Kann Kamenz´ kleiner Zoo erhalten bleiben?

Ponystute „Lotte“ und die aufgeweckten Enten gehören zu den Tieren, die in den Gehegen am Kamenzer Tuchmacherteich leben. Für die Zukunft werden ehrenamtliche Helfer gesucht, damit der Tierpark weiterleben kann.
Schon viele Jahrzehnte leben in Gehegen am Kamenzer Tuchmacherteich Tiere: Pferde, Schafe, Ziegen und Vögel. Seit 2013 kümmern sich Ehrenamtler des Heimatvereins Wiesa e. V. um das Areal. Einige von ihnen können das künftig aus alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr tun. Um den Tierpark zu erhalten, sucht der Verein nun Tierfreunde, die die Vierbeiner und das Geflügel füttern und das Gelände in Ordnung halten.
Kamenz. „Lotte“ legt sich in eine Sandkuhle in ihrem Pferch. Staub wirbelt auf und bedeckt Mähne und Schweif des braunen Mini-Ponys. Doch vor ein paar Minuten war das Pferdchen noch ganz sauber und gepflegt. „Denn zwei Mädchen kommen fast täglich vorbei, bürsten ,Lotte’ und ihre Gefährtin und gehen mit ihnen spazieren“, berichtet Ramona Otto. Die Gefährtin ist die größere, weiße „Susi“, die sich ins Stallinnere verkrümelt hat. Drin hört man sie kauen: frisches Heu. Die beiden Stuten, die in ihrem Stall mit Außenbereich am Kamenzer Tuchmacherteich leben, stammen ursprünglich aus Österreich. Wie die meisten Tiere hier hat sie der Heimatverein Wiesa e.V. über die Jahre gekauft. Zu den Vierbeinern gehören außerdem Schafe und Ziegen. Auf einem Nebenteich schwimmen Enten. Hühner scharren im Sand. In Volieren wohnen Tauben und ein Pfau. Ein Teil der Vögel sei zugeflogen oder vor Ort ausgebrütet worden, erzählt Ramona Otto. Der Heimatverein, dem sie angehört, kümmert sich seit 2013 um das Tiergehege. Von der Stadt Kamenz, die das Areal besitzt, erhielt er dafür einen Betreibervertrag. Die Stadtverwaltung stellt dem Verein monatlich einen gewissen Betrag zur Verfügung. Davon kauft er das Futter und Reparaturmaterial, falls mal ein Dach geflickt oder ein Gatter ausgebessert werden muss. Die eigentliche Arbeit – die Tiere morgens und abends zu füttern und das Gelände instand zu halten – erledigen die Mitglieder ehrenamtlich.Und sie tun es gern. Denn ihr kleiner Zoo liegt ihnen sehr am Herzen. Um den körperlichen Einsatz zu erleichtern, wurden über die Zeit mehrere technische Geräte angeschafft. Bei schlechtem Wetter können sich die Ehrenamtlichen in einen Aufenthaltsraum neben der Voliere zurückziehen.
Den Tierpark am Tuchmacherteich gibt es schon seit DDR-Zeiten. Davon zeugt eine Steintafel, die ihn als Naherholungsgebiet für die Kamenzer preist. Einige Meter entfernt erinnert ein anderer Stein an Werner Wolf, der sich ab 1993 dafür engagierte, dass das Gehege sein heutiges Gesicht erhielt. Bis der Verein es 2013 übernahm, bewirtschafteten es die Mitarbeiter der Kommunalen Dienste Kamenz. In den letzten Jahren sorgte innerhalb des Vereins vor allem die ehemalige Tierärztin Gerlinde Löhnert für die Tiere. Nun scheiden aber alters- und gesundheitsbedingt Helfer aus. Damit der Verein die Tiere nicht verkaufen muss und das Gehege damit „stirbt“, sucht er Tierfreunde, die sich die Arbeiten am Tuchmacherteich teilen.
Für das Füttern und das Sauberhalten der Ställe müsse man jeweils früh und abends rund zwei Stunden einplanen, meint Ramona Otto. Wer sich an der Pflege beteiligen möchte, sollte tierlieb und zuverlässig sein. Alles andere kann man lernen, betont das Vereinsmitglied. Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet. Vielleicht kommt am Ende eine kleine Gruppe von Menschen zusammen, die unterschiedliche Zeiten abdecken könnten: aus Rentnern, Werktätigen und Familien? „Wir werden versuchen, die neuen Ehrenamtlichen zeitnah zu einem ersten Termin zusammenzubringen, bei dem sie sich gegenseitig und die Arbeit vor Ort kennen lernen“, kündigt Tierfreundin Otto an.