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Diskussion um Alleebäume hält an

Diskussion um Alleebäume hält an

Die Paulistraße soll in den nächsten Jahren in Etappen saniert werden. Umweltaktivisten fordern den größtmöglichen Erhalt der vorhandenen Vegetation. Die Planungen sprechen dagegen. Foto: RK

Die Diskussion um die sanierungsbedürftige Paulistraße in Bautzen reißt nicht ab. Aktivisten und Anwohner ringen weiterhin darum, dass im Zuge der geplanten Bauarbeiten und danach ein möglichst großer Anteil des vorhandenen Baumbestandes erhalten bleibt. Indes liegt der Stadt ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten vor.

Bautzen.
„Uns ist nicht bekannt, dass die Stadtverwaltung ihre Planungsvorgaben für die Baumaßnahme Paulistraße bereits verändert hat. Deshalb werden wir die Anwohner weiter unterstützen, um letztlich zu einer Maßnahme zu kommen, die die notwendigen Er- neuerungen mit möglichen Instandsetzungen unter weitestgehendem Erhalt der Bäume verbindet. Vor allem der Charakter der Straße muss erhalten bleiben.“ Die das sagt, ist Anke Knaak – Sprecherin der Stadtbegrüner. Nicht nur sie hat bereits vor Längerem ein Herz für die jahrzehntealten Alleebäume im sogenannten Villenviertel entdeckt. Einige von ihnen säumen links und rechts die Paulistraße. Die ausgewachsenen Linden spenden Kühle und Schatten an heißen Sommertagen und liefern übers Jahr hinweg tonnenweise Sauerstoff. Zudem reinigt das Blattwerk die Luft von Feinstaub. Damit sich daran möglichst nicht gravierend etwas ändert, hatten die Aktivisten bereits im Laufe des Frühjahres mehrere Schreiben verfasst, in denen sie sich gegen die angedachte Abholzung eines Großteils der etwa 80 Lindenbäume, die aktuell vor Ort noch existieren, aussprechen.

Die Stadtverwaltung hatte parallel dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben, das ihr nun vorliegt. „In der gegenwärtigen Planungsphase wird davon ausgegangen, dass 16 Baumstandorte bei einem grundhaften Straßenausbau bestehen bleiben könnten, jedoch keine Garantie besteht, dass die Bäume die Baumaßnahmen langfristig überstehen“, erklärte Baubürgermeisterin Juliane Naumann auf Anfrage. Gleichzeitig stellte sie klar: „Einen fachgerechten Straßenaufbau um vorhandene Wurzeln herum kann es nicht geben. Das wurde schon mehrfach durch Fachplaner herausgearbeitet und auch öffentlich vorgestellt.“ Die einzigmögliche Alternative im Ringen um den Erhalt der bestehenden Vegetation sieht sie nunmehr darin, den Straßenbau so langfristig wie möglich zu verschieben. Das allerdings wäre keine Lösung in Hinblick auf den Zustand der Gehwege. „Es gab in der Vergangenheit schon Unfälle von Fußgängern, da die Unebenheit in den Wurzelbereichen nicht ausgeglichen werden kann. Außerdem muss ein Teil der Versorgungsleitungen zumindest mittelfristig ausgetauscht werden. Zwischen diesen Möglichkeiten abzuwägen, ist nun genau die Herausforderung, die gemeinsam mit dem Stadtrat und den betroffenen Grundstückseigentümern gelöst werden muss.“

Dass an die Verkehrsachse Hand angelegt werden muss, sei unstrittig, räumen auch die Stadtbegrüner um Anke Knaak ein. Allerdings fragen sie sich, ob die Paulistraße so grundhaft ausgebaut werden muss, wie es die ursprünglichen Planungen vorsahen. „Genügt nicht eine neue Asphaltierung des Straßenbelages, genügen nicht das Richten der Bordsteine und die Ausbesserung der Gehwege? Auf diese Weise würden auch mehr Bäume des Altbestandes stehenbleiben. Kosten können dadurch gespart und zum Beispiel neue Bäume gepflanzt werden, die in einigen Jahren den Spaziergängern und auch Kindern beim Spielen Schatten spenden“, sind sie der Ansicht.

