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DDR-Erinnerungen werden lebendig

DDR-Erinnerungen werden lebendig

Kurator Kai Wenzel vor einem der Bilder, die derzeit in einem leer stehenden Ladengeschäft in der Wendel-Roskopf-Straße 12. zu bewundern sind. Gezeigt wird Malerei aus den 1950er bis 1980er Jahren. | Foto: fum

Nicht erst ins Museum gehen, sondern Kunst gleich um die Ecke bewundern – das kann man derzeit in einer Ausstellung des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Die Einrichtung zeigt in einem leer stehenden Ladengeschäft in der Wendel-Roskopf-Straße 12 im Rahmen des Projektes „Erfahrung DDR“ Malerei aus den 1950er bis 1980er Jahren, die bisher überwiegend im Depot schlummerte.

Görlitz. Museumsleiter Jasper von Richthofen ist begeistert über die Zusammenstellung der kleinen Exposition. Mehr als 20 Gemälde sind zu sehen, die vor allem Görlitzer Persönlichkeiten aus der DDR zeigen oder landwirtschaftliche Motive darstellen. Sie wurden vom Museum vor der politischen Wende entweder erworben oder von der Stadt bei Hobbykünstlern in Auftrag gegeben. „Mit der ‚Kunsterfahrung DDR‘ zeigen wir einen Teilbereich unseres Projektes ‚Erfahrung DDR‘, für das die Bewohner dieser Stadt aufgerufen sind, mitzumachen“, erläutert der Museumschef.

„Erfahrung DDR“ ist ein Mitmachprojekt, das mit einer am 18. November öffnenden Ausstellung im Kaisertrutz seinen Höhepunkt erleben soll. Noch immer suchen die Initiatoren vom Kulturhistorischen Museum nach Erinnerungsstücken der Görlitzer Einwohner. „Das sollen keine Alltagsgegenstände sein, sondern vielmehr Geschichten, die das gesamte Spektrum der damaligen Zeit in Görlitz abbilden“, erläutert von Richthofen. Dies könnten schöne, aber auch schwierige Erinnerungen sein. Solche, auf die man noch heute stolz ist oder die man noch immer nicht recht „verdaut“ hat. „Wir wollen keine Geschichtsausstellung veranstalten, sondern auf der persönlichen Ebene Schlaglichter einsammeln und sie der Allgemeinheit in der Neißestadt zugänglich machen.“

Und der Museumsleiter nennt ein Beispiel. „Die Ansichten zu einem FDJ-Hemd können ganz unterschiedlich sein. Für den Einen ist es ein ganz normales Objekt aus dieser Zeit. Der Andere erinnert sich, dass er gerade wegen dieses Hemds eine Tortur unter den damals herrschenden Bedingungen erlebt hat. Diese Dinge interessieren uns.“ Mit den Ergebnissen der „Erfahrung DDR“ wolle man vor allem die junge Generation erreichen oder auch Neu-Görlitzer, die bisher noch keine Beziehung zu diesen Dingen hatten.

Wer selbst seine Erinnerungsstücke mit den zugehörigen Geschichten in die Ausstellung einbringen will, kann sich direkt an das Kulturhistorische Museum Görlitz wenden: Die Koordinatoren Agnieszka Lemmer (Kontakt: 03581/7 67 83 43, E-Mail: a.lemmer@erfahrung-ddr.de) und Robert Lorenz (Kontakt: 03581/7 67 83 44, E-Mail: r.lorenz@erfahrung-ddr.de) sind mit dem Infomobil, einem roten Feuerwehr-Barkas, in der Stadt unterwegs. Bisher sind weit über 100 Objekte eingegangen.

Frank-Uwe Michel / 12.09.2016

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