Jubiläums-Slam vor vollem Haus

Olli Schumann präsentiert ihren Text. Lucas Schemenz, Ilona Lentz und Moderatorin Kaddi Cutz (von links nach rechts) lauschen gespannt – ebenso wie das Publikum. Foto: Beate Diederichs
Kamenz. Zum zehnten Mal begrüßte die Stadtwerkstatt Kamenz Autoren zum „Poetry Slam“ in der Stadtbibliothek der Lessingstadt. „Hier ist es immer voll und wir agieren vor einem sehr dankbaren Publikum“, lobte Moderatorin Kaddi Cutz am Abend des 26. März. Diesmal hatte sie ein kleines und feines Autorenteam mitgebracht: Lucas Schemenz und Ilona Lentz aus Berlin sowie Olli Schumann aus Dresden. Die drei stellten in drei Runden je einen selbstgeschriebenen Text vor und bewiesen dabei Beobachtungsgabe, Sprachschärfe und schauspielerisches Talent. Lukas Schemenz schilderte schwarzhumoristisch einen Zahnarztbesuch und das Verkosten scharfer Currywurstsaucen und rührte die Zuhörer mit einem persönlichen Text über den Tod seiner Mutter. Ilona Lentz beschrieb die Tücken digitaler Büroarbeit und die eines Berliner Freibadbesuchs und erzählte einfühlsam und poetisch davon, wie ein alter Berliner kurz vor seinem Tod ein schrottreifes Rad wieder flottmacht. Olli Schumann spießte die anstrengenden Seiten des Frühlings auf, zeigte eine satirische Charakterstudie von Versicherungsmaklern und nahm die Zuhörer mit in die Welt der Wellness. Texte, in denen jedes Wort saß, zudem so kurzweilig vorgetragen, dass die zwei Stunden wie im Flug vergingen.
Ob Gendersprache darin ihren Platz haben sollte, mag Geschmackssache sein. Am Ende erhielt, gemessen am Applaus, Lucas Schemenz die Siegertrophäe, eine „goldene“ Kamenzer Wurst aus Holz. Wer den Gesprächen im Publikum lauschte, bekam aber den Eindruck: Hier wetteiferten drei Autoren miteinander, die sich auf gleichermaßen hohem Niveau bewegten und mit ihren Texten Facetten zu einem literarischen Gesamtbild zusammensetzten.