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Die Ostritzer zelebrieren das Saatreiten

Die Ostritzer zelebrieren das Saatreiten

Circa 70 Reiter mit Frack und Zylinder sind mit ihren geschmückten Pferden am Ostersonntag, 5. April, zur Saatreiterprozession in Ostritz unterwegs. Foto: privat

Ostritz. Circa 70 Reiter mit Frack und Zylinder sind mit ihren geschmückten Pferden am Ostersonntag, 5. April, zur Saatreiterprozession in Ostritz unterwegs. Etwa sieben bis zehn Reiter davon mit ihren Trompeten. Für die Prozession sei eigens ein Marsch komponiert worden, der sogenannte Saatreitermarsch, bzw. im Gedenken an die nicht mehr stattfindenden Prozessionen – die Seitendorfer Triade, so die Organisatoren.

Die Prozession beginnt um 13.00 Uhr an der Katholischen Kirche mit der Aussendung der Saatreiter. Entlang der Evangelischen Kirche geht es zur ersten Station, dem Ostritzer Kreuz. Hier wird das Matthäus-Evangelium verkündet und das Segensgebet für die Saat gesprochen. Am Kreuz bei der ehemaligen Altstädter Schule befindet sich die zweite Station, das Altstädter Kreuz. Auch hier wird ein Evangelium, das Markus-Evangelium, verkündet. Im Anschluss geht es in das Kloster St. Marienthal, in dem die Reiter den Klosterhof dreimal umrunden. Die Reiter werden von der Äbtissin des Klosters begrüßt, bevor die Osterbotschaft in Form des Lukas-Evangeliums verkündet und der Segen Gottes erbeten wird. 

Zum Ausritt aus dem Klosterhof intonieren die Bläser den Saatreitermarsch, einer der schönsten und erhabensten Momente der Prozession. Über den Ortsteil Bergfrieden geht es dann hinaus über die Felder zur vierten Station, dem Hutbergkreuz. Die Kreuzigungsgruppe befindet sich oberhalb der beiden Friedhöfe. Hier wird für die verstorbenen Saatreiter gebetet. An dieser Station verkünden die Saatreiter das Johannes-Evangelium. Den Galgenberg hinunter wird auf dem Untermarkt die fünfte und letzte Station angeritten. Da es fünf Stationen gibt, aber nur vier Evangelien, wird hier das Johannes-Evangelium noch einmal verkündet. Vorbei an der Katholischen Kirche wird zum Schluss der Marktplatz dreimal umritten und voller Dankbarkeit das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ angestimmt.

Die Organisatoren erklären dazu, welches Brauchtum hinter der Prozession steckt: Der Überlieferung nach zerstörte einst ein gewaltiges Unwetter die ganze Saat, worauf die Bauern beschlossen, ein jedes Jahr wiederkehrend für das gute Gedeihen der Saat zu beten. In dem Gebet heißt es: Gottes Segen für „uns, unsere Häuser, Gärten, Felder, Wiesen und Wälder“. Daher stammt auch der Name „Saatreiter“ für diese Reiterprozession – und dies nunmehr zum 397. Male in unveränderter Form.

Die Saatreiter bitten die Besucher jedenfalls während der Prozession den notwendigen Abstand zu den Pferden einzuhalten und nicht dazwischen zu laufen. Und: Halten Sie sich während der Gebete an die gebotene Stille und stimmen Sie in den Gesang mit ein.

Steffen Linke / 03.04.2026

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