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Diebeszüge am ehemaligen Bahnhof

Diebeszüge am  ehemaligen Bahnhof

Alexander Junge steht hier vor dem ehemaligen Ostritzer Bahnhof. Mit brachialer Gewalt haben die Einbrecher die dortige historische Tür beschädigt, um ins Gebäudeinnere zu gelangen. Foto: privat

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Als die Kamera noch nicht gestohlen war: Unbekannte suchen auf dem Geländes des ehemaligen Ostritzer Bahnhofes nach Stehlbarem.

Foto: privat

Alexander Junge ist einer der Betroffenen, die unter massiven Diebstählen in der Stadt Ostritz leiden. Nach mehr als 50 Einbrüchen hat er aufgehört, zu zählen.

Ostritz. Alexander Junge lehnt an der Eingangstür im ehemaligen Bahnhof in der Ostritzer Bahnhofstraße und blinzelt in die Sonne. Nur einige Meter entfernt von dort befinden sich Grenzbrücke und polnisches Hoheitsgebiet. Friedlich schmiegt sich das kleine Städtchen Ostritz an der Neiße entlang. Doch der Schein trügt. „Ich bin immer einer der ersten, der daran glauben muss“, sagt er, „wenn es Nacht für Nacht losgeht mit Diebstählen und Einbrüchen.“ Am ehemaligen Bahnhof sei bereits mehr als 50 Mal eingebrochen worden. 
„Geklaut wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, betont er, „auch Sachen, die man gar nicht allein tragen kann“. Die Ostritzer Bahnhofstraße sei in den vergangenen Tagen und Wochen bevorzugtes Revier der Einbrecher gewesen. Fast jeden Tag kam es hier zu Vorfällen.

Ihm wurde letzte Woche ein Getriebemotor entwendet. Vor einigen Jahren wurden sechs im Fremdeigentum stehende, aber bei ihm eingestellte Motorräder gestohlen. Auch das Brauhaus auf der gleichnamigen Straße in Ostritz sei immer wieder Ziel von Kriminellen, die sich von hinten her durch Gärten an das Gebäude anschleichen und brachial Fenster und Türen aufbrechen. Mit dem Reparieren und Sichern der Objekte kommt er schon gar nicht mehr hinterher. Sogar die Kameras, die er installiert hatte, wurden mittlerweile gestohlen.

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Ein Unbekannter schleppt Diebesgut aus dem Gelände des ehemaligen Ostritzer Bahnhofes. Foto: privat


„Soll man wertvolle Sachen, wie die gern geklauten Simsons, in die Schlafstube hochschleppen und dafür die Frau ausquartieren“, fragt er überspitzt. Für ihn und viele andere Ostritzer steht fest, dass es so nicht weitergehen kann. Lebensqualität sehe anders aus. Hier müsse man ja alles wegschließen und verrammeln, so Alexander Junge. Vor einigen Jahren haben sich schon Ostritzer Bürger, als der Leidensdruck zu groß wurde, in einer Bürgerwehr formiert und sind in der Nacht durch Ostritz spaziert. So etwas könnte sich Alexander Junge auch jetzt wieder gut vorstellen. Die Polizei sieht „solche Aktivitäten“ vor dem Hintergrund verschiedener Gesichtspunkte erfahrungsgemäß aber wohl nicht gerade so gern. 

„Unser Polizeiposten ist nur tagsüber von Montag bis Freitag besetzt“, sagt Alexander Junge. „Wir bestreifen Ostritz wie jede andere Gemeinde auch nachts – natürlich nicht regelmäßig und ohne Unterbrechung. Wir haben die Zahl der Delikte dort aber schon auf dem Schirm und versuchen, mit unseren Mitteln entgegenzuwirken“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Nach Ansicht von Ostritzer Bürgern geschieht das aber offensichtlich nicht in ausreichendem Maß. Soll man an die Diebe appellieren, nur zu diesen Bürozeiten einzubrechen, fragt jedenfalls Alexander Junge. Die Diebe würden in der Nacht, überwiegend am frühen Morgen und mittlerweile auch schon tagsüber kommen.

