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Fahrplanwechsel sorgt für Frust

Fahrplanwechsel sorgt für Frust

Kaum haben sich die Turbulenzen um die Städtebahn-Insolvenz gelegt, gibt es auf der Bahnstrecke Kamenz-Dresden wieder Ärger.

Eigentlich sollte ab dem 15. Dezember vieles besser werden. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung über das Ergebnis – allerdings nicht bei allen.

Kamenz. Das hatten sich viele Kamenzer anders vorgestellt. Denn mit dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember 2019 verbanden sich gerade in der Lessingstadt große Hoffnungen. Hoffnungen, dass Kamenz fortan in einer Art und Weise mit der Landeshauptstadt verbunden sein würde, die einem nahe gelegenen Mittelzentrum gerecht wird. Umso größer dann die Enttäuschung, als die Erkenntnis heranreifte: Nichts hat sich verbessert. Im Gegenteil: „Die Lage stellt sich so dar, dass nach dem Fahrplanwechsel der so genannte Halb-Stunden-Takt nicht vorgesehen ist. Damit bleibt es bei der stündlichen Verbindung zwischen Kamenz und Dresden, die allerdings insoweit eine erhebliche Verschlechterung beinhaltet, als dass die Abfahrt in Kamenz künftig nicht mehr zur vollen, sondern zur halben Stunde stattfinden wird“, heißt es in einem Antrag der Fraktion Stadt Land Frau im Kamenzer Stadtrat.
 
Deren Vorsitzende Anne Hasselbach erklärt, was konkret zu dieser Einschätzung führt: „Anschlusszüge, zum Beispiel nach Wiesbaden, werden regelmäßig nicht erreicht, da Übergangszeiten von geplanten fünf Minuten (auf dem Fernbahnhof Dresden-Neustadt, d. Red.) vor allem für ältere Reisende nicht zu schaffen sind.“ Aus Richtung Köln verlängere sich die Übergangszeit in Richtung Kamenz hingegen von 30 auf 60 Minuten. Doch im Vorfeld des Fahrplanwechsels sei versprochen worden, dass sich die Anbindung an den Fernverkehr verbessern werde, nicht verschlechtern.

Probleme beim Schülerverkehr

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Für den Schülerverkehr ergeben sich laut Anne Hasselbach durch den Fahrplanwechsel ebenfalls erhebliche Verschlechterungen: „Für Schulkinder in Kamenz mit Schulbeginn 7.30 Uhr bedeutet dies eine deutlich frühere Anreise nach Kamenz (statt Ankunft 6.49 dann 6.23 Uhr) oder, wenn möglich, einen Umstieg auf den Bus.“ Doch auch Berufstätige, deren Arbeitszeit zur vollen Stunde beginnt, müssten jeweils einen Zug früher an- oder abreisen. Es bestehe die Gefahr, dass viele von ihnen wieder aufs Auto umsteigen. Schließlich werde auch der Flughafen Dresden-Klotzsche schlechter erreichbar. „Insgesamt ergibt sich durch den Fahrplanwechsel eine deutliche Verschlechterung für den ländlichen Raum im Bereich der Großen Kreisstadt Kamenz, die auch nicht durch die verbesserte Busverbindung in Richtung Bautzen aufgewogen wird, da die Bahnverbindung Kamenz – Dresden viel stärker genutzt wird als die Verbindung Kamenz – Bautzen“, so das Resümee von Stadt Land Frau.

VVO hebt die Hände

Dem für Kamenz zuständigen Verkehrszweckverband VVO ist die Problematik bekannt, allerdings sieht er die Verantwortung dafür nur zum Teil bei sich selbst. „Aus verkehrlicher Sicht sieht der VVO die Verdichtung auf der Strecke Dresden – Kamenz montags bis freitags auf ein halbstündliches Angebot als wünschenswert an. Leider ist diese umfassende Angebotsverbesserung mit den uns zur Verfügung gestellten Finanzmitteln aktuell nicht möglich“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes. Bei der nächsten Neuausschreibung des Ostsächsischen Dieselnetzes, zu dem die Strecke gehört, werde man die Kosten dafür bei den Bewerbern abfragen. „Eine Beauftragung ist aber auch hier nur möglich, wenn die Leistungen mit den dem VVO zur Verfügung stehenden Mitteln finanzierbar sind“, stellt der Verband klar. Hinsichtlich des Fernverkehrs stellt der VVO eine Besserung ab dem 4. Mai in Aussicht, wenn die Bauarbeiten im Bereich Radebeul abgeschlossen sind. Im Übrigen sei eine Übergangszeit von fünf Minuten zumutbar. Die Ursache für die Probleme im Pendlerverkehr sieht der VVO wiederum im „Nullknoten“, den der Nachbarverband ZVON im Bahnhof Zittau eingerichtet hat. Um Langebrück nicht abzuhängen, sei eine „Drehung“ des Fahrplans um circa 30 Minuten erforderlich gewesen. 
Erklärungen, die Anne Hasselbach und ihre Mitstreiterinnen nicht befriedigen können: „Der Fahrplanwechsel berücksichtigt in keiner Weise die Stellung der Stadt Kamenz als Mittelzentrum.“ Auch Die Linke in Kamenz hat sich dieser Position angeschlossen. 
Uwe Menschner

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Uwe Menschner / 27.01.2020

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Kommentare zum Artikel "Fahrplanwechsel sorgt für Frust"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. AlterWolf schrieb am

    Da muss ich aber Herrn Jakob widersprechen: Wenn er schon mal mit dem Zug gefahren wäre, hätte er die teilweise chaotischen Zustände in den Zügen des Berufsverkehrs erlebt. In den Morgenstunden Richtung Dresden einen Sitzplatz zu bekommen, ist schon Glückssache. Vermutlich meint er 95% Besetzung. Nachmittags ab Dresden-Neustadt noch einen zumutbaren Stehplatz zu bekommen, ist auch Glückssache.
    Übrigens: als umweltbewusster Autofahrer stelle ich den Motor an der Schranke ab!

  2. Erhard Jakob schrieb am

    Ein Volk regieren ist wie ein Sack Flöhe hüten! Jeder springt in irgend eine Richtung! Zur Taktverdichtung habe ich folgende Meinung. In Pulsnitz sind die Züge zu 95 % leer! Jede halbe Stunde gehen die Schranken runter und die Autos mit ihren Abgasen bilden einen
    Stau. Wenn eine Taktverdichtung vorgenommen wird, werden die Schranken nicht mehr jeder halbe sondern jede viertel Stunde geschlossen!

  3. AlterWolf schrieb am

    Das war eigentlich vorauszusehen, dass eine derartige Verschiebung des jahrelang eingefahrenen Taktes schiefgeht. Noch dazu, wenn die versprochene und von den Pendlern sehnsüchtig erwartete Taktverdichtung nicht kommt. Sollte es wirklich an den fehlenden Regionalisierungsmitteln liegen? In den letzten Monaten des Schienenersatzverkehrs sollten doch einige T€ eingespart worden sein und werden noch bis März weiterhin gespart. Auch wenn die neue Landesregierung noch keine zusätzlichen Mittel zugesagt hat, aber die Wahlversprechen für eine grundlegende Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, besonders im ländlichen Raum, sollten kurzfristig umgesetzt werden, wenn das Vertrauen in den gewählten Landtag nicht weiter schwinden soll. Sind wir Wähler es nicht mehr wert?

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