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Die Wünsche der Kamenzer Jugend

Die Wünsche der Kamenzer Jugend

Möglichkeiten der kreativen Betätigung – beispielsweise legale Graffitisprühflächen – stehen auf der Wunschliste mit ganz weit oben. Foto: Symbolbild

Wie attraktiv ist Kamenz für Jugendliche, was gibt es hier und was fehlt? Das wollte das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit wissen. Die Ergebnisse sind zum Teil durchaus überraschend.

Kamenz. Die Zahl des Tages lautet 729. So viele Zehn- bis Zwanzigjährige beteiligten sich an der großen Jugend-Umfrage des Netzwerkes für Kinder- und Jugendarbeit an den Kamenzer Schulen der Sekundarstufe. „Damit dürfte unsere Befragung die größte ihrer Art in ganz Sachsen sein“, freut sich Torsten Kluge vom Netzwerk, der maßgeblich an der Erarbeitung beteiligt war. Zu beachten ist, dass etwa 40 Prozent der Befragten nicht in Kamenz, sondern in den umliegenden Städten und Gemeinden wohnen. Sie „gerieten“ in die Befragung, weil sie hier zur Schule gehen. Der Oberlausitzer Kurier stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.


Wenig attraktiv, aber …

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Das Ergebnis der ersten, sehr global gestellten Frage scheint ein weit verbreitetes Vorurteil zu bestätigen: Kamenz ist gar nicht oder wenig attraktiv für Jugendliche. Zumindest kreuzten 55 Prozent der Teilnehmer diese Antworten an. 35 Prozent zeigten sich unentschieden, nur 10 Prozent finden Kamenz für ihre Altersgruppe attraktiv oder gar sehr attraktiv. Diese Tendenz verstärkt sich immer mehr, je älter die Befragten werden. Die nachfolgenden, mehr ins Detail gehenden Fragen zeichnen allerdings ein weitaus differenzierteres Bild.

Forstfest ist in, Hutbergbühne ist out

Die Schwimmhalle hat für die Kamenzer Kinder und Jugendlichen eine hohe Bedeutung. Auf die Frage, was in der Stadt unbedingt erhalten bleiben sollte, wurde sie am häufigsten genannt. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Geschäfte und Einkaufsmöglichkeiten sowie das alte Stadtbad mit dem Skaterpark. Einen überraschend hohen Stellenwert hat für die Jugendlichen das Forstfest – „ein Anzeichen dafür, dass es den Organisatoren recht gut gelungen ist, das traditionelle Stadtfest auch für die jüngere Generation attraktiv zu gestalten“, so Torsten Kluge.
Keinerlei Bedeutung haben für diese Altersgruppe hingegen die Hutbergbühne und das Stadttheater. „Was dort angeboten wird, ist halt eher für ältere Generationen gedacht. Das ist auch völlig okay,“ meint Alex Bulharu, Schülersprecher des Lessing-Gymnasiums, ganz pragmatisch. Allerdings sieht er durchaus Potenzial, durch entsprechende Angebote etwas an dem Zustand zu ändern.

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Auf der Liste der Angebote, die Kamenzer Jugendliche in ihrer Stadt vermissen, steht ein Kino ganz weit oben. Auf Platz 2 folgen Einkaufsmöglichkeiten. „Damit ist vor allem ein Einkaufszentrum mit vielen Geschäften, also eine Mall, gemeint“, erläutert Alex Bulharu. Deren Besuch würde gar nicht unbedingt dem Einkaufen, sondern mehr dem Bummeln und Gucken dienen. Viele Kamenzer Jugendliche fahren dafür nach Dresden, doch auch das Bautzener Kornmarkt-Center findet Akzeptanz. Weitere oft geäußerte Wünsche: Disco und Jugendtreff.

Sich auch nach der Schule treffen

Bei Letztgenanntem könnte es bald Neuigkeiten geben: „Ich denke, dass ich die Verwirklichung des Projektes ’Schülercafé’ noch als Schüler erlebe“, zeigt sich Leon Ihrke optimistisch. Das Mitglied der Schülervertretung am Lessing-Gymnasium besucht derzeit die 11. Klasse. Wunschstandort ist die Hutberg-Passage, wo die Räume des früheren Casinos geeignet wären. „Natürlich müssen wir uns erst mit dem Vermieter einig werden“, weiß Leon. Günstig wäre dies auch, weil mit dem Verein „Kamenz can dance“ eine der Institutionen, die in den Augen der Jugendlichen am meisten zur Attraktivität der Stadt beitragen, im selben Haus sitzt. Den Jugendlichen ist der Treff so wichtig, weil sie sich – entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil – durchaus gern persönlich begegnen. „WhatsApp nutzen wir nur, um uns zu verabreden“, stellt Alex Bulharu klar. Wichtig ist den Kamenzer Jugendlichen auch die Möglichkeit zur kreativen Betätigung, beispielsweise an legalen Graffitiwänden. „Das wird bald am WC-Häuschen in der Nähe des Bahnhofs möglich sein“, stellt Torsten Kluge in Aussicht.

Was passiert jetzt mit den Ergebnissen?

Die Befragung resultierte aus dem von der Stadt Kamenz angeschobenen Leitbildprozess, in den auch der Blick der jüngeren Generation einfließen soll. Erste konkrete Ergebnisse könnten der bereits erwähnte Jugendtreff sowie eine Art Jugendbeirat für den Stadtrat sein, wobei dessen konkrete Ausgestaltung noch unklar ist. Darüber hinaus sollten die Ergebnisse der Stadtpolitik wichtige Erkenntnisse und Anregungen liefern, wie man Kamenz für die Jugend attraktiver gestalten kann – wenn auch sicher nicht alle Wünsche erfüllbar sind. Der Wunsch nach einem Kino lässt sich laut Leon Ihrke in dem geplanten Jugendtreff schnell verwirklichen – „das ist für uns heutzutage gar kein Problem mehr.“

Uwe Menschner / 11.03.2019

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