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Gickel moal da!

Gickel moal da!

Die tschechische Polizei ist auch auf Feldwegen an der Grenze unterwegs – allerdings nicht in Sachen Corona. Foto: privat

Dreiländereck. Ein Görlitzer Freund von mir kann sich mit den geschlossenen Grenzen so gar nicht anfreunden und fröhnt weiter seiner Leidenschaft von Naherholungsausflügen auch nach Polen und Tschechien. Meist mit dem Motorrad und nun mit dem Auto geht es dann eben über Feldwege ins Nachbarland, so auch kürzlich über Tschechien an die polnische Grenze. Ziel war der Gickelsberg (tschechisch Vyhledy, polnisch Guslarz), von dem man eine herrliche Aussicht ins Zittauer Becken und das Neißetal hat. So leitet sich der Name Gickelsberg auch vom Gucken in die Ferne ab. Das taten auch vor Corona nur noch wenige, denn 1948 wurde die Gipfelbaude von Grenztruppen abgetragen.

Dieses Mal kam es für meinen Bekannten wie es kommen musste. Die tschechische Polizei stellte den ausländischen Ausflügler auf dem Feldweg. Bei der Befragung durch die Polizei sei Corona dann allerdings überhaupt kein Thema gewesen, vielmehr interessierte die Gesetzeshüter einzig, ob da jemand als Schmuggler unterwegs ist. Dem war nicht so, also dann nach einem freundlichen Plausch „Gute Fahrt!“.

Aber selbst in Deutschland bröckelt ja derzeit der Denunziations- und Kontrollgeist. Zwar erhalte ich weiterhin aus der Polizeidirektion täglich zig Meldungen über Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung im Stile einer Berichterstattung über Verbrechensbekämpfung, aber die Ministerpräsidenten kritisieren nun reihenweise die Bundes-„Notbremse“ und bringen – so die Zeitung ’Die Welt’ – „ihre eigene Polizei in eine unzumutbare Lage“, da sie ihre Polizei so „zur Dienstverweigerung“ animieren würden.

Aber man kann sich natürlich einfach mal etwas beim Nachbarn abschauen und so die Kirche im Dorf lassen – so wie das die Tschechen den verbissenen Deutschen an der Grenze vormachen.
 

Till Scholtz-Knobloch / 04.05.2021

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