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„Wir fördern Völkerverständigung“

„Wir fördern Völkerverständigung“

Steffen Mühl, Vorsitzender des Krabat-Vereins, im Podcast-Studio von „Lausitz heute.“ Foto: Uwe Tschirner

Region. Vor genau 25 Jahren, am 19. März 2001, gründeten eine Handvoll Idealisten in Schwarzkollm den Krabat-Verein. Was als kleine Initiative begann, ist heute eine echte Marke mit Radweg, eigenen Festen, mit Bier und Brot und sogar einem eigenen Wappenbaum. Seit knapp zwei Jahren führt Steffen Mühl den Verein. Wir haben mit ihm gesprochen.

Die Figur des Krabat beschäftigt Sie sicher schon länger als zwei Jahre. Was ist Ihre persönliche Krabat-Geschichte? 

Ich habe zwei Geschichten. Ich wohne in Groß Särchen, wo die historische Person Krabat tatsächlich gelebt hat. Johann von Schadowitz, oder als Kind Janko Sajatovic, ist ja nicht nur eine Sage, sondern auch Wirklichkeit gewesen. Und diese Person hat ihren Lebensabend in Groß Särchen verbracht, wo ich seit über 20 Jahren lebe. Und das verbindet irgendwo. 

Zum Verein bin ich ebenfalls über Johann von Schadowitz gekommen, weil Hans-Jürgen Schröter dessen Familiengeschichte erforscht hat. Und wir haben in Kroatien seine Nachfahren besucht. Da habe ich eine Wärme und einen Wissensdurst gespürt, wo ich gesagt habe, das macht Spaß, da habe ich Lust drauf. 

Auch wenn Sie selbst damals noch nicht dabei waren – was wissen Sie über die Anfangszeit des Krabat-Vereins?

Als der Krabat-Verein vor 25 Jahren startete, waren die Akteure unter anderem Thomas Zschornak aus Nebelschütz und Gertrud Winzer aus Schwarzkollm. Sie kamen zusammen mit der Idee, Akzente zu Krabat und zu einer neuen Identität in der Lausitz zu schaffen. Man hat zu der Zeit andere Voraussetzungen gehabt und andere Randbedingungen. Arbeitsplätze waren rar und da suchte man nach neuen Möglichkeiten, Menschen in Beschäftigung zu bringen und gleichzeitig was Gutes für die Gesellschaft zu tun. So entstanden die sogenannten Schlüsselprojekte – die Krabat-Mühle, der Krabat-Radweg, der Steinbruch in Miltitz und Krabats Neues Vorwerk in Groß Särchen.
Das waren große Projekte, die diese Leute damals stemmen mussten und wollten. Wir werden, glaube ich, nicht mehr die Möglichkeit haben, solche großen Projekte als Verein umzusetzen. Doch an den Grundsätzen und Zielen des Krabat-Vereins halten wir fest und bringen sie weiter voran.
Welche Ziele sind das?

Als Krabat-Region bezeichnen wir die Region zwischen Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz. Und da spielen die Sorben eine große Rolle. Wir fördern die Verbreitung des sorbischen Kulturgutes, versuchen, die Region damit zusammenzubringen. Wir fördern die Völkerverständigung, auch in Richtung Kroatien. Dort, wo der Johann Sajatovic geboren wurde und wo es auch Bestrebungen gibt, den Krabat-Gedanken zu leben. Wir unterstützen nachhaltige regionale Entwicklungsprozesse. Und wir wollen damit die verschiedensten Akteure vernetzen, die aus Kunst, Kultur, aus der Bildung, aus der Wirtschaft und aus der Verwaltung kommen.

Wie ist es dem Verein gelungen, Krabat als Marke zu etablieren?

Die Marke Krabat ist vielfältig. Wir sind stolz darauf, seit vielen Jahren Inhaber dieser Marke zu sein Wir haben sie uns als Wort- und Bildmarke eintragen lassen. Wir haben das Krabat-Bier, die Krabat-Knacker, Milchprodukte aus der Krabat-Milchwelt. Die Krabat-Festspiele, die sich jetzt zur Krabatsaga umbenannt haben, sind ein Leuchtturm für die gesamte Region. Und wir achten auf die Marke Krabat, nicht jeder kann darauf aufspringen. Es geht darum, dass man das Positive herauskehrt. Ich will nicht, wenn ich unterwegs bin mit unserem Krabat-Darsteller, dass die Leute sagen, schon wieder die alten Sachen, schon wieder die Sage. Nein, wir bringen ja auch jedes Mal eine neue Idee mit.

Es gibt ein schönes Symbol für die Arbeit Ihres Vereins, den Wappenbaum, auf dem ein Platz leer ist. Warum?

Wir würden uns sehr wünschen, dass die Stadt Bautzen, so wie die Stadt Kamenz und die Stadt Hoyerswerda, Mitglied im Verein wird. 
Dass uns das noch nicht gelungen ist liegt aber auch ein wenig an uns, weil ich es einfach noch nicht geschafft habe, mich zu intensiven Gesprächen über eine Mitgliedschaft mit dem Oberbürgermeister zu treffen. Aber wir haben es auf der Agenda und ich habe es mir auch vorgenommen. 
 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Lausitzer Wortmanufaktur und ist noch ausführlicher im Podcast „Lausitz heute“ nachzuhören – auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

Uwe Tschirner / Uwe Menschner / 17.03.2026

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