Kantersieg gegen Onlinebanking und neue Ehre für Tschirnhaus

V.l.n.r.: Prof. Robert B. Heimann (Pro Tschirnhaus e. V.), Gabriele Heimann (Schatzmeisterin), Bank- und Stiftungsvorstand Sven Fiedler sowie Bernhard Kremser
Region. Bei den Mitgliederabenden der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG in Markersdorf, Niesky und Görlitz gab es für die Genossenschaftsmitglieder kürzlich eine echte Denkaufgabe mit Aha-Effekt. Auf der Leinwand begrüßte sie Vorstand Sven Fiedler und referierte per Videokurz über die Weiterentwicklung des Kreditinstituts. „Um die Effizienz nachhaltig zu steigern“ und um schneller zu Entscheidungen zu kommen würde man „ab sofort wichtige Themen nicht mehr in lagen Sitzungen diskutieren, sondern einfach auswürfeln. Das spart Zeit und sorgt gleichzeitig für mehr Spannung im Alltag“. Im übrigen hätten es einige sicher bereits bemerkt, so Fiedler: „Ich bin aktuell zusätzlich als Torwart bei der WM im Einsatz. Aufgrund meiner Körpergröße wurde ich kurzfristig verpflichtet.“ Der kleine Schocker hatte einen ernsten Hintergrund. Bereits das traditionelle Jahresbilanzgespräch der Vorstände Sven Fiedler und René Ziemianski mit der Redaktion drehte sich in Zeichen von Künstlicher Intelligenz (KI) um den großen Spannungsbogen von Vertrauen und Kriminalität.
Exemplarisch stand etwa eine Görlitzer Polizeimeldung nach der vermeintliche Bankmitarbeiter einer 51-Jährigen mehrere zehntausend Euro entzogen hatten. Sie brachten die Frau dazu, einen QR-Code zur angeblichen Freischaltung ihres Online-Bankings einzuscannen. So verschafften sie sich Zugriff auf ihr Konto, änderten die Zugangsdaten, eröffneten neue Konten und überwiesen das Geld. Dererlei Geschehnisse zeigten, dass Vertrauen heute viel leichter ’gehackt’ werden könne. Wenige zufällige Sprachschnipsel – irgendwo aufgenommen – reichen heute, um der KI den Auftrag zu erteilen, die Stimme einer Vertrauensperson und so auch von Bankmitarbeitern zu simulieren, und dem vertrauenden Gegenüber an der Telefonleitung völlig falsche Botschaften auszusenden.
Der von der KI erstellte Film mit Sprachbotschaft von Vorstand und ’Torwart’ Fiedler sollte also Mitarbeitern wie Kunden signalisieren, dass die Bank um die Ecke da noch einen echten Trumpf im Ärmel hat. „Das persönliche Mitarbeitergespräch ist der beste Sicherheitscheck“, so Sven Fiedler. Ein Film, eine Telefonstimme kann KI-generiert sein, der Mitarbeiter vor Ort ist aber mit Sicherheit ’noch’ kein kriminelles Hologram, das sich Zugang zu Beratungszimmern erschlichen hat. Oder anders gesagt: Der persönliche Mitarbeiterkontakt Auge in Auge ist quasi der Kantersieg gegen reines Online-Banking.
Und natürlich reiche Verantwortung einer Bank vor der Haustür ohnehin weiter. Die Stiftung der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien, dessen Vorstand ebenfalls Sven Fiedler ist, unterstützte zuletzt etwa das Kulturprojekt „Pro Tschirnhaus“ des Vereins Pro Tschirnhaus e. V. mit 5.000 Euro. Ziel ist die Errichtung einer Gedenkstele für den Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Görlitz. Das ursprüngliche Sandstein-Epitaph war in den 70er-Jahren zerstört worden. Die neue Stele entsteht nach Entwürfen des Görlitzer Bildhauers Bernhard Kremser aus Linden- und Nussbaumholz. Vorgesehen ist keine historische Rekonstruktion, sondern eine zeitgenössische künstlerische Erinnerung an Leben und Wirken des Wissenschaftlers, der als Mitbegründer der europäischen Hartporzellanherstellung gilt.
Aktuell geht die 29. Spendenabstimmung des Kreditinstituts in die entscheidende Phase: Bis zum 26. Juli kann jeder im Internet über die Verteilung von 2.500 Euro abstimmen. Neun Vereine, darunter solche aus Sohland a. R., Kodersdorf und Görlitz bewerben sich um Fördermittel. Infos und Stimmabgabe gibt es unter www.vrb-spendenabstimmung.de.
Aber so ganz ohne Bilanzinfos geht es natürlich auch 2026 nicht. Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG hat 2025 mit einer Bilanzsumme von 573,5 Millionen Euro abgeschlossen. Nach Angaben der Vorstände entwickelte sich das Kundengeschäft positiv. Das Kreditvolumen stieg um 8,7 Prozent auf 334,3 Millionen Euro, die Kundeneinlagen erreichten 479,4 Millionen Euro, die Spareinlagen legten um 5,4 Prozent zu. Der Zinsüberschuss betrug 10,8 Millionen Euro, der Provisionsüberschuss 4,6 Millionen Euro. Der Bilanzgewinn belief sich auf 360.642 Euro.
Unabhängig der Fertigkeiten rund um die KI setzte die Bank mehrere Digitalisierungsvorhaben um, darunter die Einführung von Microsoft 365, die vollständige digitale Kreditakte und neue Funktionen im Zahlungsverkehr. Die Genossenschaft betreibt sechs Standorte im nördlichen Landkreis Görlitz, betreut mit rund 30 Beratern etwa 26.000 Kunden und beschäftigte zum Jahresende 86 Mitarbeiter, darunter elf Auszubildende. Rund 12.420 Mitglieder sollen erneut eine Dividende von voraussichtlich drei Prozent erhalten.