Für die Liberalen ist der grundhafte Ausbau „alternativlos“ – und zwar wegen der „teilweise uralten Medienleitungen“. „Es gäbe also keinerlei Einsparungen bei den Baukosten oder mehr Schonung der Bäume“, erläuterte Fraktionschef Mike Hauschild. „Laut dem Baumgutachten sind von den 80 vorhandenen Bäumen nur 16 so gesund, dass sie erhalten werden könnten. Auf Nachfrage im letzten Bauausschuss wurde gesagt, dass von den 16 sogar acht aus Verkehrssicherheitsgründen entfernt werden müssen. In dem Zusammenhang habe ich der Verwaltung vorgeschlagen, die Bäume, die gesund sind und auch nicht aus anderen Gründen gefällt werden müssen, mit einem grünen Band zu kennzeichnen, damit sich alle interessierten Bürger einen Überblick verschaffen können. Noch warte ich auf die Umsetzung.“

Indes verortet die Stadtratsfraktion des Bautzener Bürgerbündnisses (BBBz) in erster Linie in der Neuverlegung der Medien eine Gefahr für die Linden. „Diese würde den Wurzelbereich des bisherigen Baumbestandes betreffen und das Risiko eines Absterbens der Bäume nicht vermeiden“, betonte Vereinssprecher Christian Haase. Und er fügte hinzu: „Nach unserer Auffassung steht die Entscheidung zwischen einem echten, sachgerechten grundhaften Ausbau ähnlich dem Muster Löbauer Straße und Taucherstraße sowie einem emotional getragenen Versuch eines Ausbaus, der mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein wird und keine Garantie für die Anzahl erhaltener Bäume bringen wird. So wichtig Bäume für unsere Umwelt sind und ihr Erhalt eine Pflichtaufgabe für unsere Gesellschaft ist, so wichtig bleibt die Verantwortung für ein modernes Verkehrskonzept im innerstädtischen Bereich, dass mit vertretbaren Kosten geschaffen werden muss.“ Die Paulistraße in eine gemäß der Straßenverkehrsordnung (StVO) zulässige Fahrradstraße umzufunktionieren, lehnt die BBBz-Fraktion ab: „Der Autoverkehr wird dabei doch nicht wirklich reduziert, sondern nur umgeleitet auf angrenzende Trassen.“ Jedoch gibt sie auch zu bedenken: „Für ein solches Projekt könnte die geplante Fahrbahnbreite von 5,60 Meter natürlich verringert werden.“ Auch im Rathaus existieren diesbezüglich Bedenken.

„Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die herrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist“, legte Juliane Naumann in dem Zusammenhang unter Berufung auf die StVO dar. „Anderer Fahrzeugverkehr als der Radverkehr darf nur ausnahmsweise durch Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden. Daher müssen vor der Anordnung die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden. Unter Beachtung vorgenannter Verwaltungsvorschrift wird eine Fahrradstraße planerisch nicht untersucht. Der Kraftfahrzeuganteil ist schon durch die angrenzenden Mehrfamilienhäuser, Gewerbeeinrichtungen und öffentlichen Einrichtungen höher als der Radverkehrsanteil.“ Dennoch will die Verwaltung den Anliegern entgegenkommen. „Die Paulistraße ist Teil des Tempo-30-Zonen-Netzes der Stadt und soll nach Beendigung der Baumaßnahme als solche ausgewiesen werden. Damit erhöht sich auch die Sicherheit für Radfahrer“, ergänzte die Baubürgermeisterin.

Dass unterm Strich die Verjüngungskur in mehreren Etappen vonstatten gehen soll und mit ihr die schrittweise Abholzung von Bäumen, darauf pochen die Christdemokraten. „So wären die zuerst gepflanzten Bäume schon kräftiger und hätten begonnen, Baumkronen auszubilden, bevor die letzten Bäume in späteren Bauab-schnitten gefällt werden“, sagte der Chef der CDU-Stadtratsfraktion, Rolf-Alexander Scholze. „Welche Bäume gefällt werden, geht aus dem erstellten Gutachten hervor. Inwieweit einzelne Bäume an einzelnen Standorten stehenbleiben können, ist noch zu entscheiden.“ Abschließend gab der Stadtrat zu bedenken, dass die Straße ebenso für nachfolgende Generationen gebaut werde. „Das einheitliche Bild einer Allee gelingt nur, wenn auch eine einheitliche Bepflanzung und Gestaltung erfolgt. Allerdings sollten von Beginn an zahlreiche und möglichst größere Bäume gepflanzt werden, auch wenn das die Kosten erhöht.“

Und damit ist ein Konsens mit den Stadtbegrünern hergestellt. Alternativ zur Rettung der Bäume hatten auch sie ähnliche Überlegungen in der Vergangenheit angestellt.

Roland Kaiser / 05.09.2020

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Kommentare zum Artikel "Diskussion um Alleebäume hält an"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. vertoli schrieb am

    überprüfenswert sind die Unterschriftslisten- wer von den Unterzeichnenden tatsächlich auf der Paulistraße wohnt .
    Wer hat die Plakatierung in der Paulistraße genehmigt?