Stock zeigt er in 15 Themenzimmern ausgewählte Exponate, die nur zum Anschauen bestimmt sind: Möbel, Schallplatten, Glas und Keramik, Kinderwagen, Uhren, Räder, Figuren, Schulsachen, Kosmetika, Spirituosen.... „Ich habe schon immer gerne gesammelt. Mit Röhrenradios fing es an. Davon hatte ich eine Zeitlang um die 200 Stück“, erzählt Jähnig, der von 1983 bis 1991 als Elektromonteur im Glaswerk tätig war. Auch aus dem Sperrmüll rettete er Gegenstände, die er als wertvoll empfand. „Ich wusste, dass sich die Leute in der Zukunft wieder für dieses Design interessieren würden.“ Zunächst hortete er die Dinge in seinem Schwepnitzer Zuhause, dann stellte er sie auf die alte Kegelbahn im Schwepnitzer Gasthof. Nachdem er einzelne Exponate auf dem Weihnachtsmarkt präsentiert hatte, kam ihm die Idee, ein Museum einzurichten. Vor 13 Jahren kaufte Uwe Jähnig das ehemalige Büro- und Laborgebäude des Glaswerkes, im Volksmund „Faultierfarm“ genannt. Er stattete zuerst nur ein paar Räume oben mit den DDR-Gegenständen aus und erweiterte die Sammlung dann nach und nach aufs ganze Haus. Jähnig betreibt das Museum ehrenamtlich mit einigen Helfern und erhebt keinen Eintritt. Er finanziert den Unterhalt durch das, was er aus dem Verkauf der Flohmarktwaren einnimmt. Das DDR-Museum Schwepnitz öffnet in der Saison an jedem ersten Sonntag im Monat und nach Vereinbarung. 

Am 3. Mai startete das Museum mit einem Oldtimer-Treff, einem Auto-Teilemarkt und einem Flohmarkt auf dem Außengelände in die Saison. Rund 1.000 Besucher waren da. Auf diejenigen, die in den nächsten Monaten kommen werden, warten zwei Neuerungen: Zum einen hat Uwe Jähnig ein „Bakelit-Zimmer“ eingerichtet. Bakelit ist der erste vollsynthetische, industriell hergestellte Kunststoff, den es gab. Jähnig hat Telefone, Radios oder Bildwerfer aus diesem meist bräunlichen Material in einem der Räume drapiert. Dafür mussten die NVA-Exponate weichen. Zum anderen dominiert auf einem beträchtlichen Teil der Fläche nun die Farbe Orange – was das Arrangement dort sehr sonnig wirken lässt. „Orange ist typisch für die 70-er Jahre, in Ost wie West. Es gibt aus dieser Zeit unglaublich viele Gegenstände in dieser Farbe: Küchenzubehör, Eimer, Spiegelschränke, Hocker und andere Kleinmöbel“, zählt Uwe Jähnig auf. Zahlreiche Besucher hätten sich gewünscht, dass diese Farbe mehr Raum erhält. Daher wird perspektivisch ein Drittel der Ausstellungsfläche orangefarbene Exponate zeigen. Von den Puppen- und Kinderwagen, die einige Zimmer entfernt aufgereiht sind, würde Jähnig dagegen gerne welche abgeben, da sie bei den Besuchern derzeit auf wenig Interesse stoßen. 

Zwei Räume hat Uwe Jähnig natürlich „Superfest“ gewidmet: In rund zehn Jahren vor der Wende wurden in Schwepnitz Gläser hergestellt, die aufgrund eines besonderen Produktionsverfahrens bis zu 15-mal länger hielten als normale. Das Material wurde durch Ionenaustausch verfestigt. In einem der Zimmer kann man „Superfest“-Gläser und Artikel aus Pressglas bewundern, in dem anderen auch historische Glasmacher-Werkzeuge. „Die habe ich nach der Wende gerettet. Sonst wären sie alle im Müll gelandet“, erzählt der Betreiber. In den Regalen sind alle Größen zu sehen, in denen „Superfest“ hergestellt wurde – bis auf die kleinste, 0,05 Liter. Diese Abmessung hat eventuell das Industriemuseum Chemnitz in seinen Beständen, weiß Jähnig. Er will dort anfragen, ob er ein Exemplar bekommen kann, um sein Sortiment zu komplettieren. 

Die Geschichte der Schwepnitzer Glasproduktion geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Zu DDR-Zeiten, Anfang der 70-er Jahre, wurden die Firmen „Ostglas“ und „Leonhardi“ zum VEB Glaswerk Schwepnitz zusammengelegt. Vom bekanntesten Produkt, „Superfest“, entstanden über die Jahre rund 120 Millionen Exemplare. Am Ende stapelten sich die Kisten, in denen sie verpackt waren, weil der Bedarf gedeckt war. Die Planwirtschaft erlaubte es jedoch nicht, die Produktion zu drosseln. Nach der Wende hieß das privatisierte Werk „Sachsenglas“ – bis es Anfang der 90-er pleite ging. „Superfest“ war erwartungsgemäß im Westen kein Verkaufsschlager – zu haltbar für ein Wirtschaftssystem, das weitgehend auf Wegwerfen und Neuerwerben setzt. Es sei ein gravierender Verlust für die Region gewesen, als der einst größte Industriestandort im Landkreis Kamenz verlorenging, sagt Uwe Jähnig. Viele Schwepnitzer arbeiteten damals im Glaswerk und bekamen ein gewisses Kontingent der Waren, um es privat nutzen zu können. Oft waren das Produkte mit kleinen Mängeln, zweite oder dritte Wahl. Die erste Wahl ging meist in den Westen. „Wenn die Leute von hier zu uns ins Museum kommen, sagen sie oft: Guck mal, das haben wir doch auch zu Hause“, erzählt der einstige Elektromonteur.

Beate Diederichs / 16.06.2026

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