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Die Lausche „knackt“ die 800 Meter-Marke

Die Lausche „knackt“ die 800 Meter-Marke

Die Lausche in Waltersdorf ist nicht nur im Winter ein lohnendes Ausflugsziel. Durch die neue Aussichtsplattform „wächst“ der Berg auf 800 Meter. Foto: Andreas Böhmer

Die Zeichen stehen gut, dass die Lausche in Waltersdorf aller Voraussicht nach in diesem Jahr auf 800 Meter „wächst“. Denn der Zuwendungsbescheid und die Baugenehmigung für die neue Aussichtsplattform auf dem Gipfel sind in der Gemeinde Großschönau eingetroffen.

 

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So soll sich das Plateau auf dem Lauschegipfel in Waltersdorf nach den aktuellen Planungen künftig präsentieren. Quelle: Ralf Reimann

Waltersdorf. „Vor über zehn Jahren haben wir uns erstmals näher mit der Lausche beschäftigt“, berichtet Bürgermeister Frank Peuker. Damals sei in der Entwicklungskonzeption für den Erholungsort Waltersdorf der Zustand auf dem Lauscheplateau als verbesserungswürdig eingeschätzt worden. „Darüber hinaus waren die stark eingeschränkten Sichtbeziehungen in Richtung Iser- und Riesengebirge infolge des Bewuchses ein Thema. Aus diesem Anlass haben wir uns damit intensiv im Gemeinderat befasst“, blickt er zurück. Und er fährt fort: „Um die Meinung der Einwohner einzuholen, haben wir im Jahr 2008 zu einem Ideenwettbewerb ,Gestaltung des Lauschegipfels’ aufgerufen. Vorab haben wir mit den Fachbehörden des Landkreises die grundsätzlichen Rahmenbedingungen ausgelotet, die aufgrund der naturschutzrechtlichen und umweltrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind.“

Schließlich liegen über der Lausche zahlreiche Schutzgebiete – auch grenzübergreifend. „Neben dem Meinungsbild wollten wir aber auch von Anfang an für Ideen werben, die auch realisierbar sein könnten“, sagt er. Die Resonanz auf den Wettbewerb sei überwältigend gewesen und habe gezeigt, wie stark sich die Bevölkerung mit der Lausche identifiziert. Vorschläge dazu gingen auch aus dem benachbarten Böhmen ein und eine deutsch-tschechische Jury begutachtete die eingereichten Bewerbungen. „Im Sommer 2010 wollten wir den nächsten Schritt gehen und auf Grundlage der Ergebnisse des Ideenwettbewerbes mit der Umsetzung beginnen“, erinnert er sich. Das Augusthochwasser 2010 spülte diese Pläne aber förmlich weg. Plötzlich gab es ganz andere Prioritäten. „2012 haben wir uns dann wieder dem Thema genähert“, sagt er. Im Rahmen einer Diplomarbeit seien Ideen aus dem Wettbewerb aufgegriffen und ein Aussichtsplateau unter Einbezug des vorhandenen Sendemastes entworfen worden. Seitens der Unteren Bauaufsichtsbehörde wurde 2013 eine Bauvoranfrage positiv beschieden. „Dieser Vorbescheid gab uns die notwendige Rechtssicherheit für die weiteren Schritte. Nun folgten recht zeitintensive Gespräche und Verhandlungen mit dem Eigentümer des Sendemastes, der Deutschen Funkturm GmbH, sowie mit den weiteren Nutzern und dem Eigentümer der Lausche, der Stadt Zittau“, erklärt er. Eine besondere Herausforderung war es laut Frank Peuker, die Deutsche Funkturm GmbH von diesem Vorhaben zu begeistern.

In weiteren Schritten wurden das Büro für Gestaltung Ralf Reimann aus Bautzen und das Zittauer Ingenieurbüro Risch für die konkrete Umsetzung des Projektes gebunden. Bei der Fördermittelstelle der Landesdirektion sei eine Projektskizze eingereicht worden, erzählt er. Nach einer Vorprüfung wurde die Förderfähigkeit in Aussicht gestellt. „Wichtig war uns auch, dass die Fachbehörden, wie Umwelt- und Naturschutz etc., in diesen Prozess einbezogen wurden und so im Miteinander Details und Interessenlagen konstruktiv abgestimmt werden konnten“, so Frank Peuker. Auch die Beteiligung der tschechischen Seite erfolgte. So stellte der Bürgermeister das Projekt auch der Forstbehörde in Reichenberg (Liberec) vor. Der Großschönauer Gemeinderat habe von Anbeginn dieses Vorhaben vollumfänglich unterstützt und aktiv begleitet, die notwendigen Beschlusslagen herbeigeführt, aber auch die Bereitstellung der Finanzmittel im Haushalt abgesichert. „Bis hierher war es schon ein weiter, nicht einfacher Weg. Denn recht unterschiedliche Interessen mussten ,unter einen Hut gebracht werden’“, betont er. Über den aktuellen Stand freut sich Frank Peuker: „ Von der Landesdirektion Sachsen haben wir den Fördermittelbescheid und von der Bauaufsicht des Landkreises die Baugenehmigung erhalten.“

In diesem Frühjahr sollen die Bauarbeiten für die Aussichtsplattform auf der Lausche beginnen. „Voraussetzung dafür ist, dass wir bei den Ausschreibungen der Gewerke entsprechende Angebote bekommen und auch die Witterung mitspielt“, so Frank Peuker.