Woher Alexander Junge das weiß? Er lächelt verschmitzt und murmelt, dass er immer wieder mal mit einem Schaufelstiel auf der Lauer liegt. Der habe ihm schon gute Dienste erwiesen, als er vor ein paar Tagen von zwei polnischen Bürgern auf der Grenzbrücke angegriffen wurde. Natürlich diene der Schaufelstiel nur zur Verteidigung, beteuert er.

Am Dienstag, 27. August, um 18.00 Uhr, findet im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal in Ostritz ein von der Stadtverwaltung organisierter Bürgerinformationsabend zur Kriminalitätslage in Ostritz und Leuba statt, an dem auch der Leiter des Polizeireviers Zittau-Oberland, Carsten Weber, und ein Vertreter der Polizeidirektion Görlitz anwesend sind. Ob Alexander Junge dort hingehen wird, weiß er noch nicht. In den letzten Jahren habe es immer wieder solche Gesprächsrunden gegeben. „Es ändert sich ja doch nichts“, sagt er. 

Steffen Linke / 22.08.2019

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Kommentare zum Artikel "Diebeszüge am ehemaligen Bahnhof"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Erhard Jakob schrieb am

    Niemand weiß, ob die historische Bahnhofstür von frustrierten deutschen Jugendlichen oder von ausländischen Einbrechern zerstört wurde. Aber jeder weiß, dass hier eine überdurchschnittliche Grenzkriminalität herrscht! Wenn die Polizei der Sache nicht Herr wird, müssen Einheimische selbst für ihren Schutz sorgen.

    Heutzutage gibt es doch genügend preiswerte Technik (Bewegungsmelder, Video-Überwachung usw.) mit der man der Sache entgegen wirken kann. Wenn hier Einbrecher geltend machen, dass solche Technik nicht dem Datenschutz entspreche, ist doch was faul im Staate Deutschland!
    Grenzverletzter müssen so lange von den Bürgern festgehalten werden können, bis die Polizei kommt und erst einmal die Daten aufnimmt .. und wenn das drei Tage dauern sollte. Anders wird man diesen Verbrechern nicht Herr werden können!

    Das hat aber nichts mit Ausländer-Hass zu tun! Wenn deutsche Einbrecher unterwegs sind, sollte man mit diesen Leuten gleichermaßen verfahren!

    Wenn deutsche jugendliche Zerstörer bzw. Diebe unterwegs sind und auf frischer Tat erwischt werden, dann sollten diese bis zum Eintreffen der Polizei ebenfalls in einen Raum eingesperrt werden. Und wenn die Polizei nach drei Tagen nach dem rechten sieht, ist das doch völlig ausreichend!

  2. Neumann schrieb am

    Zum vorherigen Kommentar von GS: Wenn 50 Mal in ein Haus eingebrochen wird, dann scheint der Ort ein großes Problem zu haben. Sowas muss man auch mal ansprechen dürfen, ohne dass man pauschal als "Ausländer-Hasser" abgestempelt wird. Sollen solche Vorgänge etwa aus Rücksicht auf die Täter tot geschwiegen werden? Ich möchte nicht wissen, wie Sie reagieren würden, wenn Kriminelle dauerhaft bei Ihnen einbrechen würden. Dann ist es wahrscheinlich alles völlig anders, richtig? Aber solange nur Fremde bestohlen werden, sollen diese ihren Mund halten?!

  3. Gs schrieb am

    Ich habe 50 Jahren in Ostritz gelebt und wenn ich so was lese wird mir schlecht.

    Das Bahnhofsgebäude sieht seit 30 Jahren so aus, nur das die Bäume die aus dem Dach wachsen immer höher werden. Das Gebäude ist durch Hochwasser mehrfach abgesoffen. Eine Ruine wie die Nebengebäude auch.

    Was kann man da noch klauen, außer die Entsorgung zu sparen.
    Auch die tolle Tür endete nichts dran das es eine Ruine ist. Es ist nur erstaunlich das es solche Schreiberlinge gibt die sich für So eine negative Darstellung hergeben.

    Hände aus den Taschen nehmen und anpacken das sich was zum positiven verändert.

    Die Nostalgie vergessen und Weltoffen sein. Ohne Ausländer wäre Deutschland nicht in der Lage seinen Bürgern so einen Wohlstand zu bieten.

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