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Feuer und Flamme für Kürbisse im Tierpark

Feuer und Flamme für Kürbisse im Tierpark

Dhyana Feuertanz setzt den Kürbis im Görlitzer Tierpark mit tänzerischen und akrobatischen Elementen sowie Flammeneffekten in Szene. Foto: Arne Sonnenburg

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Auch die Pater-David-Felsenhörchen lassen sich gerne einen leckeren Kürbis schmecken. Einige Tiere dieser aus China stammenden Art konnten 1991 in Flandern Reißaus nehmen und haben sich in Belgien schon etwas in freier Wildbahn verbreitet. Foto: Zoo Görlitz

Ein Kürbisfest greift die Kultpflanze künftig im Tierpark auf. Schon ab 12. Oktober kann man sich auf die Melonenfrucht an der Zittauer Straße einstimmen. Und das ganze mal gänzlich frei von einem furchterregenden Hype, der uns 1991 erfasste.

Görlitz. Die Blätter verfärben sich und und der Kürbis hält nach und nach Einzug! Meist läuft das darauf hinaus, dass der seit den 90er Jahren bei uns verbreitete Halloweenvirus die Ernte für seine Zwecke in Beschlag nimmt.
„Wir haben diesen Trend in den vergangenen Jahren auch mitgemacht, aber sind damit nicht so richtig glücklich gewesen. Halloween ist ein amerikanischer Brauch und wir propagieren mit dem Tierpark sonst ja eher regionale Produkte“, betont Isa Plath, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Zoopädagogik im Görlitzer Tierpark. „Auch der Gruselfaktor hat eigentlich nicht so richtig zu uns gepasst, ein sympathisches Bild von den Tieren zu vermitteln“, erklärt Plath und kündigt für dieses Jahr ganz simpel ein „Kürbisfest“ an.
Die Courage, mal gegen den Trend der Zeit ein Zeichen zu setzen, kann man einer im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Institution heute wohl kaum hoch genug anrechnen. Letztlich ist das auch immer mit einem Risiko behaftet. Und wer erinnert sich heute noch daran, dass am Anfang der Erfolgsgeschichte von Halloween der Golfkrieg stand? Nach dessen Ausbruch fiel 1991 der Karneval in Deutschland aus und die Hersteller von Gruselmasken dachten damals schnell um und implantierten mit einer breit angelegten Werbestrategie ein Fest aus dem Nichts im Bewusstsein einer ganzen Nation, bei dem man die liegengebliebenen Produkte doch noch an den Mann bringen konnte.
Dennoch passt der Kürbis als solcher natürlich wunderbar in diese Tage und abgewöhnen wolle man diese – dank des eigentlich irisch-amerikanischen Brauches immer beliebter gewordene – Pflanze niemandem. Also ist der Kürbis selbst 2019 das Objekt der Begierde im Zoo. „Ich habe da große Ehrfurcht vor den Kürbisfesten in Ludwigsdorf und vielleicht bekommen wir mit den Veranstaltern dort ja auch eine Zusammenarbeit bei der ein oder anderen Aktion hin“, erhofft sich Isa Plath.

Gerade erst hat man dort die 10. Offene Sächsische Meisterschaft im Kürbiswiegen hinter sich gebracht. Das große Kürbisschlachten in Ludwigsdorf am 10. Oktober von 14.30 bis 17.30 Uhr hingegen steht noch vor uns. Hierbei kann circa eine Tonne Kürbisfleisch für den eigenen Kochtopf oder Kürbiskerne für den Garten mitgenommen werden. Zudem wird die Prämierung der besten Kürbisdekorationen aus Ludwigsdorf und Ober-Neundorf vorgenommen.

Der Startschuss in Sachen Kürbisaktionen im Tierpark fällt dann ab dem 12. Oktober. Tierparkgäste sind ab jenem Sonnabend zur Kürbisrallye aufgefordert. In den Gehegen und Käfigen werden Kürbisse mit Buchstaben versteckt zu finden sein, die zusammen ein Lösungswort ergeben. Wer also aufmerksamen Auges an den Bewohnern des Zoos vorbeischlendert, hat gute Aussichten auf Preise.
Eine Auswertung und die Preisvergabe fällt dann auf den Vorabend des Reformationstages – also auf Mittwoch, den 30. Oktober – oder wie der heutige Deutsche nach nur 28-jähriger – nennen wir es einmal – „Umgewöhnung“ mittlerweile eher sagt „von Halloween“. Der Tierpark stellt sich auch kulinarisch darauf mit einem kürbislastigen Imbissangebot ein. Kürbisgemüse mit Reis oder Kürbissuppe treten zeitweise in Konkurrenz zum gewohnten Angebot.

Das Kürbisfest am 30. Oktober von 15.00 bis 19.00 Uhr bringt aber selbstverständlich auch die Stars des Hauses ins Spiel – die Tiere! Auserkoren sind dafür Stachelschweine und Rhesusaffen. „Die können sich so wunderbar mit Kürbissen beschäftigen“, schwärmt Isa Plath nach einigen Versuchen. „Das wird bestimmt ein schönes Bild“, verspricht sie. Doch der Spaß lauert auch an anderen Stellen. Wer Lust hat kann sich für ein Kürbiskarrenrennen anmelden, bei dem man bei Tempo dennoch die gute Fracht nicht verlieren darf. Und da es langsam auch immer früher dämmert wird um 18.00 Uhr eine Feuershow mit „Dhyana Feuertanz“ (Diana Bischof aus Lückendorf) geben. Sie bereitet eine Kürbisperformance vor, die den Kürbis mit ausdrucksvollen tänzerischen und akrobatischen Elementen sowie Flammeneffekten in Szene setzt. „Dhyana (gesprochen: Dschana) bedeutet im altindischen Sanskrit übrigens glühen und brennen“, verrät die Künstlerin dem Niederschlesischen Kurier. Dies könne in buddhistischer Tradition auch als geistig-glühend verstanden werden. Quasi, wie der Tierpark auch für eine neue Idee brennt. „Keine Sorge“, verspricht Isa Plath jedoch den kleinen Besuchern zur neuen Strategie. Auch wenn Gruselfratzen nicht so richtig passen würden, werde es dennoch auch weiterhin ein beliebtes Kinderschminken geben, denn z.B. gegen ein lustiges Kürbisgesicht spreche ja nichts.

Die Feuertanzshow wird übrigens im Streichelzoo stattfinden, denn dies ist der größte feuerfeste Raum auf dem Gelände mit Sandfläche. Trotz aller Attraktionen bleibt es am 30. Oktober bei den gewohnten Eintrittspreisen. „Der 30. Oktober ist bei uns für ein Kürbisfest aber eigentlich schon auch für die kommenden Jahre gesetzt“, verspricht Isa Plath. Wer wird gruselige Fratzen da schon wirklich vermissen?

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Till Scholtz-Knobloch / 05.10.2019

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