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Der gesamte Bereich auf dem Lauschegipfel wird mit der Investition für die neue Aussichtsplattform ganz erheblich aufgewertet. Foto: Archiv/Frank Barth

Bei der Aussichtsplattform handelt es sich um eine moderne Stahlkonstruktion, die den vorhandenen Sendemast einschließt, mit einer teilweisen Verkleidung mit Porphyr-Steinplatten. Das Bauwerk soll sich nach weiteren Informationen des Bürgermeisters elegant dem Berg unterordnen. Das derzeitige Technikgebäude wird abgerissen und damit auch ein Stück Natur der Lausche zurückgegeben. Die Technik wird in dem Bestandsgebäude untergebracht. Dort sollen auch die Amateurfunker einziehen. Ein Raum soll als Schutzhütte dienen. Die Stützmauern werden gesichert, der ehemalige Baudenkeller und die Treppenanlagen saniert. Darüber hinaus sollen Sitzgelegenheiten entstehen und vieles andere mehr. Das Plateau soll insgesamt aufgewertet werden.

Die Lausche soll dabei um acht Meter wachsen, so dass die 800 Meter-Marke „geknackt“ wird. 54 Stufen führen auf die Aussichtsplattform. Damit soll wieder der ungehinderte 360° Rundblick von der Lausche möglich sein. Bei guter Sicht schweift dann der Blick von der Landeskrone, über das Iser- und Riesengebirge, den Jeschken, den Bösige bis in die Böhmische und Sächsische Schweiz. Bei besonderen Wetterlagen könnten sogar die Dächer der Golden Stadt Prag zu sehen sein.

Bis wann das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird, ist schwer einzuschätzen. Aufgrund der Witterungsbedingungen kann laut Frank Peuker nur bis Mitte Oktober gebaut werden: „Wir würden die Baumaßnahme gern in diesem Zeitraum abschließen. Es gibt aber halt Faktoren, die wir nicht beeinflussen können.“

Die Gesamtkosten dafür liegen laut aktueller Kostenberechnung bei circa 745.000 Euro brutto. Die Gemeinde Großschönau als Bauherr erhält dafür eine finanzielle Zuwendung über die Förderrichtlinie GRW-Infra – „Förderung von Vorhaben zur Verbesserung der wirtschaftsnahen Infrastruktur“ in Höhe von etwa 630.000 Euro. „Diese Förderung von Bund und Land ist für uns die einmalige Chance, dieses ambitionierte Vorhaben anzugehen“, betont er.

Frank Peuker weiter: „Die Lausche selbst hat für uns Oberlausitzer eine besondere Anziehungskraft. Mit der sensiblen Gestaltung des Gipfelbereiches wollen wir diesem Fakt Rechnung tragen. Auf der anderen Seite sorgen wir mit diesem Projekt für ein weiteres attraktives Ausflugsziel im Naturpark Zittauer Gebirge.“ Durch die Aufstiegsmöglichkeiten von tschechischer und sächsischer Seite sowie die Grenzlage sei die Lausche ein ganz besonderer Ort und durch den Wegfall der Grenzen wieder ein wahrer Ort der Begegnung geworden. „Und das wird sich weiter entwickeln“, ist Frank Peuker sehr zuversichtlich. Der Eintritt auf die künftige Aussichtsplattform ist frei. Der höchste Berg im Zittauer Gebirge ist für Ausflügler jedenfalls zu allen Jahreszeiten sowie bei allen Wetterlagen ein lohnendes Ziel. „Da ich das Privileg habe, die Lausche fast täglich bei unterschiedlichsten Wetterlagen und in den verschiedenen Jahreszeiten zu sehen, reizt mich sehr oft ein Aufstieg. In Folge meiner Amtspflichten komme ich aber leider zu selten auf den Berg – circa zehnmal Mal im Jahr“, sagt er.

Meist startet Frank Peuker am Naturparkhaus in Waltersdorf und geht dann oberhalb in Richtung „Wache“: „Dieser Weg ist aufgrund der schönen Ausblicke auf das Passdorf Walterdorf und die Lausche vor Augen sehr reizvoll.“ Nach einem Abstecher übers „biehmsche Jägerdörfel“ auf dem roten (Kegel)Weg folgt der Aufstieg auf den Gipfel. Der Bürgermeister schwärmt in diesem Zuge von den herrlichen Blickbeziehungen in Richtung Bösige oder Tannenberg. Auf dem Gipfel genießt Frank Peuker die Aussicht oder – wenn die Wolken zu tief hängen – die Stille des Moments. Sein Abstieg führt dann über die „Bayernkurve“. Da erinnert sich der Gemeindechef gern an Gespräche mit hochbetagten Großschönauern und Waltersdorfern, „die mir von abenteuerlichen Skiabfahrten auf Holzbretteln mit Seilzugbindung erzählt haben.“ Ab dem Lauscheborn entscheidet sich Frank Peuker dann je nach Stimmungs- und Wetterlage – entweder nimmt er den direkten Weg über die Hubertusbaude bzw. über die Seilerstiege oder wandert weiter auf dem Kamm über die Sängerhöhe und den Naturparkgarten zurück nach Waltersdorf. „Und dann gibt es in Waltersdorf noch vielfältige Möglichkeiten der stärkenden Einkehr“, sagt er. Obwohl ein Ausflug auf die Lausche nur ein paar Stunden dauert, erlebt Frank Peuker diese „Tour“ immer wieder wie Urlaub!

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Steffen Linke / 23.04.2018

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