Künstlerin Angela Hampel: „Die Motive sind in mir drin“

Die Künstlerin Angela Hampel, die in Kamenz aufwuchs, in ihrer Dresdner Wohnung, die auch ihr Atelier ist. In dieser inspirierenden Umgebung entsteht das Gros ihrer Werke – auch derer, die derzeit im Malzhaus in Kamenz zu sehen sind. Foto: Beate Diederichs
Die Künstlerin Angela Hampel lebt und arbeitet seit über vierzig Jahren in Dresden. Doch nach wie vor fühlt sie sich Kamenz verbunden, der Stadt, in der sie aufwuchs. Daher ist es nur logisch, dass im Malzhaus Kamenz bis Anfang Oktober eine Werkauswahl Angela Hampels zu sehen ist. Immer wieder setzt die heute 70-jährige starke Frauen und mythologische Themen in Szene. „Christa Wolfs „Kassandra“ war mein Erweckungserlebnis“, sagt die Malerin und Grafikerin.
Kamenz/Dresden. Angela Hampels Wohnung in der Dresdner Südvorstadt ist gleichzeitig ihr Atelier und zeugt von jahrzehntelangem künstlerischen Schaffen: An den Wänden hängen großformatige und kleinformatige Bilder. Daneben steht eine Staffelei mit Farben. Auf ebenen Flächen liegen ausgebreitete und zusammengerollte Drucke und Zeichnungen. Regale voller Bücher weisen einen Weg zur Inspiration. Auf ihrem Schreibtisch schiebt die Künstlerin Papiere zur Seite und zieht den Flyer zu ihrer derzeitigen Ausstellung im Malzhaus Kamenz hervor. „Angela Hampel – Malerei und Grafik“ heißt es darauf schlicht. Bis zum 4. Oktober wird die Werkauswahl zu sehen sein.
Die Ausstellung in der Lessingstadt ist kein Zufall: 1956 in Räckelwitz geboren, wuchs Angela Hampel in Kamenz auf und lebte bis 1977 dort. Zuerst wohnte ihre Familie auf der Poststraße, später auf der Karl-Marx-Straße. Ihre Mutter lebt immer noch in Kamenz. „Ich fühle mich dieser schönen Stadt nach wie vor verbunden. Daher tut es mir immer leid, wenn ich durch sie gehe und sehe, wie viele Läden über die Jahre verschwunden sind“, sagt die heute 70-jährige.
Mit 16 wollte sie eigentlich Archäologin werden, hatte aber keine Aussicht, das Abi zu machen. Daher suchte sie sich statt dessen eine Ausbildung, bei der sie viel draußen sein konnte, und begann 1972, Forstfacharbeiterin zu lernen. „Der Förster, bei dem ich tätig war, wollte mich gerne in diesem Beruf halten. Aber meine Liebe zur Kunst war stärker“, erinnert sie sich. Parallel zur Arbeit fuhr sie nach dem Abschluss jeden Samstag zum Kurs an die Außenstelle der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden in Bautzen, um sich auf dieser Grundlage für das Hochschulstudium am Dresdener Hauptsitz bewerben zu können. Sie wurde zugelassen, studierte von 1977 bis 1982 und blieb danach in Dresden. Seitdem ist Angela Hampel als freischaffende Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin in der Elbestadt tätig. Von 1989 bis 2015 war sie Mitglied der „Dresdner Sezession“, einer Vereinigung von Künstlerinnen, und erhielt 2023 den Kunstpreis der Stadt Dresden.
In Kamenz sind nach wie vor einzelne Werke der Künstlerin präsent: die Installation „Erbsen zählen“ im Statistischen Landesamt, ein Holzschnitt im Lessing-Museum, ein Bild in Mischtechnik im Rathaus. Diese Technik wendet Angela Hampel oft an: „Ich setze dabei Farbe ein, sibirische Kreide, lege manchmal eine Collage drunter...“ Für die Collagen nutzt sie nicht selten Sachen, die sie als misslungen empfindet. Weggeworfen wird fast nichts. Über die Jahrzehnte hat Angela Hampel eine große Bandbreite an kreativen Schätzen geschaffen – vom Wandbild über die Buchillustration bis zum Kalender, Malerei, mit Stift aufs Papier gebrachte Zeichnungen, gedruckte Grafiken.
„Die Motive sind in mir“, sagt sie. Sie findet sie beim Fernsehen, beim Lesen, in ihrem Garten im Elbsandsteingebirge, wo eine Serie für ihre nächste Ausstellung entsteht. „Mein Erweckungserlebnis war Christa Wolfs Buch „Kassandra“, das 1986 erschien und das damals fast jeder kannte. Heute wissen viele nicht mal mehr, wer Christa Wolf war.“
Kassandra ist in der antiken Mythologie eine Seherin aus Troja, die die Niederlage ihrer Heimat im Trojanischen Krieg voraussagte. Die Götter hatten sie jedoch verflucht, so dass niemand ihr glaubte. Die Tragik dieser Figur beeindruckte die junge Angela Hampel so sehr, dass sie in der weltlichen und christlichen Literatur zu recherchieren begann und so viel Hintergrundwissen zusammentrug, unter anderem zum Miteinander – und Gegeneinander – der Geschlechter. Weibliche Gestalten wie die Amazone Penthesilea oder die biblische Salome lernte sie so erst kennen. „Seitdem bilde ich Frauen meist als stark ab, weil ich sie so erlebe“, sagt Angela Hampel.